Kamyschi

Altai-Region

Geschichte der Siedlung

KAMYSCHI (auch Kamyschinskoje, Kamyschki),  lutherisches Dorf, gegründet 1906 von den Aussiedlern aus dem Wolga-Gebiet. Gehörte vor 1917 zum Ujesd Barnaul, Gouvernement Tomsk (Wolost Podsosnowo). In der Sowjetzeit – Region Altai, Deutscher Rayon  (Rayon Oktjabrskij,  Rayon  Slawgorod). Ist zurzeit Zentrum des Landrats Kamyschi des Deutschen Nationalrayons. Der Landrat Kamyschi befindet sich im Nordwesten der Region Altai, grenzt an  Landrat  Podsosnowo und Landrat Nikolajewka des Deutschen Rayons sowie an die Landräte Nowopestschanoje, Ustjanka, Asjamowka des Rayons Burla. Die Entfernung bis Barnaul beträgt  430 km, bis Slawgorod 35 km.  Auf Verordnung der Administration des Deutschen Nationalrayons  vom 10. April 1997 wurde die Dorfadministration von Kamyschi registriert. Leiter der Landratsadministration: J.J. Gerlach.

Einwohner:  497 (1911), 578 (1926), 575 (1980), 617 (1989), 686 (1991), 691 (1995; 88% deutschstämmig), 654 (2006).

Das Dorf wurde  von den Aussiedlern aus der Kolonie Dönhoff, Gouvernement Saratow, gegründet. Seinen  Namen verdankt es den Landvermessern, die  die Vermessungsarbeiten  rund um einen mit Schilf bewachsenen See durchführten.  Als eine der ersten ließ sich in dieser Gegend die Familie Homer-Loringel nieder. Erste Häuser wurden aus Rasenplatten gebaut. 1907 wurde das erste Holzhaus von Iwan Jegorowitsch Loringel gebaut. Zurzeit steht an dieser Stelle das Haus von Wilhelm Homer. Im Sommer 1908 lebten im Dorf 120 Familien. Im Dorf gab es Gewerbetreibende wie z.B. den Schuster Jakobi, die Schneiderfamilie Bauer, die auch  die  Gerberei übernahmen.  1914 wurden einige Männer zur Armee eingezogen. Es liegen dokumentarische Angaben aus dem Jahr 1909 über den Unterricht für Kinder.

Nach Angaben von 1917  wurden im Dorf von 76,6% Bauern mehr als 10 Desjatin Land mit Getreide bestellt.  1928 wurde eine Genossenschaft zur gemeinsamen Bodenbearbeitung gegründet, deren Leitung Filipp Filippowitsch Schwarzkopf übernahm. 1928 wurde ein Haus für Grundschule bereitgestellt. Im Dezember 1929 haben die Dorfbewohner, wie auch in vielen benachbarten deutschen Siedlungen,  vor  dem Hintergrund der Proteststimmung gegen die Kollektivierung dem Lehrer die Führung der antireligiösen Propaganda untersagt.  In den 1920er Jahren wurde eine Lesestube eröffnet, die vom  ersten Bibliothekar  namens Schleicher betrieben wurde.  1932 entstand eine Alphabetisierungsstelle für Erwachsene.

1931 wurde eine Kolchose gegründet, 1937 wurde sie in zwei eigenständige Kolchosen aufgeteilt, die die   Namen „Litwinow“  und „Ordzhonikidse“ erhielten. 1937 wurden 30 Dorfbewohner  Repressalien ausgesetzt.

Während des Großen Vaterländischen Krieges wurden  10 Männer an die Front  eingezogen, nach dem Krieg kehrten nur zwei zurück. Die meisten Männer und Frauen wurden zur Arbeitsarmee geholt, viele wurden zur Waldabholzung nach Kirow verschlagen.

Im Zuge der Vergrößerung von Kolchosen wurde 1950 die Kolchose „Pobeda“ (Sieg) gegründet. 1954 wurde in der Schule die 5. Klasse eröffnet, danach setzten die Kinder ihren Schulunterricht in Podsosnowo fort.  Im gleichen Jahr wurde das neue Gebäude einer 7-Klassen-Schule errichtet. Im Januar 1963  wurde eine 8-Klassen-Schule eröffnet, 1979 wurde eine  Realschule der Bestimmung übergeben. Im Jahr 1991 wurde die Schule zur Mittelschule. Ein modernes Schulgebäude    entstand 2002  und ist für 190 Schüler ausgelegt.

1989 entstand die Kolchose „Tschkalow“ mit dem Vorsitzenden   Schnider an der Spitze. Seit  1992  heißt sie „Landwirtschaftliche Genossenschaft „Rasseviehzuchtkolchose „Tschkalow““, Vorsitzender:  P.Ja. Schindler  (Angaben per 2008). Die Gesamtfläche des munizipalen Gebildes beträgt 5490 ha, davon entfallen 4709 ha  auf Ackerland. Auf dem größten Teil der Saatfläche werden Getreidekulturen angebaut, 5 Hektar werden für Gemüse und 300 Hektar für Sonnenblumen genutzt. Es besteht ein Viehzuchtkomplex. Im Dorf gibt es 4 selbständige Unternehmer.  2014 wurde die Leistung der Agrarwirtin Tatjana Kirschtschina (Anerkennungsschreiben des Landwirtschaftsministeriums) und der Melkerin Maria Genrichowna Becker (Ehrenurkunde der Gesetzgebenden Versammlung der Region Altai) als Spitzenarbeit anerkannt.

Das Dorf besteht aus 3 Straßen: Lugowaja, Tschkalow-Str. und Zelinnaja. Seine Grenzen haben die Länge von 8 km. Es bestehen allgemeinbildende Oberschule (ca. 80 Schüler), Kindergarten „Delphinlein“, Kulturhaus, Sportsaal,  Bibliothek, Zentrum der deutschen Kultur, Postamt,  Sparkasse, Verkaufsläden, Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle. Unter Leitung von G. Pelsch wurde ein Museumseck eingerichtet. Im Dorf gibt es 206  Telefonanschlüsse,  es wächst die Zahl der Nutzer des mobilen Telefonnetzes. Entlang der Dorfgrenze verläuft eine Autostraße von Bezirksbedeutung.

1996 wanderten aus dem Dorf Kamyschi 15 Familien nach Deutschland aus, in der 1. Jahreshälfte 1997 waren es 17 weitere Familien (58 Personen). Heute leben im Dorf 647 Personen, davon 373 Arbeitsfähige.

 

Quellen:

1) Немцы Алтая (справ.-библиограф. сб.) / Под общ. ред. В.И. Матиса. – Барнаул, 2008. – С. 306–307.

2) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php

3) О сельсовете // http://www.admin-nnr.ru/municipalitet/kamischi/oselsovete/istor.htm

4) http://www.altlib.ru/185

5) МБОУ «Камышинская СОШ». История школы // http://www.kamyshishkola.ru/index.php?option=com_content&view=article&id=26&Itemid=23