Priwalnoje (WARENBURG, auch Priwolnoje).

Gebiet Omsk

Geschichte der Siedlung

PRIWALNOJE (WARENBURG, auch Priwolnoje). Wurde gegründet  1894   45 km südwestlich von Omsk. Erhielt seinen Namen nach der Wolga-Kolonie Alt-Warenburg (Priwalnoje). Gehörte bis 1917 zum Ujesd Omsk des Gebiets Akmola (Wolost Nowinka,  Alexandrowka), in der Sowjetzeit – Gebiet Omsk, Rayon Sosnowka, Nowoomskoje, Asowo, Tawritscheskoje.  Zurzeit: Deutscher Nationalrayon Asowo, Landsiedlung Asowo.

Einwohner: 261 (1897), 386 (1909), 623 (1920), 704 (1926), 863 (1989), 872 (2006).

Die ersten Siedler  aus den Gouvernements Saratow und Samara gelangten  zum Siedlungsort im September  1894. Ursprünglich begaben sich 24 Kolonistenfamilien ins Gebiet Amur, mussten jedoch wegen Fehlen von  Mitteln für 3 Jahre im Gebiet Orenburg halt machen.   Ein Teil der  dort mittlerweile entstandenen Gruppe aus 80 Familien  ließ sich in Priwalnoje nieder, andere Familien  richteten sich in Alexandrowka, Nowinka, Popowka,  Sosnowka ein. Für jede Familie wurden 5 Desjatin Ackerland zur Verfügung gestellt.  1896 gab es  45 Haushalte, 1904  32 Haushalte, 7 staatseigene Wasserbrunnen, ein künstlich angelegter Teich, die Häuser waren aus Rasenplatten gebaut. Anfang des 20. Jh. wurde ein Getreidevorratslager gebaut, es funktionierten die Dampfmühle von Schulindorf und die Eisenschmiede von Braumann, es gab zwei Verkaufsläden von F. Wolf und Schulindorf. 1916 verfügten  die Kolonisten über  1933 Desjatin Land.

Die Kirchengemeinde gehörte zur lutherischen Pfarrei Omsk, seit 1909 zur Pfarrei des hl. Johannes (Alexandrowka).  1902   besuchten ca. 30 Kinder den deutschsprachigen Unterricht, es wurde am Bethaus für 100 Personen gebaut, in dem der Schulunterricht 1904 aufgenommen wurde (Lehrer namens Strauß, 40 Schüler). Das Gebäude war geräumig, hatte aber schlechte Beleuchtung. Am 9. September 1913 wurde eine dem Bildungsministerium unterstellte einklassige Dorfschule eröffnet.

Im Sommer 1917 zählte die Siedlung 358 Stammbewohner und ca. 150 Personen  mit vorübergehendem Aufenthalt. 1919 stieg die Zahl der Haushalte auf 90.  1926 lebten in der Siedlung  704 Personen, vorwiegend Deutschstämmige, es gab 120 Haushalte, eine Grundschule.

1923 entstand die erste Genossenschaft zur gemeinsamen Bodenbearbeitung. Im März 1928 wurde die Maschinengenossenschaft „Ackermann“ gebildet (seit 1929:  Genossenschaftsbetrieb), der 12 Hauswirte angehörten. 1929 wurde von genossenschaftlichen Vereinigungen und selbständigen Hauswirten die Kolchose „Molotow“ gegründet.

Ende der 1950er Jahre schlossen sich die Kolchosen in Priwalnoje und Asowo zur Kolchose „Taras Schewtschenko“ zusammen. 1957 wurde  Priwalnoje als Zweigstelle Nr. 4 ins Staatsgut „Asowskij“ eingegliedert.

In den 1960er Jahren funktionierten im Dorf eine 8-Klassen-Schule, Klub für 120 Plätze mit einer Filmvorführanlage, mehrere Verkaufsläden. In den Folgejahren entstanden Kinderkrippe, Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle, Saisonkantine,  Bibliothek. 1981–1984 wurde eine Viehzuchtfarm gebaut.  Zum 100. Jubiläum der Siedlung wurde ein neues Gebäude der Oberschule Priwolnoje errichtet.

Anfang der 2000er Jahre beliefen sich die Ländereien von Priwalnoje auf 3243 ha, davon  2804 ha Ackerland. 2003 lebten im Dorf 251 Familien mit 820 Einwohnern.  In der Schule wurde Deutsch als Muttersprache vermittelt, es funktionierten Kinderkrippe, Klub, Bibliothek, Zentrum der deutschen Kultur, 2 Privatläden.  2009 wurde das 115. Bestehen der Siedlung begangen.

 

Literaturnachweis:

1) Баах С.В. Сведения о переселенческих поселках Омского уезда Акмолинской области (конец XIX – начало XX вв.) // Культура: Инф.-метод. бюл. – Омск, 2002. – № 2. – С. 19–21.

2) Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 65–67.

3) Вибе П.П. Формирование немецкого населения Омской области и сопредельных территорий // Каталог этнографической коллекции рос. немцев в собрании Омск. гос. ист.-краевед. музея / Сост. И.В. Черказьянова. – Омск, 1997. – С. 6–25

4) Материалы по переселенческому хозяйству в Степной и Тургайской областях, собр. и разраб. экспедицией по исследованию Степных областей. Акмолинская облась. Омский уезд. Т. 5. – СПб., 1907.

5) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php