Hoffental (Hofental, Sosnowka)
Hoffental (Hofental, Sosnowka)
Gebiet Samara
Geschichte der Siedlung
Hoffental (Hofental, Sosnowka) — lutherisches Dorf am Ufer des Flusses Karmala, gegründet 1864, gehörte nach 1867 zum Amtsbezirk Konstantinow (Bezirk Samara, Gouvernement Samara), heute Rayon Koschki (Gebiet Samara). 13 km südwestlich von Koschki und 120 km von Samara gelegen.
Gegründet von deutschen Webern und Handwerkern aus Lodz (Königreich Polen/ Untertanen des Russischen Reichs), die infolge der industriellen Revolution ihre Existenzgrundlage verloren hatten und unter dem Einfluss des Polnischen Aufstands von 1863 migrierten. Der Name der Siedlung geht wohl auf Besonderheiten der Bebauung zurück (Höfe im Tal). Hofental war das größte deutsche Dorf in der Region.
Die ersten Übersiedler waren die Familien Ebert, Dreilich, Flehman, Biskup und Dickopf.
Die Bewohner des Dorfes gehörten mehrheitlich der lutherischen Kirchengemeinde Samara an. Ein Teil der Bewohner waren Mennoniten und Baptisten. Im Dorf gab es jeweils eine lutherische und eine katholische Kirche.
1882 verfügten die Bewohner des Dorfes 1.945 Desjatinen Nutz- und Ackerland für 67 Haushalte, von denen sechs landlos waren (durchschnittlich 29 Desjatinen Land pro Familie bzw. 32 Desjatinen, wenn man nur die landbesitzenden Familien rechnet, was unter dem im Amtsbezirk üblichen Durchschnittswert lag). Neben der Landwirtschaft war ein Teil der Bevölkerung im Handwerk, Gewerbe und Handel beschäftigt. Im Dorf gab es einen Manufakturwaren- (Reinhold Rerich) und einen Gemischtwarenladen (Eduard Trenkewitsch). Die bekanntesten Handwerker im Ort waren die Schneiderin Berta Reisler, der Schuster Johann Hebenstein, der Schmied Adolf Neer u.a.
Vor der Revolution gab es im Dorf zwei Semstwo-Volksschulen, eine Windmühle (deren Besitzer Reinhold Briske auch eine Bäckerei und einen Gemischtwarenladen hatte) und eine Seifenfabrik.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Dorf in Sosnowka [russ.: sosna – Kiefer] umbenannt. Vermutlich geht der Name darauf zurück, dass Kiefernholz das bevorzugte Baumaterial war.
1926 gab es eine Grundschule und einen Dorfsowjet.
Im Zuge der Kollektivierung wurde im Dorf die Kolchose „Eintracht“ gegründet, die wenig später in „Rotfront“ umbenannt wurde.
1941 wurden die im Rayon Koschki ansässigen Deutschen aufgrund Beschluss Nr. 442 der Sondersitzung des Gebietsexekutivkomitees Kujbischew vom 27. November 1941 nach Kasachstan deportiert und im Dorf Tataren angesiedelt. Im Zuge der Kampagne zur Auflösung perspektivloser Dörfer wurde das Dorf in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre aufgegeben. Viele Holzbauten wurden abgebaut, um das Material in den Nachbarsiedlungen zum Bau von Schulen, Kontoren und Wohnbaracken mit mehreren Wohnungen zu verwenden.
Entwicklung der Einwohnerzahlen: 346 (1881), 475 (1889), 574, davon 561 Deutsche (437 Protestanten und 124 Katholiken) (1897), 541 (1910), 728 (1926), 843 (1930), 756 (1935).
Quellen:
1. Администрация муниципального района Кошкинский Самарской области: Официальный сайт // http://www.kadm63.ru.
2. Арнольдов Н.А. Из истории немцев Кошкинского района Самарской области (1858–1941) / Н.А.Арнольдов, М.Н. Арнольдов. – Самара: ГУ СО «Дом дружбы народов», 2009. – 152 с.
3. Немцы России: населенные пункты и места поселения: энциклопедический словарь / Сост. В.Ф.Дизендорф. – М.: «ЭРН», 2006. – 472 с.
4. Савченко И.А. Российские немцы в Самарском крае. Историко-краеведческие очерки / И.А.Савченко, С.И.Дубинин. – Самара: Изд-во «Самарский университет», 1994.
5. Собрание представителей муниципального района Кошкинский Самарской области: Официальный сайт // http://www.koshki.samgd.ru/territory/info.
6. Флейман Е.А. Немцы Константиновской волости: из Царства Польского в Самарскую губернию (1864–1917) / Е.А.Флейман. – Самара: ООО «Тандем», 2014. – 296 с.
7. Vorübergehende Heimat.150 Jahre Beten und Arbeiten in Alt-Samara (Alexandertal und Konstantinow) / Herausgegeben von Viktor Fast. – Steinhagen: „Samenkorn“, 2009. – 672 s.