Trubetzkoje / Knjase-trubetzkoj (Siedlungsparzelle Dzhangys-Kuduk, Nr. 54)

Gebiet Omsk

Geschichte der Siedlung

TRUBETZKOJE / KNJASE-TRUBETZKOJ (Siedlungsparzelle Dzhangys-Kuduk, Nr. 54), lutherisch-baptistisches Dorf, gegründet 1905   53 km südwestlich von Omsk. Gehörte bis  1917 zum Ujesd Omsk des Gebiets Akmola  (Wolost Alexandrowka). In der Sowjetzeit: Gebiet Omsk, Rayon Sosnowka, Nowoomskoje, Asowo, Scherbakul. Zurzeit -  Deutscher Nationalrayon Asowo, im Rahmen der Landsiedlung Alexandrowka.

Einwohner:  224 (1909), 740 (1920; 100% deutschstämmig), 504 (1925; 97% deutschstämmig), 588 (1926), 655 (1989), 715 (2006). In der 1. Hälfte der 1920er Jahre konnten  2 Familien auswandern:   Familie Kanenberg in die USA und Familie Vouyance  nach Kanada.

Die Frage nach der  Bereitstellung einer Parzelle für künftige Siedlung wurde von der Umsiedlungskanzlei  1904 entschieden. Die Besiedlung begann   1905  durch  Deutsche aus dem Gouvernement Wolhynnien, die sich  früher eigenmächtig in den  Nadelwäldern des Ujesd Tara niederließen. Ohne staatliche Unterstützung mussten  die Neusiedler von Tara am neuen Siedlungsort große Schwierigkeiten durchmachen. Die Strapazen der ersten Jahre  zwangen sie, die Umsiedlung in eine andere Gegend zu beantragen.  Im Sommer 1905 beschloss die Umsiedlungskanzlei, 40 Familien aus dem Ujesd Tara  in die Siedlungsparzelle Knjase-Trubetzkoj zu verlegen.  Auf jede männliche Person entfielen dabei 15 Desjatin Land. Am  4. August  1905  gelangten 14 Familien zum neuen Siedlungsort. Die Einrichtung begann mit dem Ausheben von Erdhütten, später wurde mit der Errichtung der Häuser aus Lehmziegeln begonnen. 1906 wurde ein staatseigener Wasserbrunnen angelegt.

1910 wurde ein baptistisches Bethaus als erstes Holzgebäude  im Dorf fertiggestellt und 1911 geweiht.  Die Gläubigen gehörten zu evangelikalen Baptisten. Später ließen sich im Dorf die Lutheraner nieder. Nach Angaben  von 1911  gab es im Dorf keine Schule. Die nächstgelegene Schule befand sich  in Alexandrowka.  Die erste Schule wurde 1915 errichtet. Dabei ging es um ein niedriges Gebäude aus Rasenplatten. Der erste Lehrer hieß Reinfeld, bald verließ er   das Dorf  wegen niedriger Vergütung.

1913 zählte das Dorf 50 Haushalte, es gab einen Verkaufsladen von Emmanuel Widt, dreimal im Jahr fand ein Markt statt. Das Anteilland der Gemeinde machte 1738 Desjatin (1916) aus.

In den Jahren des Ersten Weltkrieges erhöhte sich die Bevölkerungszahl  durch ankommende Flüchtlinge, Deutschstämmige aus Wolhynnien, es setzte sich die Umsiedlung aus dem Ujesd Tara fort. 1924  zählte die Siedlung  bereits  519 Personen.

1920 wurde ein Landrat gegründet. 1922  gab es 81 Haushalte, davon hatten  9  keine Saatfläche, 20 besaßen keine Pferde. Gleichzeitig  gab es Besitzer mit größeren Ländereien wie z.B. Johann Friese (mit 63 Desjatin), Heinrich Rist (mit 32 Desjatin), Heinrich Rohde (mit 30 Desjatin).

Seit Mitte der 1920er Jahre begann die Bildung der genossenschaftlichen Wirtschaftsformen wie Maschinengenossenschaften  „Triumph“ (Mai 1926), „Vom Hakenpflug zur Maschine“ (1926). Anfang der 1930er Jahre entstand die Kolchose „Vorwärts“ (seit 1941:  „Oktober“). 1939 wurden die Vorwerke abgeschafft, bis Sommer 1940 wurden die Einwohner in den Kernbereich der Kolchose umgesiedelt.

1951 wurde an die Kolchose „Oktober“ die Kolchose „Aktivist“ (Dorf Barsukowka) angeschlossen. 1979 wurde die Kolchose „Oktober“ in die größere Wirtschaft „Thälmann“ (Dorf Alexandrowka) eingegliedert, so dass Trubetzkoje den Status einer Kolchosbrigade erhielt.

In den 1960er Jahren entstand im Dorf ein Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle, es funktionierte ein Klub für 65 Plätze mit einer Filmvorführanlage, Bibliothek, 8-Klassen-Schule. In den 1980er Jahren wurde der Klub durch ein Kulturhaus abgelöst, es arbeiteten Saisonkantine,  Änderungsschneiderei,  Bad, Postamt, Telefon, Kindergarten. Anfang der 1990er Jahre  wurde zum Dorf eine Asphaltstraße verlegt.

1993 wurde die Kolchosbrigade in die AG „Trubetzkoje“ umgewandelt. Die wirtschaftliche Grundlage bildete eine Farm für Kaninchen- und Wasserrattenzucht. Gegen Ende der 1990er Jahre lag die Wirtschaft am Rande des Bankrotts. 1998 schloss sich die AG „Trubetzkoje“ mit der Geschl.AG „Rus“ (Geflügelfarm in Asowo) zusammen.

Zurzeit besteht im Dorf eine Mittelschule mit Unterricht von Deutsch als Muttersprache, arbeitet ein Kindergarten, Zentrum der deutschen Kultur, Bibliothek, es arbeitet aktiv die Gemeinde der evangelikalen Baptisten.

 

Literaturnachweis:

Баах С.В., Вибе П.П., Гофман Р.В. Трубецкое (краткий очерк истории села). – Омск, 2005. – 70 с.

Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 87–91.

Гофман Р. Трубецкому – 85 лет // Ленинец (Щербакуль). – 1990. – 16 авг.

Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php