Berjosowka (Bäckerdorf, Beckerdorf; Ernestinendorf, Ernestziendorf),
Berjosowka (Bäckerdorf, Beckerdorf; Ernestinendorf, Ernestziendorf),
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
BERJOSOWKA (Bäckerdorf, Beckerdorf; Ernestinendorf, Ernestziendorf), ein lutherisches Dorf; gegründet am 3. August 1767 von den Auswanderern auf Hessen-Darmstadt. Die Entfernung bis Saratow beträgt 59 km, bis Marx 8 km. Gehörte bis Oktober 1918 zur Wolost Jekaterinenstadt des Bezirks Nikolajewsk, Gouvernement Samara, in der Sowjetzeit zum Kanton/Bezirk Marxstadt der ASSR der Wolga-Deutschen. Gehört zurzeit zur Landsiedlung Ossinowskij des Bezirks Marx, Gebiet Saratow.
Einwohner: 142 (1767), 89 (1773), 95 (1788), 107 (1798), 229 (1816), 391 (1834), 577 (1850), 730 (1857), 1079 (1859), 1243 (1889), 1425 (1897, 100% deutschstämmig), 1676 (1904), 1811 (1910), 1540 (1920), 877 (1922), 818 (1923), 1061 (1926, 100% deutschstämmig), 1207 (1931, 100% deutschstämmig).
Die Kolonie wurde gegründet von Baron Beauregard. Seinen Namen Ernestinendorf erhielt das Dorf nach der Tochter von Baron Beauregard. Im Werk von A. Klaus „Unsere Kolonien“ wird u.a. auch die Bezeichnung Beckerdorf erwähnt. In den Jahren des Ersten Weltkrieges wurde das Dorf in Berjosowka umbenannt.
Zu den Gründern des Dorfes gehören 46 Familien. Angaben zufolge waren 1834 ca. 2266 Desjatin ackerbares Anteilland verfügbar. Laut Angaben der 10. Bevölkerungsprüfung (1857) lebten im Dorf 356 Männer, wobei auf jeden ca. 5,7 Desjantin Land entfielen. 1859 gab es 69 Gehöfte (1079 Einwohner, 530 Männer und 549 Frauen), eine lutherische Kirche, eine Schule. Die Zahl der Gehöfte stieg zum Jahr 1910 auf 190. Vom Anteilland her wurden 2826 Desjatin gut ackerbares und 1321 Desjatin unlandiges Land eingetragen. Als Gewerbe waren der Anbau von Tabak und Kartoffeln sowie das Strohflechtgewerbe entwickelt. Das Dorf hatte eine Kirche und zwei Schulen – eine landständische und eine Kirchengemeindeschule.
Die Kirchengemeinde gehörte zu lutherischen Pfarreien Nord-Jekaterinenstadt und Boaro (seit 1905). 1801 wurde eine Holzkirche gebaut. 1851 wurde sie umgebaut, indem das von der Gemeinde Jekaterinenstadt erworbene Gebäude genutzt wurde. Anfang des 20. Jh. arbeitete hier eine landständische Schule.
Nach der Gründung der Arbeitskommune der Wolga-Deutschen im Oktober 1918 und bis zur Auflösung der ASSR der Wolga-Deutschen in 1941 war das Dorf ein Verwaltungszentrum der Landratsgemeinde Ernestinendorf des Kantons Marxstadt der ASSR der Wolga-Deutschen. Während der Hungersnot wurden 43 Personen geboren und 192 Personen sind gestorben. Nach den Angaben der Volkszählung von 1926 lebten hier ausschließlich Deutschstämmige: 195 Haushalte mit einer Einwohnerzahl von 1061 Personen (509 Männer, 552 Frauen). Zur Landsiedlung Ernestinendorf gehörten die Dörfer Ernestinendorf, Lesnaja Storozhka (Waldhütte). Im Dorf arbeiteten ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule.
In den 1930er Jahren wurde die Kolchose „Roter Landmann“ gegründet. 1938 übernahm Reis die Leitung der Kolchose, die von der Maschinen- und Traktorstation Marxstadt bedient wurde. Im September 1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der Wolga-Deutschen nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Am 2. Juni 1942 wurde die Landratsgemeinde in Berjosowka umbenannt.
In der heutigen Berjosowka leben ca. 500 Personen, sie hat 7 Straßen (Gastello-, Zoja Kosmodemjanskaja-Straße, Komsomolskaja, K. Marx-Straße, Molodjozhnaja, Naberezhnaja, Stepnaja). Das Dorf gehört zum munizipalen Gebilde Ossinowskij und hat einen Postamt, eine allgemeinbildende Oberschule und ein Kulturhaus. 1980 wurde im neuen Typengebäude eine Acht-Klassen-Schule eröffnet, die 1985-2009 als eine Mittelschule funktionierte.
Quellen:
1) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/berezovka.htm
2) Князева Е.Е., Словьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.
3) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
4) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/baeckerdorf.htm
5) Колония Беккердорф / Beckerdorf // http://www.schuk.ru/1/katalog/Beckerdorf.html