Protasowo

Altai-Region

Geschichte der Siedlung

PROTASOWO, Mennonitendorf, gegründet 1907 (nach anderen Angaben 1908). Liegt 50 km nordöstlich von Slawgorod. Gehörte vor 1917 zum Ujesd Barnaul, Gouvernement Tomsk (Wolost Orlowo). In der Sowjetzeit – Region Altai, Deutscher (Oktjabrskij) Rayon, Rayon Snamenka,  Rayon Chabary.  Gehört seit 1991 zum Deutschen Nationalrayon. Ist zurzeit Zentrum des Landrats Protasowo des Deutschen Nationalrayons.

Einwohner: 155 (1911), 202 (1926), 1248 (1980), 1736 (1989), 1625 (1991), 1600 (1995; 43% deutschstämmig), 1562 (2006). Geburtsort des Historikers und Heimatforschers Abram Abramowitsch Fast  (geb. 1936).

Das Dorf wurde von den Mennoniten, Aussiedlern aus den Kolonien von Molotschnaja und Hortiza und  dem Gouvernement  Ufa  gegründet. Nach Omsk gelangten die Aussiedler mit der Eisenbahn, weiter ging es auf Lastfuhrwerken.  Mennonitengemeinde Reinfeld. Unter den ersten Siedlern waren K. Ens, D. Friesen, P. Dick, A. Tews, P. Mantler. Die Siedlung ist genannt nach dem Waldgehöft Protasowo, das früher an dieser Stelle stand. 1910 wurde für Gemeinschaftsmittel eine Schule mit einer Wohnung für den Schulmeister erbaut. Es gab einen Verkaufsladen von Jakow Abramowitsch Tews. In den Jahren des Ersten Weltkrieges wurden 4 Dorfbewohner zur Armee eingezogen.

1930 wurde von 9 selbständigen Bauern die landwirtschaftliche  Genossenschaft „Roter Oktober“ gegründet. Die Kolchose wurde in  die Kolchose „Sozialismus“, dann „Tuchatschewskij“ umbenannt. Der erste Vorsitzende war F.I. Reger.

Während des Großen Vaterländischen Krieges kämpften 14 Soldaten aus Protasowo an der Front, der  Großteil der erwachsenen Bevölkerung (ca. 40 Personen) wurde jedoch zur Arbeitsarmee eingezogen.  Die Männer wurden in den Kusnezk-Becken,  in die Kohlengruben von Tula und die Frauen zum Soda-Kombinat Michajlowskij oder zur Waldabholzung geschickt.

Im November 1951 schlossen sich fünf Kleinwirtschaften in den Siedlungen Protasowo, Nikolskoje, Krasnyj Dol, Mirnoje, Tschistoje zur Kolchose „Engels“ zusammen, wobei   Protasowo  zum Hauptsitz wurde. Ins Dorf kamen neue Bewohner, die sich meistens in Neubauten niederließen. Vom früheren Dorf  blieb nur die Engels-Straße übrig.  Darüber hinaus bestehen 6 weitere Straßen: Sawazkij-Str.,  Sawodskaja, Sapadnaja, Molodjozhnaja, Stroitelej-Str., Schkolnaja. 

Seit Juli 1992 wurde die Kolchose „Engels“ in die Kolchose „Altai“ umbenannt (später: Landwirtschaftliche Genossenschaft  Rasseviehzuchtkolchose „Altai“). Auf Verordnung des Landwirtschaftsministeriums vom 29. Januar  1993 wurde in der Kolchose ein Rasseviehzuchtbetrieb für rote Steppenrasse der Kühe eingerichtet. Die wichtigsten Tätigkeitsarten im  Wirtschaftsleben sind: Milch- und Fleischviehzucht, Anbau von  Getreide (die Fläche des Ackerlandes beträgt 7500 ha). 1996 wurde mit Unterstützung der Gesellschaft „Brücke“ die Rekonstruktion der Tenne durchgeführt, was die Verarbeitung der Pflanzenbauprodukte  bis zu beliebigem Aufbereitungsgrad ermöglicht. Im Frühjahr 2010 wurde von der Kolchose das Agrar-Holding „Smaragdland“ übernommen.

Das Dorf verfügt über recht gut entwickelte  soziale Struktur: Es bestehen Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle, allgemeinbildende Oberschule, Kindergarten „Löwenzahn“,  Filiale einer Musikschule, Kulturhaus, Bibliothek, Hotel, Zentrum der deutschen Kultur, Zweigstelle der Sparbank (Sberbank), Postamt, Verkaufsläden, zwei Bäckereien. 2005 entstand ein Museum für Geschichte des Dorfes, das im Verwaltungsgebäude untergebracht ist.  Es entstand mit finanzieller Unterstützung der Stiftung „Altai“. Heute gibt es in Protasowo zwei Sakralgebäude, nämlich ein Bethaus der Baptisten und eine orthodoxe Kirche. Auf dem Hauptplatz befindet sich eine Gedenkstätte, gewidmet  den im Großen Vaterländischen Krieg gefallenen Soldaten. Das frühere Denkmal für die im Krieg gefallenen Soldaten steht auf dem Schulgelände.

 In den 1950er Jahren gab es im Dorf nur eine Grundschule. 1967 wurde sie in eine 8-Klassen-Schule umgewandelt, seit 1979 ist es eine Oberschule, die eine Lehrbasis für  umliegende Dörfer bildete, daher bestand im Dorf ein Lehrinternat  für die Schüler der Klassen 1-10.  1997 wurde es durch  einen zweistöckigen Anbau ergänzt. Seit Herbst 1957 wurde in der Schule der Unterricht von Deutsch als Muttersprache wiederaufgenommen, seit 1995  gibt es erweiterten Deutschunterricht. Schuldirektoren waren I.S. Sabara (1967–1976), I.I. Buller (1976–1995), W.A. Frank (1995–2008), zurzeit wird die Schule von E.G. Tews geleitet.

1987 wanderte die erste Familie nach Deutschland aus, 1990 belief sich die Zahl der Aussiedler bereits auf 56 Personen. Im Dorf lebt die kinderreiche Familie Berch mit 12 Kindern (2012).

 

Quellen:

1) Немцы Алтая (справ.-библиограф. сб.) / Под общ. ред. В.И. Матиса. – Барнаул, 2008. – С. 312–313.

2) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php

3) http://www.altlib.ru/185

4) Вчера состоялась презентация книги Абрама Абрамовича Фаста // http://info-vb.ru/news/2013/02/28/vchera-sostoyalas-prezentaciya-knigi-abrama-abramovicha-fasta

5) МБОУ Протасовская СОШ. История школы // http://protasowoschool.org.ru/jce/o-shkole/istoriya-shkoly