Zwetnopolje / Blumenfeld (auch Nikolajewka, Neu-Nikolajewka, Siedlungsparzelle Tschenkur-Beit, Tschentur-Bajt, Nr. 55)
Zwetnopolje / Blumenfeld (auch Nikolajewka, Neu-Nikolajewka, Siedlungsparzelle Tschenkur-Beit, Tschentur-Bajt, Nr. 55)
Gebiet Omsk
Geschichte der Siedlung
ZWETNOPOLJE / BLUMENFELD (auch Nikolajewka, Neu-Nikolajewka, Siedlungsparzelle Tschenkur-Beit, Tschentur-Bajt, Nr. 55), lutherisches deutsch-estnisches Dorf. Gegründet 1906 85 km südwestlich von Omsk. Gehörte bis 1917 zum Ujesd Omsk des Gebiets Akmola (Wolost Alexandrowka). In der Sowjetzeit: Gebiet Omsk, Rayon Sosnowkа, Nowoomskoje, Scherbakul (Borisowskoje) Asowo, Odesskoje. Zurzeit - Deutscher Nationalrayon Asowo.
Einwohner: 528 (1909), 746 (1920), 667 (1926), 1636 (1939), 1923 (1989; 71% deutschstämmig), 1908 (2006).
Der Standort für die künftige Siedlung wurde von den Landvermessern Neu-Nikolajewsk genannt, die Parzelle wurde für 220 Gehöfte ausgelegt. Erste deutsche Siedler kamen 1906 aus dem Gouvernement Samara an. In Erinnerung an ihren Heimatort nannten sie die Gegend Zwetnopolje (Blumenfeld). Etwas später kamen Deutsche aus dem Gouvernement Cherson, eine halbe Werst von Zwetnopolje entfernt ließen sich die Deutschen aus dem Gouvernement Saratow und die Esten aus dem Baltikum nieder. Die neue Siedlung Poliwanowka blieb im Laufe der fast 3 Dutzend Jahre selbständig und schloss sich dann an Zwetnopolje an.
1913 gab es 95 Gehöfte, 2 Verkaufsläden, es gab eine Gaststube von Kaiser und einen Laden von Wolf. Das Anteilland der Gemeinde machte 3930 Desjatin (1909), 4035 Desjatin (1916) aus.
Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei des hl. Johannes (Sitz in Alexandrowka). Die erste lutherische Schule wurde 1909 eröffnet. Ihre Eröffnung wurde am 14. Oktober 1909 vom Verwalter des westsibirischen Bildungsbezirks genehmigt. Später wurde sie in eine dem Bildungsministerium unterstellte Schule umgewandelt. Am 12. September 1912 wurde von der Dorfversammlung die Aufnahme eines Darlehens für die Errichtung eines Gebäudes der Ministerial-Schule beschlossen. Am 25. Oktober wurde beschlossen, diese Schule im deutschen Teil der Siedlung zu bauen, sie wurde 1915 eröffnet. Eine erneute Beschlussfassung über die Eröffnung einer Ministerial-Schule erfolgte am 13. Januar 1916 und war wahrscheinlich mit der Errichtung eines neuen Gebäudes im estnischen Teil der Siedlung verbunden.
In der Zeit des Ersten Weltkrieges erhöhte sich die Bevölkerungszahl durch die Ankunft der Flüchtlinge und der aus Wolhynnien deportierten Deutschen.
Der Landrat wurde 1920 gebildet. Der 1922 gewählte Landrat wurde von Jakow Losing geleitet. 1923 wurde der Landrat in den Rayon Sosnowka verlegt, 1929 verlagerte er sich aus dem Rayon Sosnowka nach Nowoomskoje.
1923 entstanden 7 erste genossenschaftliche Vereinigungen. Ende 1925-Anfang 1926 entstand die „Pionier-Maschinengenossenschaft“ in Poliwanowka (Leiter: David Jask). Im Juli 1927 wurde die Erste, Anfang November die Zweite Traktorgenossenschaft von Zwetnopolje, gebildet. Im Laufe des Jahres 1928 entstanden einige neue Genossenschaften, die bestehenden wurden umgewandelt.
