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Register der deutschen Siedlungen Russlands

Die Schaffung eines Registers, welches dazu dient, die in den Siedlungen befindlichen Objekte des Kulturerbes der deutschen Minderheit in Russland zu dokumentieren und so vor dem Vergessen zu schützen, wurde im Föderalen Zielprogramm „Sozialökonomische und ethnokulturelle Entwicklung der Russlanddeutschen für 2008–2012“ festgesetzt.

Im Vorfeld wurden hierzu in den Jahren 2012 und 2013 wissenschaftliche Expeditionen zu jenen Ortschaften durchgeführt, wo sich die einst von deutschen Einwanderern gegründeten Siedlungsstätten befanden oder bis heute befinden.

Zu diesen Ortschaften gehören die Bezirke Marx und Krasnoarmejsk im Gebiet Saratow, der Deutsche Nationalrayon Asowo im Gebiet Omsk und der Deutsche Nationalrayon in der Region Altai. Insgesamt wurden 77 Siedlungen (48 im Gebiet Saratow, 15 im Gebiet Omsk und 14 in der Region Altai) untersucht.

Als Methoden zur Informationsgewinnung wurden Befragungen, Interviews, unmittelbare Beobachtungen, statistische und Archivquellen sowie Audioaufzeichnungen und Fotoaufnahmen angewandt.

Die bei den Expeditionen aus den Archiv-, Statistik- und Literaturquellen gewonnenen Materialien und Informationen wurden gebündelt und in eine einheitliche Form gebracht. Daraus entstand eine spezielle „Struktur des Verzeichnisses von Siedlungen“, aus der sich nun die gattungsmäßige Zugehörigkeit der Kulturerbobjekte erschließen lässt.

Ins Verzeichnis wurden jene Siedlungen eingetragen, in deren Raum Objekte liegen, welche den Kriterien des „traditionellen ethnischen und musikalischen Erbes der Russlanddeutschen“ entsprechen.

Es wurden folgende Kriterien festgelegt: Das jeweilige Objekt wurde von Russlanddeutschen gegründet oder entstand unter Mitwirkung von Russlanddeutschen; das Objekt wurde früher und/oder wird heute für die Befriedigung der ethnokulturellen Belange der Russlanddeutschen genutzt; das Objekt ist ein Beispiel für die traditionelle materielle und/oder geistige Kultur der Russlanddeutschen; das Objekt weist ausgeprägte Anzeichen deutscher Kultur auf und seine Existenz trägt zum Erhalt der ethnischen Kultur der Russlanddeutschen bei; die Geschichte des Objekts ist mit der Russlanddeutschen sowie mit dem historischen Gedächtnis dieser Volksgruppe verbunden.

Für jedes in der jeweiligen konkreten Siedlung befindliche Objekt wurde eine offizielle Erfassungskarte entsprechend der Verordnung des Russischen Kulturministeriums vom 3. Oktober 2011 „Über die Bestätigung der Verordnung über ein einheitliches Verzeichnis der Objekte des Kulturerbes (Denkmäler der Geschichte und Kultur) der Völker der Russischen Föderation“ erstellt.

Ein wichtiger Punkt besteht darin, dass die untersuchten Siedlungen selbst Objekte des russlanddeutschen Kulturerbes sind, denn sie spiegeln zum einen die besonderen Bautraditionen der deutschstämmigen Siedler wider, welche wiederum einen beträchtlichen Anteil der Bevölkerung (beispielsweise im Wolga-Gebiet) ausmachten. Zum anderen beinhalten sie zahlreiche Einrichtungen und Organisationen wie Museen und religiöse Gemeinden, die zur Pflege der ethnischen Kultur beitragen.

Im Weiteren ist geplant, neue wissenschaftliche Expeditionen zu den bislang noch nicht erfassten russlanddeutschen Siedlungen zu unternehmen. Die Untersuchungsergebnisse werden ebenfalls auf der Web-Seite „Register der deutschen Siedlungen Russlands“ veröffentlicht werden.