Grischkowka / Alexanderfeld

Altai-Region

Geschichte der Siedlung

GRISCHKOWKA / ALEXANDERFELD, ein Dorf der Mennoniten, gegründet 1908 von den Umsiedlern aus dem Gouvernement Jekaterinoslaw. Liegt 16 km nordöstlich  Slawgorods. Seinen ersten Namen „Alexanderfeld“ erhielt es nach der Mutterkolonie, wurde  Ende 1914 in Grischkowka umbenannt.   Gehörte bis 1917 zum Ujesd Barnaul des Gouvernements Tomsk  (als Wolost Orlowo seit 1910 und Wolost Chortitza  seit 1917). Gehörte in der Sowjetzeit zum Bezirk Slawgorod /  Deutschen Bezirk (Bezirk Oktjabrskoje) der Region Altai.  Ist heute Zentrum der Landratsgemeinde Grischkowka  des Deutschen Nationalrayons.  

Einwohner: 225 (1911), 349 (1926), 1376 (1980), 1653 (1989), 1640 (1991), 1557 (1995; 87% deutschstämmig), 1540 (2006).

Erste Siedler (laut Protokoll der Dorfversammlung vom 13. November 1909) waren: Pjotr Wins, Pjotr Fast, Pjotr Derksen,  Iwan Peters, Pjotr Berg, Abram Garder, Heinrich Rempel, Pjotr Foot, Iwan Reger, Bernhard Ratzlaw, Kornej Plett, Pjotr Garder, Gerhard Rempel, Iwan Penner, Iwan Foot, Martin Krecker, Iwan Rogalskij, Pjotr Flaming, Jakow Wilms, Iwan Pauls, David Wiebe (Ehefrau Aganete), Iwan Friesen, Iwan Harms, Abram Teske, Franz Flaming. Als Schulze trat Jakow Wilms auf.

In den ersten Jahren wurde der Unterricht für die Kinder von Anton Abramowitsch Lewen erteilt (gest. 1921 an Typhus). 1915 wurde die Schule als „amtlich nicht registrierte Schule“ geschlossen. Der Lehrer wurde 1916 zum Armeedienst eingezogen und zu Holzbeschaffungsarbeiten bei Tomsk  geschickt. 1918 wurde eine private 7-Klassen-Schule eröffnet, die vom Besitzer der Dampfmühle Heinrich Wins (gest. 1923) eröffnet wurde.

1924 zählte die Dorfgemeinde 384 Mennoniten. Im August 1924 protestierte die Gemeinde gegen die Bestellung eines neuen Lehrers anstelle von Boldt, der 5 Jahre  lang tätig war und nach einem misslungenen Versuch, nach Kanada auszuwandern, ins Dorf zurückkehrte. Seit  dem Herbst  1925  war I.A. Reimer tätig. Am  17. August 1926 fand im Dorf ein Kongress der Mennonitengemeinden des Bezirks Slawgorod, bei dem  die Fragen  der religiösen Unterdrückung der Mennoniten  und die Kompromissmöglichkeiten mit Behörden diskutiert wurden. Im November 1927 wurde eine Komsomolzelle gebildet.

In der ersten Hälfte der 1920er Jahre entstanden der landwirtschaftliche Genossenschaftsbetrieb „Neue Welt“ (1926, Organisator: Andrej  Antonowitsch Lewen (1897–1972)), eine Samen- und Rassenviehzuchtgenossenschaft, es wurden eine Alphabetisierungsstelle und eine Dorflesestube eröffnet. Am 17. August  1926 fand in Grischkowka ein Kongress der Mennonitengemeinden des Bezirks Slawgorod statt.

1930 entstand auf der Basis des landwirtschaftlichen Genossenschaftsbetriebs eine Kolchose, geleitet vom Vertreter des 25-Tausend-Aufgebots Otto Schmidt (seit 1931 Kolchose „Thälmann“). Im Sommer nahm eine Kükenaufzuchtstation ihren Betrieb auf.

