KRIWOJAR (Brunnental, Kriwoj Jar, Blumental)
KRIWOJAR (Brunnental, Kriwoj Jar, Blumental)
Gebiet Samara
Geschichte der Siedlung
Bis 1917 Gouvernement Samara, Bezirk Nowousensk, Kolonistenkreis Jeruslan; Amtsbezirk Bisjuk; in sowjetischer Zeit ASSR der Wolgadeutschen, Kanton Seelmann (Rownoje).
Lutherisches und reformiertes Dorf. Gegründet 1855 von aus Medwedizkij Krestowyj Bujerak stammenden Kolonisten (Kolonien Norka, Pobotschnaja, Grimm, Schilling, Frank).
Benannt nach dem damaligen Präsidenten des Moskauer Evangelisch-Lutherischen Konsistoriums Brunnental. Der Name Kriwoj Jar geht auf die gleichnamige Feldschlucht zurück.
Am rechten Ufer des Flusses Bisjuk 130 km südöstlich von Saratow gelegen.
Lutherische Kirchengemeinden Eckheim und Brunnental (ab 1882), eine lutherische Kirche (1877) und ein reformiertes Bethaus. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Probst der Wiesenseite in Brunnental sein Domizil.
Landfläche: 7.425 Desjatinen (1857; 189 Familien).
Während des Bauernaufstands von 1921 war die um das Dorf gelegene Gegend Schauplatz intensiver Kampfhandlungen.
1922 flohen einige Bewohner vor der Hungersnot nach Deutschland.
1926 gab es im Dorf eine genossenschaftliche Molkerei, eine Mühle, einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule, eine Lesehütte, eine Bibliothek und einen Dorfsowjet. 1930 wurde eine Maschinen-Traktoren-Station eingerichtet. Ein Krankenhaus. Im Zuge der Kollektivierung wurden in Brunnental die Kolchosen „Lenins Werk“ und „Rotarmist“ gegründet.
Am 3. September 1941 begann die Deportierung der deutschen Bevölkerung in die östlichen Landesteile, in deren Folge die im Kanton Seelmann ansässige Bevölkerung (einschließlich der Einwohner von Brunnental) in die Regionen Krasnojarsk und Altaj sowie in die Gebiete Omsk, Nowosibirsk, Kustanaj, Pawlodar, Akmola und Nord-Kasachstan kam. Anschließend wurde Brunnental in Kriwojar umbenannt.
In den Jahren 1941–45 war im Schulgebäude von Brunnental ein aus Leningrad evakuiertes Internat untergebracht.
Heute ist Kriwojar Verwaltungszentrum der Landgemeinde Kriwojar (Rayon Rownoje), zu der neben den früheren deutschen Siedlungen Nowo-Kamenka und Pestschanoje auch die Siedlung Rasswet gehört, und hat 1.282 Einwohner. Im Dorf leben einige Deutsche. Die Dorfbewohner sind größtenteils bei der landwirtschaftlichen GmbH „Kriwojarskoje“ beschäftigt.
Entwicklung der Einwohnerzahlen: 547 (1859), 2.416 (1883), 2.622 (1889), 2.493/ davon 2.479 Deutsche (1897), 4.302 (1905), 4.653 (1910), 2.280 (1923), 2.705/ davon 2.688 Deutsche (1926).
Literatur:
- Герман А.А. История Республики немцев Поволжья в события, фактах, документах. – 2-е изд. – М.: Готика, 2000. – 320 с.
- Герман А.А. Немецкая автономия на Волге. 1918–1941. Часть ІІ. Автономная республика. 1924–1941. – Саратов: Изд-во Саратовского ун-та, 1994. – 416 с.
- Дитц Я.Е. История поволжских немцев-колонистов. – М.: Готика, 1997. – 496 с.
- Немцы России: населенные пункты и места поселения: энциклопедический словарь / Сост. В.Ф.Дизендорф. – М.: «ЭРН», 2006. – С. 64.
- Ровное. Арбузная столица Саратовской области: Историко-публицистическое издание / Гл. ред. В.В.Иванов. – Саратов: Приволжская книжная палата, 2015. – (Сер. «Золотое сердце Поволжья»). – 135 с.
- Шпак А.А. Административно-территориальные преобразования в Немповолжье. 1764–1944 гг. – Волгоград: Царицынская полиграфическая компания, 2012. – 385 с.