Borodajewka (Boaro, Boisroux; Bordowskoje, Barodowoje, Portowoj)

Wolgagebiet

Geschichte der Siedlung

BORODAJEWKA (Boaro, Boisroux; Bordowskoje, Barodowoje, Portowoj), lutherisch-reformiertes Dorf, gegründet am 7. Juni 1767  auf rechtem Ufer des Flusses Malyj Karaman. Gehörte bis 1917 zum Kolonistenkreis Jekaterinenstadt des Ujesd Nikolajewsk, Gouvernement Samara. Gehörte in der Sowjetzeit zur ASSR der Wolga-Deutschen, Rayon/Kanton Marxstadt.  Gehört zurzeit zur Landsiedlung Osinowskij, Rayon Marx, Gebiet Saratow.

Einwohner: 281 (1767), 309 (1773), 270 (1788), 351 (1798), 620 (1816), 1205 (1834), 1672 (1850), 2118 (1857; 205 Familien), 2233 (1859), 3208 (1883), 3795 (1889), 4207 (1897; 4203 deutschstämmig), 5077 (1904), 6123 (1910), 5143 (1920), 3119 (1922), 3088 (1923), 3064 (1926; 3061 deutschstämmig), 4244 (1931; 4242 deutschstämmig). Geburtsort des Literaturschaffenden K. Schmidt (1903).

Werberkolonie von Baron de Caneau de Beauregard. Gründer der Kolonie  sind  97 Familien aus Sachsen, Anhalt-Dessau, Zerbst.

Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Nord-Jekaterinenstadt, seit 1905 - Boaro. Die Pfarrei Boaro wurde am 29. September 1905 genehmigt, umfasste  die Kolonien Boaro, Ernestinendorf, Filipsfeld, Caneau. In der Pfarrei dienten die Pastoren Gotthold Hahn   (1906–1912) und Johannes Nikolaus Blühm (1913–1918). Eine Holzkirche wurde 1795 errichtet. Der Grundstein für ein neues Steingebäude   für 110 Plätze wurde am 11. September 1832 gelegt und die Kirche am 31. Oktober 1837  geweiht. 1917 bestanden neben dem Kirchengebäude ein hölzerner Glockenturm, ein Leichenhaus. Der Friedhof hatte einen Zaun.

Bei der Bevölkerungspüfung von  1857  entfielen pro Kopf (insgesamt 1085 Männer)  ca.  5,1 Desjatin  Land. 1859 zählte die Kolonie  180 Gehöfte mit einer Bevölkerungszahl von 2233 Personen, einschließlich 1143 Männer und 1090 Frauen, hatte eine lutherische Kirche und eine Schule. 1910 bestanden im Dorf  eine Kirche, 3 Schulen, davon 2 landständische (Semstwo-) Schulen und 1 Kirchengemeindeschule, 2 Dampfmühlen, eine Schaffellfabrik und ein Buttereiwerk, im Südosten des Dorfes  befand sich die Gemüseplantage Runtal. Es waren Tabak-, Kartoffelanbau, Strohflechtgewerbe,  Korbgewerbe entwickelt. Das Dorf zählte 477 Gehöfte mit einer Bevölkerungszahl von 6123 Personen (3685 Männer  und 2438 Frauen). Ackerfähiges Anteilland machte 9219 Desjatin und unlandiges Land 2104 Desjatin aus.

Nach der Gründung der Arbeitskommune (des Autonomen Gebiets) der Wolga-Deutschen in 1918 bis zur Auflösung der ASSR der WD in 1941 galt  das Dorf als Verwaltungszentrum des Landrats Boaro, Kanton Marxstadt der ASSR der WD. 1926  gehörten zum Landrat das Dorf Boaro, die Vorwerke Metschetka, ein Vorwerk 5 Werst vom Dorf Boaro entfernt, Quellgraben, Birkengraben, Südufer, Dritter Graben, Alte-Brunnen, Roorgraben, Kollektiv „Aufbau“, Bölsch, Konradi, G. Merker, Verkehrt, Gauert, Bauer, Schmidt, Merker, ein Vorwerk 2 Werst südlich vom Vorwerk Südufer, ein Grundstück  der Agrarschule von Marxstadt, Lesnaja Storozhka (Waldhütte).

Während der Hungersnot von 1921 wurden   255 Personen geboren, 1054  sind gestorben (zum Vergleich: 1909 wurden  301 Personen geboren, 175 sind gestorben). Laut Angaben der Volkszählung von  1926 zählte das Dorf 523 Haushalte mit 3064 Personen (1454 Männern und 1610 Frauen), davon machte die deutschstämmige Bevölkerung  3061 Personen (1451 Männer und 1610 Frauen) aus.

In den 1920er Jahren bestanden im Dorf ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Genossenschaft, 2 Genossenschaftsbetriebe, eine Grundschule, eine Lesestube und eine Bibliothek.  In den  1930er Jahren wurden die Kolchosen „E. Thälmann“, „Kirow“, „Tschapajew“ gegründet. Es funktionierte ein Kinderheim für Kinder mit schwacher Intelligenz, ein Dramazirkel. Vor dem Krieg  war die Schule im historischen  Schulgebäude aus dem Jahr 1911 und in dem  für sie zugewiesenen zweistöckigen Haus des Müllers und Kaufmanns Kreckermecker untergebracht.

Im September  1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Am 2. Juli  1942 wurde das Landrat Boaro in Landrat Borodajewka  umbenannt.

Heute zählt das Dorf Borodajewka ca. 900 Personen. Das Dorf ist mit dem Rayonszentrum über  eine Asphaltstraße verbunden. Bis 1958 gab es hier eine  Schule mit sieben-, bis 1969 mit achtjährigem Unterricht. Im Mai 1967 wurde der Grundstein für  ein neues Schulgebäude gelegt, das für die Mittel der Kolchose „Kirow“ errichtet wurde. Am  1. September 1969 wurde es der Bestimmung übergeben. Die Schule wurde in eine Mittelschule umgewandelt.  Es bestehen ein Fernmeldeamt, ein Kulturhaus.

Die Umgebung von Borodajewka war bereits  in der Bronzezeit besiedelt. 1926 wurde von P.D. Rau als archäologisches Objekt der Grabhügel „Kalmykenberg“ entdeckt, der zum Schutzgebiet der Alten Geschichte erklärt wurde.

Die ersten Jahrzehnte aus der Geschichte des Dorfes sind in den Notizen von August Stahlbaum (Stahlbaum A. Erinnerungen Boisroux, den 1.Mai 1830) dargelegt, die  vom Pastor Kuful in der Zeitung „Friedensbote“ (Talowka,  1909. Nr. 10–12) veröffentlicht wurden.

 

Quellen:

1)    Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/borodaevka.htm

2) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.

3) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

4) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/boaro.htm