Pawlowka (Paulskoje, Pawlowka)
Pawlowka (Paulskoje, Pawlowka)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
PAWLOWKA (Paulskoje, Pawlowka), lutherisch-reformiertes Dorf, gegründet am 7. Juni 1767, liegt 45 km nordöstlich von Engels und 5 km von Marx entfernt. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Jekaterinenstadt (seit 1871 Wolost Jekaterinenstadt, Jekaterinograd) des Ujesd Nikolajewsk, Gouvernement Samara. In der Sowjetzeit - Rayon (Kanton) Marxstadt der ASSR der WD. Heute gehört das Dorf Pawlowka des Rayons Marx, Gebiet Saratow, zur Landsiedlung Priwolzhskoje.
Einwohner: 280 (1767), 326 (1773), 297 (1788; 51 Familien), 374 (1798; 70 Familien), 546 (1816; 89 Familien), 956 (1834; 134 Familien), 1320 (1850; 165 Familien), 1675 (1859), 2095 (1889), 2424 (1897; 2421 deutschstämmig), 3166 (1904), 3701 (1910), 3344 (1920), 1856 (1922), 2049 (1923), 2370 (1926; 2366 deutschstämmig), 3071 (1931; 3070 deutschstämmig). Geburtsort des Musikers F. Dortmann (geb. 1919), des sowjetischen Funktionärs F.F. Scherer (geb. 1896), des Abgeordneten des Obersten Sowjets der UdSSR der 1. Legislaturperiode (1937–1944).
Werberkolonie von Baron de Beauregard. Gegründet von 87 Familien aus Hessen- Darmstadt, Sachsen und Brandenburg. Wurde zu Ehren des Thronfolgers, künftigen Zaren Pavel (Paul) I genannt. Laut Erlass über Benennung deutscher Kolonien vom 26. Februar 1768 behielt sie ihren früheren Namen. Nach 1915 erhielt sie den Namen Pawlowka.
Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Süd-Jekaterinenstadt, am 29. September 1905 wurde eine eigenständige Pfarrei Paulskoje genehmigt (einschließlich Paulskoje, Niedermonjou, Teljausa, Beauregard). Eine Holzkirche wurde 1801 errichtet, 1860 aus Holz für 700 Plätze umgebaut. 1917 gab es im Eigentum der Kirche einen Glockenturm, ein Grundstück, ein Leichenhaus. Die Kirche wurde 1935 geschlossen.
1859 zählte die Kolonie 175 Gehöfte, es gab eine lutherische Kirche und eine Schule. 1910 zählte das Dorf 317 Gehöfte, das Anteilland machte 6175 Desjatin ackerbares und 2705 Desjatin unlandiges Land aus. Das Dorf hatte eine Kirche, eine landständische (Semstwo-) Schule (1893 eröffnet) und eine Kirchengemeindeschule, ein Buttereiwerk. Der erste Lehrer der Semstwo-Schule war Artur Iwanowitsch Schmidt. Neben dem Ackerbau betrieben die Dorfbewohner das Strohflechtgewerbe, den Tabakanbau und produzierten Tabakpfeifen.
Nach der Gründung der Arbeitskommune (des Autonomen Gebiets) der Wolga-Deutschen und bis zur Auflösung der ASSR der WD in 1941 war Paulskoje das Verwaltungszentrum des Landrats Paulskoje des Kantons Marxstadt. 1926 gehörten zum Landrat Paulskoje das Dorf Paulskoje, die Tochtersiedlungen Metschetka und Susly.
Während der Hungersnot wurden 149 Personen geboren und 386 Personen sind gestorben. 1926 gab es einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule und eine Lesestube. Die erste Genossenschaft zur gemeinsamen Bodenbearbeitung wurde 1926 von Friedrich Friedrichowitsch Scherer gegründet. Die Genossenschaft bildete eine Grundlage für eine spätere Kolchose. 1930 wurde die Kolchose „Woroschilow“ gegründet. Ihr unabsetzbarer Vorsitzender war F.F. Scherer. Die Kolchose „Woroschilow“ wurde in der Republik der Wolga-Deutschen 1937 weit bekannt, als sie als erste im Kanton Marxstadt alle Planauflagen erfüllte und auf der Fläche von 1557 Hektar einen durchschnittlichen Hektarertrag von Getreide von 14,4 Zentner erzielte, während manche optimierte Felder sogar einen Hektarertrag von 50 Zentner und mehr aufwiesen. Dabei konnte die Kolchose ihre Einnahmen von 268 Tausend Rubel (1936) auf 520 Tausend Rubel im Jahr 1937 steigern. Für so hohe Leistung wurde Scherer zum Teilnehmer der Landwirtschaftlichen Unionsausstellung gewählt und ins Ehrenbuch der Ausstellung eingetragen. Am 12. Dezember 1937 wurde er als Vertreter des Wahlbezirks Marxstadt der ASSR der Wolga-Deutschen zum Abgeordneten des Obersten Sowjets der UdSSR (des Nationalitätensowjets) der 1. Legislaturperiode gewählt. Eine Besonderheit im Kulturleben des Dorfes bildete ein Senioren-Tanzzirkel mit den Teilnehmern im 60.-73. Lebensjahr.
Im September 1941 wurde die deutschstämmige Bevölkerung in den Osten deportiert.
Heute funktioniert in Pawlowka die Geschl.AG „Rassezuchtbetrieb „Trudowoj““ als Lehrbasis der Agraruniversität Saratow „N.I. Wawilow“. Durch das Dorf verläuft die Autostraße R226. Das Dorf ist gut ausgestattet, im Kernbereich ist Asphalt verlegt, es gibt einen kleinen Erholungspark mit Vergnügungseinrichtungen; es arbeiten eine Mittelschule, ein Kindergarten, Kulturhaus, Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle, Fernmeldeamt, Sportstadium. Bis 1986 gab es in der Schule den 8-Klassen-Unterricht, 1984 wurde ein neues Schulgebäude errichtet. Die Schule ist Preisträgerin des Wettbewerbs „Schule Russlands von 2007“, darin gibt es ein Museumsraum für Heimatkunde. Es wurde ein Lenin-Denkmal, ein Denkmal zu Ehren der im Großen Vaterländischen Krieg gefallenen Landsleute sowie (vor der Schule) ein Denkmal zu Ehren der ersten Lehrerin eingeweiht. Einwohnerzahl: ca. 1600 Personen.
Quellen:
1) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справ. Ч. 1. – СПб., 2001.
2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/paulskoje.htm
4) Шпак А. Шерер Фридрих Фридрихович // http://wolgadeutsche.ru/lexikon/_scherer.htm
5) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/pavlovka.htm
6) Герман А.А. Немецкая автономия на Волге. 1918–1941. – М., 2007.
7) МОУ – СОШ с. Павловка Марксовского района // http://pavlovkashkola.edusite.ru/cs_index.html
8) Саратовская область, образцово-показательная Павловка // http://sergio-tyurin.livejournal.com/105255.html