NADESCHDINO (Nadeschdino, Alexandrotal, Alexandrodar)

Gebiet Samara

Geschichte der Siedlung

NADESCHDINO – im Jahr 1952 durch die Zusammenlegung der beiden mennonitischen Siedlungen Alexandertal und Neuhoffnung entstandene Siedlung.

Alexandertal (Nadeschdino, Alexandrotal, Alexandrodar), Rayon Koschki, Gebiet Samara. Am Fluss Kondurtscha 13 km südwestlich von Koschki gelegen. Im Jahr 1859 als erste mennonitische Siedlung und Verwaltungszentrum der unter dem Namen Alt-Samara bekannten Koloniengruppe gegründet (letzte Gruppe der mennonitischen Mutterkolonien auf dem Gebiet des Russischen Reichs). Verwaltungszentrum des Mennonitischen Kolonistenbezirks und später des Amtsbezirks Alexandertal (Bezirk Samara/ Gouvernement Samara) (bis 1917).

Die Gründer waren aus Westpreußen stammende Anhänger des mennonitischen Predigers Claas Epp, der auch der erste Vorsteher der örtlichen mennonitischen Gemeinde war. In seiner Nachfolge übten Dietrich Hamm, Jakob Toews, Johann Wiebe, Jakob Reger, Franz Martens, Eduard Reger und Heinrich Penner diese Aufgabe aus.

Die Siedlung wurde zu Ehren des Zaren Alexander II. benannt, für den später im Dorf ein Denkmal errichtet wurde. Ein Teil der Bewohner waren Lutheraner und Katholiken. Die 1863 erhaltene Landfläche betrug 1.720 Desjatinen für 25 Familien. In den 1880er Jahren gehörten etwa 40 Höfe zur Siedlung, die als Einzelgehöfte über eine Strecke von ungefähr 11 km gereiht waren und auch einige Gehöfte in Randlage einschlossen (Schwarzfeld, Wiesental). Neben der Landwirtschaft war auch das Handwerk in der Siedlung stark vertreten. So kamen Anfang des 20. Jahrhunderts auf eine immer noch gleiche Zahl an Höfen zehn Tischler, vier Zimmerleute, drei Schuster, drei Schneider, ein Sattler, ein Böttcher und ein Uhrmacher sowie die Druckerei „Toews & Willer“. Darüber hinaus gab es im Dorf ein 1866 erbautes Bethaus, einen Milchviehbetrieb, eine Käserei und mehrere Mühlen (Stand zum Jahr 1890), eine Ziegelei (Peter Epp), drei Schmiedewerkstätten (Adolf Fischer, Adolf Haenisch und Heinrich Reger) sowie das Handelshaus „Harder, Wiebe & Co.“ (zwei Lager für aus Deutschland, Österreich und den USA importierte Landwirtschaftstechnik). Es wurde eine Zweiklassenschule eröffnet, aus der später die Zentralschule hervorging. 1910 stattete P.A. Stolypin dem Dorf einen Besuch ab, um sich mit Formen und Methoden der deutschen Hofführung bekannt zu machen, die bei der Umsetzung der Agrarreformen in Russland eine bedeutsame Rolle spielen sollten.

Im Zuge der mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs einsetzenden antideutschen Kampagne wurde Alexandertal 1914 in Alexandrodar umbenannt. Später wurde diese Umbenennung wieder zurückgenommen.

Nach der Revolution von 1917 wurden die Genossenschaft „Pachar“ [Ackermann], eine Grundschule, eine Lesehütte und im Jahr 1926 ein Dorfsowjet gegründet. 1923 fand in Alexandertal der 1. Kongress des Allrussischen Mennonitischen Landwirtschaftlichen Vereins statt.

Im Zuge der Kollektivierung wurde 1929 eine Kolchose gegründet („Torgler“, 1930 „Progress“, später „Engels“), die zu den führenden Kolchosen nicht nur im Rayon, sondern im gesamten Gebiet Kujbischew gehörte. Einige Zeit waren in dieser Kolchose neben den Bewohnern von Alexandertal auch die Bewohner der benachbarten Kolonien Mariental, Murawjewki, Krasnowki und Neuhoffnung zusammengeschlossen. 1939 gehörten insgesamt 422 Höfe (1.523 Personen) zur Kolchose, die über insgesamt 6.725 Hektar Nutzland verfügte, von denen 4.592 Hektar Ackerland, 133 Hektar Wiesen, 1.269 Hektar Weideland und 25 Hektar Obstgarten waren. 1939 erwirtschaftete die Kolchose einen Gewinn von über einer Mio. Rubel. Die Kolchose verfügte über insgesamt 635 Pferde, unter denen auch 269 Zuchtpferde im kolchoseeigenen Gestüt waren, die an zahlreichen Zuchtschauen teilnahmen.

