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Litkowka / Litkowskij

Geschichte der Siedlung

LITKOWKA / LITKOWSKIJ, gegründet  von den Aussiedlern aus Wolhynnien, liegt  110 km nordöstlich von Tara, die Entfernung von Omsk macht  410 km aus. Gehörte bis 1917 zum Ujesd Tara, Gouvernement Tobolsk (Wolost Jegoroskij / Sedelnikowo), in der Sowjetzeit – Gebiet Omsk, Rayon  Jekaterininskoje (1926–1929), Wasiss (1940–1963), Tara. Zurzeit: Rayon Tara, Zentrum der Landsiedlung Litkowka (zur Landsiedlung gehören die Dörfer Litkowka, Petrowka).

Einwohner:   136 (1912), 516 (1989;78% deutschstämmig), 453 (2008), 515 (01.01.2013).

Die Siedlung der deutschen Kolonisten in den auf sümpfigen Böden gelegenen dunklen Nadelwäldern von Tara bildete Ende der 1890er Jahre eine neue Erscheinung. Ursächlich für die eigenmächtige Umsiedlung nach Sibirien waren der Übergang der Deutschen, die sich in den 1870er Jahren in Wolhynnien niederließen, in russische Staatsbürgerschaft und das Fehlen von Land für die Bauern. 1897–1899 wurden in dieser Gegend von den  Aussiedlern aus dem Gouvernement Wolhynnien (vorwiegend aus  Ujesd Nowograd-Wolhynskij und Zhitomir)  einige Siedlungen gegründet: Berjosowskij, Fjodorowskij, Alexandrowskij, Litkowskij, Wischnewskij. Die eigenmächtige Ansiedlung machte die staatliche Unterstützung für die Neusiedler in Form von  Darlehen unmöglich,  was ihr Leben im neuen Siedlungsort erheblich erschwerte. Erst 1900 wurden die Ländereien für die Besiedlung offiziell freigegeben. Wegen der Strapazen der ersten Jahre waren die Siedler gezwungen, die Zuweisung einer anderen Siedlungsstätte zu beantragen.  Einige von ihnen  gehörten  zu ersten Siedlern des Dorfes Trubetzkoje.

 Bis 1900 nahm  jeder Siedler so viel Land, wie er bearbeiten konnte, seit 1900 wurden pro männliche Person 15 Desjatin Land zur Verfügung gestellt.  1915 zählte Litkowka  27 Haushalte mit  1310 Desjatin Land.

In den Akten der 1920er Jahre sind keine Angaben über das Bestehen   genossenschaftlicheк Wirtschaftsformen enthalten, es gab weder Kommunisten, noch Komsomolzen. 1930 gehörte Litkowka neben fünf anderen deutschen Vorwerken zum Landrat Fjodorowskij, der 201 Haushalte vereinigte. Zentrum war die Siedlung Fjodorowskij, die 95 km vom Rayonszentrum Tara entfernt  war. Deutsche Kolchosen entstanden im Rayon Tara erst  1935. Die Kolchose in Litkowka hatte den Namen „Schönwald“. 1939 wurde sie mit der  Kolchose „Der Weg Lenins“ (Siedlung Skarlinskij) zusammengelegt. Im Herbst des gleichen Jahres wurden die Vorwerke aufgelöst, alle Bewohner in eine einheitliche Siedlung verlegt.  Der Unterricht für die Kinder aus den Vorwerken wurde seit den ersten Jahren erteilt, jedoch wurde in Litkowka erst 1940 (nach anderen Angaben:  1938) eine Grundschule gebaut.  1942 wurden  von insgesamt 257 Bewohnern von Litkowka 19 Männer und Frauen zur Arbeitsarmee eingezogen.

1951 wurde die Kolchose von Litkowka mit der Kolchose „K. Liebknecht“ (Siedlung Fjodorowskij) zusammengelegt, in die bereits 1949 die Siedlungen Wischnewskij und Alexandrowskij eingegangen sind. Die Kolchose wurde von der Maschinen- und Traktorstation (MTS) Wasiss bedient. Am 7. November 1952 wurde die Kolchose ans Stromnetz angeschlossen.

1992   wurde die Kolchose „Der Weg Lenins“ in die Aktiengesellschaft „Litkowskoje“ (seit 200 Geschl. AG „Litkowsdkoje“) umgewandelt. Die Einwohner befassen sich mit Jagd, Waldabholzung, Holzbearbeitung. Auf dem Gelände der Landsiedlung Litkowka Befindet sich das Erdölvorkommen „Krapiwinskoje“.

2002 machten Deutschstämmige  65,3% der gesamten Einwohnerzahl der Siedlung aus,  32,5% waren Russen, es gab auch Ukrainer, Tataren etc. Zurzeit bestehen in der Siedlung eine Mittelschule (seit 1975), ein Kindergarten, eine Bibliothek, ein Museum, ein Gesundheitsstützpunkt.

 

Literaturnachweis:

1) Вибе П.П. Формирование немецкого населения Омской области и сопредельных территорий // Каталог этнографической коллекции рос. немцев в собрании Омского гос. историко-краеведческого музея / Сост. И.В. Черказьянова. – Омск, 1997. – С. 6–25

2) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php

3) История села Литковка // http://www.omskmap.ru/point/litkovka/lore/358

4) Юрьев А. Заиртышская сторона // Культура: Инф.-метод. бюл. – Омск, 2006. – № 10. – С. 28–34.