LUGOWSKOJE (Wiesenmüller, Lugowoje, Lugowye Kresty, Kresty, Stepantschukow)
LUGOWSKOJE (Wiesenmüller, Lugowoje, Lugowye Kresty, Kresty, Stepantschukow)
Gebiet Samara
Geschichte der Siedlung
Bis 1917 Gouvernement Samara, Bezirk Nowousensk, Kolonistenkreis Torgun; Amtsbezirk Lugowoje/ Torgun; in sowjetischer Zeit ASSR der Wolgadeutschen, Kanton Seelmann (Rownoje)/ Kanton Staraja Poltawka.
Lutherisches Dorf. Gegründet 1860 von aus den Kolonien Franzosen, Galka, Mühlberg, Stefan, Müller, Schwab, Holstein, Grimm, Moor und Balzer stammenden Kolonisten. Größte Tochterkolonie in Russland. Der Name geht auf den Familiennamen des ersten Dorfältesten zurück.
Am rechten Ufer des Flusses Jeruslan 140 km südlich von Saratow an der Grenze zwischen den Gebieten Saratow und Wolgograd gelegen.
Lutherische Kirchengemeinde Gnadentau, eine Kirche (erbaut 1876), in der 1930 letztmals ein Gottesdienst abgehalten wurde. Anschließend wurde das Gebäude als Klub und später als Getreidespeicher genutzt. Anfang der 1960er Jahre wurde auf dem Fundament der Kirche ein Krankenhaus gebaut.
Landfläche: 7.425 Desjatinen (1857; 167 Familien).
1871 wurde im Dorf eine Semstwo-Schule eröffnet. Vor der Revolution von 1917 gab es zudem eine Semstwo-Volksschule, eine Semstwo-Station, drei Jahrmärkte, eine Butterei, zwei Dampf-, eine Wasser- und vier Windmühlen.
1926 gab es im Dorf einen Genossenschaftsladen, eine Meliorationsgenossenschaft, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule, eine Station zur Bekämpfung des Analphabetentums, eine Lesehütte, ein Volkshaus und einen Dorfsowjet. 1931 wurde ein Kindergarten eröffnet. In den 1920er Jahren wurde eine Ziegelei in Betrieb genommen, die bis 1972 in Betrieb war. Ferner wurde in den 1930er Jahren eine Maschinen-Traktoren-Station gegründet.
Von 1935 an gab es eine Käserei, die erst in den 1990er Jahren den Betrieb einstellte. Heute sind die Fabrikgebäude verfallen. An den Betrieb angeschlossen bestand eine Fachoberschule für Käseproduktion von gesamtsowjetischer Bedeutung. 1928 wurde eine Fabrik für die Verarbeitung von Tomaten in Betrieb genommen. Im Zuge der Kollektivierung wurden die Kolchosen „Lenins Weg“ und „Sieg“ gegründet. 1938 wurde eine neue Schule eröffnet.
In der Zwischenkriegszeit war das Dorf Verwaltungszentrum des Dorfsowjets Wiesenmüller (Kanton Seelmann).
Geburtsort des Dichters G. Schneider (1910–1991). In Wiesenmüller begann der für seine Semstwo-Arbeit berühmte Kolonist und spätere Vorsitzende der Nowousensker Semstwo-Verwaltung und Ehren-Friedensrichter Jakob Iwanowitsch Albrant (1855–1916) seine Karriere als Dorfschreiber. Nach seinem Umzug nach Nowousenk wurde er dort zum Stadtverordneten und Stadtoberhaupt (bis 1907) gewählt und kehrte anschließend wieder zur Semstwo-Arbeit zurück.
Am 3. September 1941 begann die Deportierung der deutschen Bevölkerung in die östlichen Landesteile, in deren Folge die im Kanton Seelmann ansässige Bevölkerung (einschließlich der Einwohner von Wiesenmüller) in die Regionen Krasnojarsk und Altaj sowie in die Gebiete Omsk, Nowosibirsk, Kustanaj, Pawlodar, Akmola und Nord-Kasachstan kam.Anschließend wurde Wiesenmüller in Lugowskoje umbenannt.
1944 wurde auf Grundlage der Kolchose „Pobeda“ [„Sieg“] die auf den Anbau von Gemüse- und Getreidekulturen spezialisierte Sowchose „Lugowskoj“ gegründet, die bis 1991 bestand und dann in die bis heute bestehende Landwirtschaftsgenossenschaft „Lugowskoje“ überging.
Heute ist das Dorf Lugowskoje Verwaltungszentrum der Landgemeinde Lugowskoje (Rayon Rownoje), zu der auch die frühere deutsche Kolonie Mirnoje und die Siedlung Retschnoj gehören, und hat 1.164 Einwohner.
Entwicklung der Einwohnerzahlen: 2.526 (1883), 2.644 (1889), 2.969/ davon 2.947 Deutsche (1897), 4.366 (1904), 5.207 (1910), 2.469 (1923), 2.918/ davon 2.890 Deutsche (1926).
- Literatur:
- Герман А.А. История Республики немцев Поволжья в события, фактах, документах. – 2-е изд. – М.: Готика, 2000. – 320 с.
- Герман А.А. Немецкая автономия на Волге. 1918–1941. Часть ІІ. Автономная республика. 1924–1941. – Саратов: Изд-во Саратовского ун-та, 1994. – 416 с.
- Дитц Я.Е. История поволжских немцев-колонистов. – М.: Готика, 1997. – 496 с.
- Немцы России: населенные пункты и места поселения: энциклопедический словарь / Сост. В.Ф.Дизендорф. – М.: «ЭРН», 2006. – С. 77.
- Ровное. Арбузная столица Саратовской области: Историко-публицистическое издание / Гл. ред. В.В.Иванов. – Саратов: Приволжская книжная палата, 2015. – (Сер. «Золотое сердце Поволжья»). – 135 с.
- Шпак А.А. Административно-территориальные преобразования в Немповолжье. 1764–1944 гг. – Волгоград: Царицынская полиграфическая компания, 2012. – 385 с.