Neben der Hauptwirtschaft unterhielt die Kolchose einen in der Flussaue des Flusses Kondurtscha gelegenen Gemüsegarten, eine eigene Molkerei, Schlosser-, Schmiede- und Tischlerwerkstätten sowie eine Imkerei und ein Silo.

Die Kolchose gehörte zu den ersten, die Feldschutzbepflanzungen anlegten (bereits 1931). In den Jahren 1939–40 wurden mehrere Mitarbeiter der Kolchose mit Preisen der All-Unions-Landwirtschaftsausstellung (Vorläufer der WDNCh) ausgezeichnet.

Kolchosvorsitzender war zu jener Zeit August Reisner. Ihre Einnahmen erzielte die Kolchose vor allem durch Viehzucht (52%), Ackerbau (23%) und Nebenbetriebe (11%). Dank des erwirtschafteten Gewinns konnte die Kolchose das erste E-Werk im Rayon, Werkstätten und Garage für fünf Fahrzeuge, drei Viehställe für 30, 50 und 120 Tiere, einige Pferdeställe und eine Geburtsstation bauen. Das frühere Bethaus wurde 1934 zu einem Klub für 300 Besucher umgebaut. Die Kolchose richtete eine Rundfunkzentrale ein, schaffte eine Tonfilmvorführanlage an und legte einen Park mit einer Fläche von 20 Hektar an. Im Gebäude des Klubs gab es eine Bibliothek, ein Parteibüro, einen Frisörsalon, Chor- und Theaterzirkel und ein Blasorchester. Für die meisten Nachbardörfer waren vergleichbare Dinge bis Anfang der 1960er Jahre praktisch unerreichbar.

1941 wurden die im Rayon Koschki ansässigen Deutschen aufgrund Beschluss Nr. 442 der Sondersitzung des Gebietsexekutivkomitees Kujbischew vom 27. November 1941 nach Kasachstan deportiert und im Dorf eine national gemischte Bevölkerung aus den benachbarten Siedlungen sowie frühere Tagelöhner (vor allem Tataren aus den angrenzenden Siedlungen des Gebiets Uljanowsk) angesiedelt.

1952 wurde das Dorf mit der benachbarten Ortschaft Neuhoffnung zusammengelegt und zugleich per Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 12. Juni 1952 in Nadeschdino umbenannt.

Heute ist das Dorf Nadeschdino Verwaltungszentrum der gleichnamigen Landgemeinde, zu der auch die frühere mennonitische Siedlung Nowaja Schisn (Mariental) gehört. Im Jahr 2015 hatte Nadeschdino 1.074 Einwohner.

Entwicklung der Einwohnerzahlen: 142 (1881), 205 (1889), 365 (1897), 194 (1910), 255 (1913), davon 199 Mennoniten (41 Familien), 22 Brüdermennoniten (5 Familien), 29 Lutheraner (8 Familien) und fünf Katholiken (1 Familie), 176 Erwachsene im wahlberechtigten Alter (1917), 417 (1926), 1.419 (1930).

Neuhoffnung (Nadeschdino) – mennonitisches Dorf, gegründet 1862 innerhalb des Mennonitischen Kolonistenbezirks (später Amtsbezirk Alexandertal, Bezirk Samara, Gouvernement Samara), heute Rayon Koschki, Gebiet Samara. 15 km südwestlich von Koschki gelegen.

Die Gründer waren aus Westpreußen stammende Anhänger des Predigers Claas Epp. Die Siedlung gehörte zu der unter dem Namen Alt-Samara bekannten Koloniengruppe (letzte Gruppe der mennonitischen Mutterkolonien auf dem Gebiet des Russischen Reichs).

Ein Teil der Bevölkerung waren Lutheraner. Die Fläche des 1863 erhaltenen Landes betrug 1.828 Desjatinen (für 25 Familien). Im Jahr 1870 gab es im Dorf eine Schule, zwei Windmühlen (Jakob Hein und Johann Sudermann), eine Schmiede (Jakob Klejtenowskij) und eine Ziegelei (Claas Epp).