1926 wurde ein „Rotes Eck“ aufgemacht.
Um die Wende der 1920er-1930er Jahre wurden in Poliwanowka 4 Kolchosen organisiert: „Erstes Zwetnopolje“, „Zweites Zwetnopolje“, „Roter Stern“ und die estnische Kolchose „Sjade“ (Strahl). Im Februar 1941 schließen sich „Zweites Zwetnopolje“ und „Roter Stern“ zur einheitlichen Kolchose „1. Mai“. 1934 wurde eine siedlungsübergreifende Maschinen- und Traktorstation von Alexandrowka gebildet.
In den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges überstieg die Bevölkerungszahl 2 Tausend Personen, der Zuwachs erfolgte infolge der Anreise der Evakuierten und der deportierten Deutschen.
Im Januar 1951 wurden die Kolchosen „1. Mai“, „Sjade“ und „Erstes Zwetnopolje“ zur Kolchose „Woroschilow“ zusammengelegt. Bald wurden daran die Kolchose „Krasnaja Sarja“ (Rotes Morgenrot) des Dorfes Dmitrijewka und die Kolchose „Kaganowitsch“ (seit der 2. Hälfte der 1950er Jahre Kolchose „Lenin“) des Dorfes Rosa-Dolina angegliedert. Die technische Umrüstung des Fuhrparks erfolgte in den 1970er Jahren. 1979 wurde der Kolchose für die Erfolge bei der Entwicklung der Viehzucht eine Wanderfahne des Gebietskomitees der KPdSU, des Gebiets-Exekutivkomitees, des Gebietssowjets der Gewerkschaften und des Gebietskomitees des Komsomol zuerkannt.
In den 1960er Jahren wurden im Dorf ein Krankenhaus für 15 Betten und eine regionale Bibliothek der Bestimmung übergeben, der Klub wurde durch ein Kulturhaus ersetzt, es funktionierte eine Mittelschule (im Schuljahr 1966/67 zählte sie über 600 Schüler und 30 Lehrer). Es entstand eine Reihe der Fachgeschäfte. In den 1970er Jahren wurde ein Warenhaus eröffnet, die Errichtung eines Viehzuchtkomplexes in Angriff genommen. Anfang der 1980er Jahre wurde eine Asphaltstraße zwischen dem Dorf und dem Rayonszentrum Odesskoje verlegt.
1993 wurde die Kolchose in die Aktiengesellschaft „Zwetnopolje“ (später – geschlossene AG „Zwetnopolje“) umgewandelt, die zusammen mit der Autoreparaturwerkstatt „Motor Plus“ die wirtschaftliche Grundlage des Dorfes bildete. Es bestand eine Straußzuchtfarm. Anfang der 2000er Jahre wurde die Dorfverwaltung in einen Landrat umgewandelt. Am 23. November 2005 wurde die Administration der Landsiedlung Zwetnopolje registriert. Zur Landsiedlung Zwetnopolje gehören die Dörfer Zwetnopolje und Rosa-Dolina sowie der Aul Bakse.
In den 1970er Jahren entstand ein estnisches Folklore-Ensemble, 1988 das deutsche Ensemble „Blumenfeld“. Im Dorf arbeitet eine Mittelschule mit dem Unterricht von Deutsch als Muttersprache, es gibt Filiale der Musikschule, Kindergarten, Kulturhaus, Bibliothek, Zentren der deutschen und der kasachischen Kultur, Hotel, Kantine, Stadion „Jugend“.
1991–1998 wanderten 8990 Personen nach Deutschland aus. Anfang 2003 lebten hier 568 Familien, 1917 Einwohner.
Literaturnachweis:
1) Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 165–171.
2) Иордан А. На сельском празднике // Пламя (Одесское). – 1990. – 18 авг. (85-летие Цветнополья).
3) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] // http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php
4) http://azov.omskportal.ru/ru/municipal/localAuthList/3-52-201-1/poseleniya/tsvetnopolskoe.html