TARLYKOWKA (Dinkel, Oberholstein, Wiesental)

Gebiet Samara

Geschichte der Siedlung

Bis 1917 Gouvernement Samara, Bezirk Nowousensk, Kolonistenkreis Tarlyk; Amtsbezirk Tarlykowka; in sowjetischer Zeit ASSR der Wolgadeutschen, Kanton Kukkus (Wolskoje) bzw. Kanton Seelmann (Rownoje).

Lutherisches Dorf. Gegründet 1767. Der Name „Dinkel“ geht auf den Familiennamen des ersten Dorfältesten zurück, der Name „Wiesental“ wurde von den Anwerbern gegeben, war unter den Kolonisten aber nicht gebräuchlich. Die Gründer waren 56 Familien aus Holstein, Württemberg und Mecklenburg. Werberkolonie von le Roy und Pictet.

Am linken Ufer des Flusses Tarlyk (an dessen Mündung in die Wolga) 72 km südlich von Saratow gelegen.

1774 wurde die Kolonie im Zuge des Pugatschow-Aufstands geplündert, auch wenn angenommen wird, dass die Plünderer ohne Wissen Pugatschows handelten.

Die Bewohner der Kolonie gehörten zur lutherischen Kirchengemeinde Warenburg. 1894 wurde eine Kirche für 800 Besucher gebaut.

Landfläche: 4.365 Desjatinen (1857; 140 Familien).

Das unter den Bewohnern am weitesten verbreitete Handwerk war die Korbflechterei.

Vor der Revolution gab es im Dorf eine kirchliche Gemeindeschule, drei Wasser- und zwei Windmühlen sowie eine Butterei.

In der Zwischenkriegszeit war Tarlykowka Verwaltungszentrum des gleichnamigen Amtsbezirks, Rayons bzw. Dorfsowjets des Bezirks Rownoje bzw. der Kantone Kukkus und Seelmann.

1926 gab es im Dorf einen Dorfsowjet, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft und eine Grundschule.

Geburtsort des Schriftstellers E. Hummel (1914–1988).

Am 3. September 1941 begann die Deportierung der deutschen Bevölkerung in die östlichen Landesteile, in deren Folge die im Kanton Kukkus ansässige Bevölkerung (einschließlich der Einwohner von Dinkel) in die Regionen Krasnojarsk und Altaj sowie in die Gebiete Omsk, Nowosibirsk, Kustanaj, Pawlodar, Akmola und Nord-Kasachstan kam. Anschließend wurde Dinkel in Tarlykowka umbenannt.

Heute ist das Dorf Verwaltungszentrum der Landgemeinde Tarlykowka (Rayon Rownoje), zu der auch die früheren deutschen Kolonien Skatowka und Tschkalowskoje gehören. Tarlykowka hat 715 Einwohner, unter denen auch etwa 50 Deutsche sind. Den Großteil der Bevölkerung stellen Russen, Kasachen und Dunganen. Im Dorf ist der landwirtschaftliche Betrieb „Sewerjane GmbH“ angesiedelt.

Entwicklung der Einwohnerzahlen: 166 (1767), 179 (1773), 187 (1788), 269 (1798), 333 (1816), 585 (1834), 900 (1850), 1.132 (1859), 1.917 (1883), 1.949 (1889), 1.703/ davon 1.669 Deutsche (1897), 2.889 (1904), 3.224 (1910), 1.592/ davon 1.585 Deutsche (1926).

 

Literatur:

  1. Герман А.А. История Республики немцев Поволжья в события, фактах, документах. – 2-е изд. – М.: Готика, 2000. – 320 с.
  2. Герман А.А. Немецкая автономия на Волге. 1918–1941. Часть ІІ. Автономная республика. 1924–1941. – Саратов: Изд-во Саратовского ун-та, 1994. – 416 с.
  3. Дитц Я.Е. История поволжских немцев-колонистов. – М.: Готика, 1997. – 496 с.
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  6. Ровное. Арбузная столица Саратовской области: Историко-публицистическое издание / Гл. ред. В.В.Иванов. – Саратов: Приволжская книжная палата, 2015. – (Сер. «Золотое сердце Поволжья»). – 135 с.
  7. Шпак А.А. Административно-территориальные преобразования в Немповолжье. 1764–1944 гг. – Волгоград: Царицынская полиграфическая компания, 2012. – 385 с.