Prischib (Romanowka; auch Asmanowka, Siedlungsparzelle Tajntscha, Tantscha, Nr. 57)
Prischib (Romanowka; auch Asmanowka, Siedlungsparzelle Tajntscha, Tantscha, Nr. 57)
Gebiet Omsk
Geschichte der Siedlung
PRISCHIB (Romanowka; auch Asmanowka, Siedlungsparzelle Tajntscha, Tantscha, Nr. 57), lutherisches Dorf, gegründet 1906 von den Aussiedlern aus dem Schwarzmeergebiet 65 km südwestlich von Omsk, an der landständischen (Semstwo-) Straße zwischen Omsk und Odesskoje. Wurde wahrscheinlich nach der Kolonie Prischib am Fluß Molotschnaja genannt. Gehörte bis 1917 zum Ujesd Omsk des Gebiets Akmola (Wolost Alexandrowka). In der Sowjetzeit – Gebiet Omsk, Rayon Odesskoje (1924–1928, 1965–1991), Nowoomskoje (seit 1931), Scherbakul (Borisowskoje) (seit 1933), Asowo (seit 1935). Zurzeit: Deutscher Nationalrayon Asowo, Zentrum der Landsiedlung Prischib.
Einwohner: 287 (1909), 238 (1911), 240 (1916), 132 (1920), 217 (1926), 408 (1939), 657 (1989; 67% deutschstämmig), 680 (2006), 1864 (01.01.2014).
Die Parzelle für die Ansiedlung wurde 1904 zur Verfügung gestellt und war für 150 Familien ausgelegt. Der Ort erhielt von den Landvermessern den Namen Romanowka, dieser hat sich jedoch nicht eingebürgert. Die Siedlung entstand 1906, zeitgleich wurde dort ein staatseigener Wasserbrunnen ausgehoben, später entstanden die Bauernbrunnen. Unter den ersten Siedlern waren Titz, Tissen, Uhde. 1908 wurde eine Dorfgemeinde im Rahmen der Wolost Alexandrowka registriert. 1919 wurde Prischib zur eigenständigen Verwaltungseinheit ohne Wolost-Unterstellung ausgegliedert. In den 1910er Jahren funktionierten drei Mühlen: 2 Windmühlen und eine dampfgetriebene Mühle mit Mahlgang. Das Anteilland der Gemeinde machte 2460 Desjatin (1909), 1839 Desjatin (1916) aus.
Die Kirchengemeinde gehörte zur lutherischen Pfarrei des hl. Johannes (Sitz in Alexandrowka). Am 24. September wurde vom Verwalter des westsibirischen Bildungsbezirks die Eröffnung einer lutherischen Schule genehmigt.
1913 siedelte ein Teil der Bewohner von Prischib in die neue Siedlung Serebropolje (im Rahmen der Siedlungsparzelle Nr. 57) um, im Laufe von 1913-1914 schieden einige Hauswirte aus dem Vorwerk aus.
1921 zählte das Dorf 63 Haushalte, 1925 waren es 60. Es funktionierte ein Verkaufsladen, eine Grundschule (befand sich in einem alten Bethaus). 1930 wurde die Kolchose „K. Liebknecht“ gegründet. Anfang 1936 zählte die Kolchose 81 Haushalte, 36 Arbeitspferde, 17 Ochsen, ca. 100 Kühe, es arbeiteten Eisenschmiede, Zimmerer- und Schusterwerkstatt. Im der Mitte des Dorfes wurde ein Apfelgarten angelegt. 1937–1938 wurde eine ölmotorgetriebene Steinmühle gebaut.
In den Kriegsjahren wurde die erwachsene Bevölkerung fast vollzählig zur Arbeitsarmee eingezogen. 1946–1948 etablierte sich die Kolchose als die beste Wirtschaft im Gebiet Omsk.
1951 wurden die Kolchosen „K. Liebknecht“, (Dorf Labinka), „Stalin“ (Dorf Serebropolje) zur Kolchose „Stalin“ zusammengelegt (Sitz im Dorf Prischib). Später wurde die Wirtschaft in die Kolchose „Marx“ umbenannt und stand 1962-1978 unter Leitung von F.A. Dinkelacker. Vorsitzende der Kolchose waren W.R. Brudel (1980–1988) und K.I. Granson (seit 1988, übernahm danach die Leitung der ländlichen Produktionsgenossenschaft „Prischib“). 1976 wurde sie durch Kolchose „Der Weg zum Kommunismus“ mit dazu gehörenden kasachischen und russisch-ukrainischen Siedlungen Kuduk-Tschilik, Darger, Belekbaj, Atar-Tschilik etc. ergänzt
1951 öffnete die 7-Klassen-Schule ihre Pforten, 1961 wurde ein neues Gebäude für die 8-Klassen-Schule mit Lehrinternat fertiggestellt. In den 1960–1970er Jahren wurde ein Netzwerk von Sozialeinrichtungen geschaffen: Schneiderwerkstatt, Frisiersalon, Bad, Sportstadion, Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle. Es arbeitete eine Bibliothek mit dem Bücherbestand von 9 Tausend Bänden, ein Kulturhaus für 200 Plätze. 1992 existierte beim Kulturhaus ein Chor russischer Lieder „Heimatliche Motive“ (gilt seit 1996 als Volkschor). 1975 wurde im Dorf ein Denkmal für die als Soldaten in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges gefallenen Landsleute eröffnet. 1985 wurde das Denkmal in den Kernbereich des Dorfes verlegt, wo eine Gedenkstätte geschaffen wurde.
Zurzeit befindet sich auf dem Gelände der Landsiedlung die ländliche Produktions-Genossenschaft „Prischib“, es bestehen Bauern- und Farmwirtschaften von Krunkel, A.L. Gass, Beishans, Nurmagambetow, es funktioniert ein Netz von Kultur- und Aufklärungseinrichtungen, 3 Bibliotheken, ein Museum, eine Ambulanz, Apotheke, 2 Mittel- und eine allgemeinbildende Oberschule.
Literaturnachweis:
1) Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 122–128.
2) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] // http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php
3) http://azov.omskportal.ru/ru/municipal/localAuthList/3-52-201-1/poseleniya/prishibskoe.html