In den stalinistischen Lagern kamen die Bewohner von Grischkowka David Epp, Jakow Epp, Jakow Petker, David, Kornej, Anton und Jakow Lewen, Filipp Wiebe, Boris Ratzlaf, Iwan, Jakow, Pjotr, Abram und Andrej Friesen, Peter Wilms ums Leben.

 1950 wurde aus der Vereinigung der Kleinkolchosen „Kalinin“ (Stepnoje), „Richtiger Weg“ (Chortitza), „Thälmann“ (Grischkowka), „Molotow“ (Markowka) und „Neues Leben“ (Karatal) die Kolchose „Molotow“ (seit 1957 die Kolchose „Lenin“ mit dem Zentrum in Grischkowka) gebildet. Ihr erster Vorsitzender war W.W. Baschkirtzew (1950–1953), gefolgt von A.E. Gein (1953–1970), W.W. Haas (1970–1993), seit  1993  P.R. Boos. 1967 wurden nach Grischkowka die Bewohner des Dorfes Markowka, 1969 die von Chortitza und 1973 die von Karatal umgesiedelt. Anfang 2001 lebten hier 1568 Personen (664 Deutschstämmige). In den  1950er – 1960er Jahren entwickelte sich der Sozialbereich der Kolchose: Es entstanden ein Klubgebäude (1954), Kulturhaus (1967), sowie Läden, ein Dienstleistungszentrum, ein Bad eröffnet. Es funktionierten eine Mittelschule, eine Bibliothek, ein Gesundheitsstützpunkt mit Geburtenhilfestelle, eine Apotheke.

  Nach 1991 wurde die Kolchose in  landwirtschaftlichen Genossenschaftsbetrieb „Rassenzuchtbetrieb Stepnoj“ umbenannt, der sich auf Milch- und Fleischproduktion spezialisiert, ferner ist der Pflanzenanbau entwickelt. Es bestehen Werkstatt für Maschinen und Traktoren,  Garagen für Fahrzeuge und Traktoren, Ziegelei,  Mühle,   Butterwerk, Bäckerei, Wurstproduktion, Produktion von Softdrinks. Im September 2010 wurden dem Butterwerk 2 Goldmedaillen des Kongresses „Molkereiindustrie Sibiriens“ für Käse „Pokrowskij“ und Butter „Traditionnoje“ zuerkannt.  2007 wurde ein Viehzuchtbetrieb für 500 Köpfe mit  einer Karussellmelkhalle   der Bestimmung übergeben.

Zurzeit hat das Dorf 5 Straßen, nämlich Titow-, Lenin- und Mir-, „50 Jahre Oktober“ und Nowaja-Straßen. Es wurde ein Zentrum der deutschen Kultur eröffnet, neben  der Schule und Bibliothek besteht ein Zeremoniehaus mit  Einkaufszentrum, eine Sporthalle. In der Schule funktioniert ein Kleinmuseum, in der Bibliothek werden Dorfchroniken geführt.

 

Quellen:

1) Алтайский край. Немецкий национальный район // http://www.altlib.ru/185

2) История и этнография немцев в Сибири / Сост. и ред. П.П. Вибе. – Омск, 2009.

3) История немецких сел Алтайского края // http://newasp.omskreg.ru/alt_nem/hist_sel.html

4) Немцы Алтая (справ.-библиограф. сб.) / Под общ. ред. В.И. Матиса. – Барнаул, 2008. – С. 304–305.

5) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php

6) Шелленберг И.И. Преображение Гришковки. 1988 // http://kniga.seluk.ru/k-istoriya/91630-1-grishkovka-1988-shelenberg-preobrazhennaya-grishkovka-oglavlenie-avtora-nemnogo-proshlogo-selskohozyaystvennaya-koope.php

7) http://www.ap.altairegion.ru/177-01/gv.html

8) Герасимов А. ННР: это немножко заграница // http://www.ap.altairegion.ru/177-01/gv.html