Von 1914 an hieß die Siedlung Nadeschdino.

1926 gab es eine Grundschule.

Geburtsort des Religionsaktivisten und Schriftstellers J. Harder (1903).

1941 wurden die im Rayon Koschki ansässigen Deutschen aufgrund Beschluss Nr. 442 der Sondersitzung des Gebietsexekutivkomitees Kujbischew vom 27. November 1941 nach Kasachstan deportiert und im Dorf eine national gemischte Bevölkerung aus den benachbarten Siedlungen sowie frühere Tagelöhner (vor allem Tataren aus den angrenzenden Siedlungen des Gebiets Uljanowsk) angesiedelt.

1952 wurden die Dörfer Alexandertal und Nadeschdino zusammengelegt.

Entwicklung der Einwohnerzahlen: 123 (1881), 166 (1889), 177 (1897), 122 (1910), 142 (1913), darunter 97 Mennoniten (17 Familien), 20 Brüdermennoniten (drei Familien), 35 Lutheraner (fünf Familien), 107 Erwachsene im wahlberechtigten Alter (1917), 262 (1926), 79 (1930).

Quellen:

1. Администрация муниципального района Кошкинский Самарской области: Официальный сайт // http://www.kadm63.ru.

2. Арнольдов Н.А. Из истории немцев Кошкинского района Самарской области (1858–1941) / Н.А.Арнольдов, М.Н. Арнольдов. – Самара: ГУ СО  «Дом дружбы народов», 2009. – 152 с.

3. Немцы России: населенные пункты и места поселения: энциклопедический словарь / Сост. В.Ф.Дизендорф. – М.: «ЭРН», 2006. – 472 с.

4. Савченко И.А. Российские немцы в Самарском крае. Историко-краеведческие очерки / И.А.Савченко, С.И.Дубинин. –  Самара: Изд-во «Самарский университет», 1994.

5. Собрание представителей муниципального района Кошкинский Самарской области: Официальный сайт // http://www.koshki.samgd.ru/territory/info.

6. Флейман Е.А. Немцы Константиновской волости: из Царства Польского в Самарскую губернию (1864–1917) / Е.А.Флейман. – Самара: ООО «Тандем», 2014. – 296 с.

7. Alexandertal // The Mennonite Encyclopedia: A Comprehensive Reference Work on the Anabaptist–Mennonite Movement: in 4 vol. / Ed by Harold S.Bender, C. Henry Smith. – Hillsboro, Kansas: Mennonite Brethren Publishing House; Newton, Kansas: Mennonite Publication Office; Scottdale, Pennsylvania: Mennonite Publishing House, 1955. – Vol. 1. A–C. – P. 45–48.

8. Alexandertal Secondary School // The Mennonite Encyclopedia: A Comprehensive Reference Work on the Anabaptist–Mennonite Movement: in 4 vol. / Ed by Harold S.Bender, C. Henry Smith. – Hillsboro, Kansas: Mennonite Brethren Publishing House; Newton, Kansas: Mennonite Publication Office; Scottdale, Pennsylvania: Mennonite Publishing House, 1955. – Vol. 1. A–C. – P. 45.

9. Alt–Samara // The Mennonite Encyclopedia: A Comprehensive Reference Work on the Anabaptist–Mennonite Movement: in 4 vol. / Ed by Harold S.Bender, C. Henry Smith. – Hillsboro, Kansas: Mennonite Brethren Publishing House; Newton, Kansas: Mennonite Publication Office; Scottdale, Pennsylvania: Mennonite Publishing House, 1955. – Vol. 1. A–C. – P. 83.

10. Neuhoffnung // The Mennonite Encyclopedia: A Comprehensive Reference Work on the Anabaptist–Mennonite Movement: in 4 vol. / Ed by Harold S.Bender, C. Henry Smith. – Hillsboro, Kansas: Mennonite Brethren Publishing House; Newton, Kansas: Mennonite Publication Office; Scottdale, Pennsylvania: Mennonite Publishing House, 1957. – Vo3. 1. I–N. – P. 852.

11.Vorübergehende Heimat.150 Jahre Beten und Arbeiten in Alt-Samara (Alexandertal und Konstantinow) / Herausgegeben von Viktor Fast. – Steinhagen: „Samenkorn“, 2009. – 672 s.