Splawnucha (Huck)
Splawnucha (Huck)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
SPLAWNUCHA (Huck), lutherisches Dorf, gegründet am 1. Juli 1767, am Fluss Jelchowka neben dem Fluß Splawnucha, 70 km südwestlich von Saratow. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Norka (nach 1871 der Wolost Norka, später Wolost Splawnucha) des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow, in der Sowjetzeit – Rayon Karamysch des Ujesd Golyj Karamysch der Arbeitskommune (des Gebiets) der Wolga-Deutschen, seit 1922 Kanton Golyj Karamysch (seit 1927 Kanton Balzer) der ASSR der WD. 1926 gehörte zum Kanton nur das Dorf Huck. Heute: Dorf Splawnucha des Rayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow, Zentrum der Landsiedlung Splawnucha.
Einwohner: 306 (1767), 380 (1773), 570 (1788; 78 Familien), 643 (1798; 87 Familien), 1209 (1816; 126 Familien), 2120 (1834; 210 Familien), 3491 (1850; 228 Familien), 4241 (1857; 372 Familien), 4328 (1859), 5191 (1886), 5134 (1897; 5109 deutschstämmig), 7200 (1906), 9866 (1911), 6348 (1920), 4938 (1922), 5031 (1926; 5014 deutschstämmig), 5200 (1931; 5188 deutschstämmig), 850 (2002). Geburtsort des lutherischen Pastors K.Ja. Rusch (1894–1942).
Kronenkolonie. Gegründet von 79 Auswandererfamilien aus Isenburg und Pfalz. Unter den ersten Siedlern, die bereits am 1. Juli 1767 anreisten, waren der Handwerker aus Isenburg, Vorsteher der Kolonie Johannes Huck, Handwerker aus Isenburg (Wächtersbach), Beisitzer Georg Hein, die Ackerbauer aus Isenburg Konrad Morkel, Ernst Rendernreich, Heinrich Weigand, Konrad Leis und Simon Inhof, Ackerbauer aus Darmstadt Johannes Schlothauer etc. Die Kolonie wurde nach dem Vorsteher genannt. Laut Erlass über Benennung deutscher Kolonien vom 26. Februar 1768 erhielt sie den offiziellen Namen Splawnucha.
Die lutherisch-reformierte Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Norka. Eine Holzkirche wurde 1795 errichtet, 1898-1900 aus Holz für 1500 Plätze umgebaut, am 20. August 1900 geweiht. Es liegt eine Erwähnung über eine in den 1840er Jahren geweihte Kirche vor. 1917 gab es im Eigentum der Kirche einen Glockenturm aus Holz, ein steinernes Schul- und Bethaus (1897), ein Küsterhaus mit Nebengebäude und ein Grundstück.
1769 lebten in der Kolonie 79 Familien, davon 75 ackerbaufähige und 4 -unfähige. Die Kolonisten besaßen 177 Pferde, 2 Arbeitsochsen, 209 Kühe und Kälber, 222 Schafe, 11 Schweine. Im Sommer 1768 wurden 760 Quart und 4 Scheffel (152,1 m3) Getreide gedroschen. Im Herbst 1768 wurden 163 Quart und 2 Scheffel Roggen (32,7 m3) ausgesät. In der Kolonie gab es 60 Wohnbauten, 26 Scheunen, 42 Pferdeställe.
1860 zählte das Dorf 322 Gehöfte, es funktionierten eine Kirche, eine Schule, 3 Buttereiwerke, 22 Mühlen. 1886 waren 1457 Männer und 1519 Frauen schreib- und lesekundig. Es gab 440 Wohnbauten, davon 153 aus Stein, 286 aus Holz, 1 Haus aus ungebrannten Ziegeln; 129 Bauten hatten Holzdächer, 309 waren mit Stroh und 2 Häuser mit Erde bedeckt; es gab 78 Produktionsstätten, 3 Trinklokale, 4 Verkaufsläden. Die Siedler besaßen 486 Pflüge, 1863 Arbeits- und Reitpferde, 596 Ochsen, 1668 Kühe und Kälber, 5904 Schafe, 987 Schweine, 854 Ziegen.1887 г waren im Dorf 470 Männer mit verschiedenen Gewerbearten vor Ort beschäftigt, 107 Personen übernahmen Saisonarbeiten. Besonders entwickelt waren das Tischler- (119 Personen) und Webergewerbe (72 Personen), ferner gab es 35 Eisenschmiede, 9 Gerber, 34 Radmacher, 1 Färber, 31 Müller, 1 Fleischer, 47 Zimmerer, 12 Schneider, 55 Schuster. Die restliche Bevölkerung verdiente ihren Unterhalt als Ackerknechte, Tagelöhner, Hirte etc. Es arbeiteten 2 Verkaufsläden für Gewebe, 1 Gemischtwarenladen, 3 Weinläden, eine Färberei, 1 Weberei für Sarepta-Gewebe, 19 Windmühlen, 3 Buttereiwerke, 6 Radmacherwerkstätten, 18 Schmieden, 1 Schneiderei, 30 Tischlerwerkstätten und 6 Gerbereien.
1894 funktionierte in der Kolonie eine Holzkirche mit Holzdach, eine deutsche Kirchenschule, die bereits bei der Gründung der Siedlung eröffnet wurde, eine 1865 eröffnete russische landständische (Semstwo-) Genossenschaftsschule.
Während der Hungersnot von 1921 wurden 254 Personen geboren und 520 Personen sind gestorben. In den 1920er Jahren gab es im Dorf einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule, eine Lesestube (1926) 1931 wurde die Maschinen- und Traktorstation (MTS) Huck gegründet, die 7 Kolchosen mit einer Saatfläche von 20,7 Tausend Hektar bediente (1932).
Im September 1941 wurde die deutschstämmige Bevölkerung in den Osten deportiert. Bald ließen sich im Dorf die Übersiedler aus westlichen Gebieten und in den 1950er Jahren freiwillige Brachlandbauer nieder.
Heute hat das Dorf 6 Straßen - Kooperatiwnaja, Lenin-Str., Sadowaja, Sowjetskaja, Sowchosnaja, Mirnyj-Gasse. Das Dorf hat Gas- und Wasserversorgung. In den 1990er Jahren löste sich das Staatsgut auf, es gibt eine Farmwirtschaft. Seit 1970 arbeitet eine allgemeinbildende Oberschule Nr. 2 (Lenin-Str. 30). Es gibt einen Kindergarten, einen eigenen Feuerwehrposten (Kooperatiwnaja Str. 35). Es wurde eine Gedenkstätte zu Ehren der Teilnehmer des Großen Vaterländischen Krieges eröffnet, eine orthodoxe Kirche zu Ehren von Sergij von Radonezh errichtet.
Quellen:
1)Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справ. Ч. 1. – СПб., 2001.
2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/huck.htm
4) Pleve I. Einwanderung in das Wolgagebiet. 1764–1767. Bd. 2: Kolonien Galka – Kutter. – Göttingen, 2001.
5) Живо фермерство – жива Сплавнуха // http://fn-volga.ru/newspaperArticle/view/id/1510