Popowka (Jost)

Gebiet Omsk

Geschichte der Siedlung

POPOWKA (Jost), lutherisches Dorf, gegründet  1896   25 km südwestlich von Omsk. Gehörte bis 1917 zum Ujesd Omsk des Gebiets Akmola (Wolost Nowinka,  Alexandrowka), in der Sowjetzeit – Gebiet Omsk, Rayons Sosnowka, Nowoomskoje, Kaganowitschskij, Uljanowskoje, Asowo und Omsk.  Zurzeit: Deutscher Nationalrayon Asowo, Landsiedlung Sosnowka.

Einwohner: 229 (1913), 500 (1920, 100% deutschstämmig), 482 (1926), 520 (1989), 234 (2006), 488 (2008), 553 (01.01. 2014). Vor 1909    zog sich ein Teil der Einwohner. In die Vorwerke von Mirnaja Dolina zurück.

Die ersten 13 Familien  aus dem Gouvernement Samara gelangten  zum Siedlungsort Kudaj-Kuduk  am 28. April  1896. Sie verließen das Wolga-Gebiet mit der Eisenbahn im Sommer 1895, verbrachten die Winterzeit in Priwalnoje und verdienten ihren Unterhalt in Omsk. Die restlichen Umsiedler stammten fast ausschließlich  aus dem Gouvernement Samara. Die Siedlung wurde nach der Wolga-Kolonie Jost (Popowkina) genannt. 1897 lebten hier  166 Männer und 137 Frauen, es gab  30 Wohnbauten. 1899 wurde ein Getreidevorratslager gebaut (1920 geschlossen). 1902 gab es 5 staatseigene Wasserbrunnen  (die ersten davon entstanden  1895) und einen Bauernbrunnen. 1913 bestanden  43 Haushalte, ein Verkaufsladen, 2 Handels- und Produktionsstätten. Zu den letzteren gehörte eine Windmühle, gebaut vom Bauern namens Metzger. Der Besitzer eines  Gewürzkrämerladens hieß Döbus. Das Anteilland der Gemeinde umfasste 2739 Desjatin (1916). Unter den Gewerbetreibenden  taten sich die Töpfer durch besondere Leistung hervor.

Vor 1909   gehörte die Kirchengemeinde zur evangelisch-lutherischen Pfarrei (Sitz in Omsk), nach der Gründung der eigenständigen Pfarrei des hl. Johannes (Sitz in Alexandrowka) bekam sie eine neue Zuordnung. 1902 war   die Schule in einem Bethaus untergebracht,  als Lehrer war einer der Bauern tätig, der die Kinder im Lesen und Schreiben auf Russisch und Deutsch unterrichtete. 1906  wurde ein gesondertes Schulgebäude im Wert von 2000 Rubel errichtet (550 Rubel wurden vom Staatshaushalt zur Verfügung gestellt, für den Rest wurde von der Siedlungsverwaltung ein Darlehen aufgenommen). Am 13. September  1910 wurde eine dem Bildungsministerium unterstellte einklassige Dorfschule eröffnet, 34 Schüler nahmen den Unterricht auf.  1907 wurde ein gesondertes Bethaus errichtet.

1920–1921 wurde die Dorfgesellschaft Popowka aufgelöst, an ihrer Stelle wurde ein Landrat gebildet. 1922 wurde er von F.Ch. Holm geleitet. 1923 bestand die Siedlung aus 60 Bauerngehöften, für die Saat wurden 234 Desjatin genutzt, insgesamt gab es  1626 Desjatin ackerbares Land. Es gab eine Alphabetisierungsstelle, eine Grundschule. Im August 1927 wurde aus 12 Haushalten die Agrargenossenschaft „Progress“ gebildet, 1929 die Kolchose „Stalin“ gegründet.

Im Februar 1950 wurde an die Kolchose „Stalin“ die Kolchose „Woroschilow“ (Dorf Mirnaja Dolina) angeschlossen. Später wurde die Kolchose des Dorfes Popowka in die Kolchose „Thälmann“ mit dem Sitz in Sosnowka integriert. Im Laufe der  1950–1980er Jahre entstanden Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle, Kinderkrippe, 8-Klassen-Schule, Dorf- und Schulbibliothek. In den 1970er Jahren wurde der Klub auf 200 Plätze erweitert, es arbeitete ein Gemischtwarenladen, ein Bad.

Am  1. Januar  2003  gab es  133 Haushalte und 507 Einwohner. Zurzeit bildet die Milchfarm der Aktiengesellschaft „Schilling“ die wirtschaftliche Grundlage des Dorfes. Es funktionieren eine Oberschule mit dem Unterricht von Deutsch als Muttersprache, Kindergarten, Zentrum der deutschen Kultur, 2 private Verkaufsläden, ein Postamt. 2002 wurde ein Dorfklub eröffnet. In Popowka befindet sich das Rayons- Kindergesundungslager „Druzhba“ (Freundschaft).  Am 1. Januar  2008 lebten im Dorf 488 Personen, davon 313 Russen, 139 Deutsche, 18 Ukrainer, 4 Kasachen etc.

 

Literaturnachweis:

1) Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 154–158.

2) Материалы по переселенческому хозяйству в Степной и Тургайской областях, собр. и разраб. Экспедицией по исследованию Степных областей. Акмолинская облась. Омский уезд. Т. 5. – СПб., 1907.

3) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с допол. 2009 года] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php