RU DE

Asowo

Geschichte der Siedlung
Wohngebäude
Wirtschaftsbauten
Öffentliche Bauten
Museum
Denkmäler
Musikgruppen

ASOWO, russlanddeutsches Dorf 35 km südwestlich von Omsk. Gehörte vor 1917 zur Wolost Asowo, Ujesd Omsk, Gebiet Akmola. In der Sowjetzeit: Gebiet Omsk, Rayon Sosnowka (seit 1924) Nowoomskoje (seit 1929), Asowo (seit 1935); Tawritscheskoje (seit 1963). War  1911–1924 ein Wolost-Zentrum, 1924–1962 – Zentrum des Rayons. Ist seit 1992 Zentrum des Deutschen Nationalen Rayons Asowo. (zurzeit: Deutscher Nationaler Munizipalrayon Asowo),  Zentrum der Landsiedlung Asowo.

Einwohner:   430 (1913), 631 (1920), 980 (1926; 88% Ukrainer), 1217 (1939; 39,3% Ukrainer, 6% deutschstämmig), 2985 (1989; 35% deutschstämmig), 5686 (2007), 6928 (01.01. 2014).

Die spontane Besiedlung der Gegend in der Nähe des Waldorts Tokultaj  begann Anfang der 1900er Jahre. Die Zuteilung der Grundstücke für reguläre Siedlungen erfolgte 1908.  Das künftige Dorf entstand auf Parzelle Nr. 120. 1909 wurde die ländliche Gemeinschaft angemeldet. Dieses Datum gilt als Gründungstag des Dorfes. 1913 zählte es 73 Gehöfte. Unter den Begründern des Dorfes waren die Abkömmlinge aus dem Siedlungsgebiet der Kosaken am Don, jedoch stammte der Großteil der Siedler aus den Gouvernements Charkow, Poltawa, Jekaterinoslaw und Cherson sowie aus den Gouvernements Smolensk, Kursk etc.

1911 wurde ein Bethaus gebaut. 1910 wurde eine in der Kompetenz des Bildungsministeriums liegende 2-Klassen-Schule eröffnet, die 1912 von ca. 60 Kindern besucht wurde. Im Dorf gab es eine ölmotorgetriebene Walzenmühle (1911), arbeiteten mehrere Verkaufsläden. Die Hauptbeschäftigungen der Ortsbewohner waren der Ackerbau und die Viehzucht.

1926 zählte das Dorf 153 selbständige Haushalte. Im gleichen Jahr entstanden  erste genossenschaftliche Vereinigungen, nämlich die Maschinengenossenschaften „Ackermann“ und „Ukrainer“. 1931 wurde die Kolchose „16 Jahre Oktoberrevolution“ gegründet.   1940  entstand ein Rayons-Produktionskombinat, das den Grundstein für lokale Industrie legte. 1943 wurde ein Kraftwerk mit einer Leistung von 18,7 kWh in Betrieb genommen. In den Kriegsjahren wurden im Dorf viele Evakuierte untergebracht.

Sofort nach Kriegsende wurde ein Rayons-Krankenhaus, eine Ziegelei eröffnet. 1950 schlossen sich die Kolchosen der Dörfer Asowo und Priwalnoje  zur Kolchose „Taras Schewtschenko“ zusammen, seit 1957 bestand nach dem Zusammenschluss einer Reihe von Kolchosen das Staatsgut Asowo. 1965 wurde auf seiner Basis eine Geflügelfarm aufgemacht. Nach der Aufteilung des Staatsguts in kleinere Wirtschaften wurde in seinem früheren Standort  die Geflügelfarm Asowo (heute: Geschlossene Aktiengesellschaft „Rus“) gegründet.

1967 funktionierten im Dorf ein Krankenhaus mit 65 Betten, Apotheke, Sanitärstation, Klub für 220 Plätze, Bibliothek, Dienstleistungskombinat, Dutzend verschiedene Verkaufsläden, Kantine, Bäckerei. Im gleichen Jahr wurde ein Denkmal für die im Großen Vaterländischen Krieg gefallenen Landsleute aufgestellt. In den 1980er Jahren zählte  die Oberschule Asowo  mehr als 520 Schüler, es funktionierte ein Lehrinternat, es gab Kantine,  Sporthalle, eine Reihe der Fachunterrichtsräume.

1992  wurde Asowo zum Zentrum des Deutschen Nationalrayons Asowo. Die Gründung der neuen administrativen Einheit wurde möglich nach der Durchführung am 13. Oktober 1991 eines Referendums, an dem 71% der Einwohner des künftigen Rayons teilnahmen, von ihnen stimmten 82,7% für die Gründung des Deutschen Nationalrayons Asowo. Aufgrund der Ergebnisse des Referendums wurde am 18.Dezember 1991 auf einer Sitzung des Gebietssowjets Omsk die Gründung des Deutschen Nationalrayons Asowo beschlossen.  Der Rayon entstand am 17. Februar 1992 auf Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RF. Dazu gehörten 29 Siedlungsorte aus einem Teil der Territorien der Rayons Marjanowka, Odesskoje, Omsk,  Tawritscheskoje und Scherbakul, in 16 von ihnen lebte überwiegend deutschstämmige Bevölkerung. Die Leitung des Rayons übernahm Doktor biologischer Wissenschaften, Laborleiter im Sibirischen landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Bruno Genrichowitsch Reiter, Initiator der Gründung des Rayons. 2010 wurde die Führung der Rayonsverwaltung von Viktor Germanowitsch Sabelfeld übernommen. 2007 wurde das Wappen des Rayons bestätigt.

Eine aktive finanzielle Hilfeleistung für den Rayon  erfolgte seitens der deutschen Bundesregierung über die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW). Für die Abwicklung der aus Deutschland und Russland bereitgestellten Finanzmittel wurde die Stiftung für sozialökonomische Entwicklung „Altai“ gegründet. Von ihr wurden die Produktionsobjekte, gefördert,   die Errichtung der Wohnhäuser für die Umsiedler finanziert und Kredite an private Bauträger gewährt.

 Die größten Produktionsstätten des Rayons Asowo sind die Geschl.AG „Rus“ und die Geschl.AG „Asowskoje“. 1992 wurde eine Rayons-Kinderbibliothek eröffnet. Es arbeitet ein Rayons-Museum für Geschichte und Heimatkunde. Am 27. wurde das 100. Jubiläum des Dorfes begangen. An diesem Tag wurde eine Gedenk-Stele zu Ehren der Begründer des Dorfes aufgestellt.

 

Literaturnachweis:

Азовский немецкий национальный район // Немцы России: Энцикл. Т. 1 «А–И». – М.: ЭРН, 1999. – С. 31–32.

Бетхер А.Р. История становления и развития Азовского немецкого национального района (историческая справка) // Культура: Инф.-метод. бюл. – Омск, 2002. – № 2. – С. 9–12.

Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 78–86.

Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 года] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php

Сигутов П.Т. Формирование расселения населения Азовского национального района // Немцы Сибири: история и культура: Материалы Всерос. науч.-практ. конф. – Омск, 1993. – С. 116–119.

Сотникова О.А. Летопись села Азово: первые страницы. 1900–1915 гг. // Изв. ОГИК музея. – № 8. – Омск, 2000. – С. 283–287.

http://azovoinfo.ru/community/istoria/stanovlenie-41.html#cut