Sosnowka/Hoffental (Schilling, Koschkarjowo; sowie Schick, Umsiedlungsabteilung Susuk-Kuduk Nr. 6)
Sosnowka/Hoffental (Schilling, Koschkarjowo; sowie Schick, Umsiedlungsabteilung Susuk-Kuduk Nr. 6)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
SOSNOWKA/HOFFENTAL (Schilling, Koschkarjowo; sowie Schick, Umsiedlungsabteilung Susuk-Kuduk Nr. 6), ein lutherisches Dorf. Gegründet 28 km südlich von Omsk. Gehörte bis 1917 zum Ujesd Omsk des Gebiets Akmola (Wolost Alexandrowskoje). In der Sowjetzeit gehörte es in der Folge zu Rayons Sosnowka, Nowo-Omsk, Uljanowka (Omsk), Asowo, Taurien des Gebiets Omsk. Ist zurzeit Zentrum der Landratssiedlung Sosnowka des Deutschen Nationalrayons Asowo.
Einwohner: 123 (1920), 122 (1926), 255 (1989; 78% deutschstämmig), 270 (2006), 1819 (01.01.2013), 2004 (01.01.2014).
Das Dorf wurde vorwiegend von den Umsiedlern aus den Gouvernements Samara (Wolost Stepanowka: 35 Familien, Dorf Jablonowskoje: 12 Familien etc.) und Saratow (Sosnowskoje) besiedelt. Der Standort für künftige Ansiedlung wurde 1894 festgelegt, der Geländeplan wurde vom Oberlandvermesser Chochlow erstellt. Ende 1895 wurden auf dem Grundstück 52 Familien eingetragen, die Bauarbeiten im Juni 1896 in Angriff genommen. 1896 lebten hier 131 Männer sowie weitere 31 Männer auf einem Ergänzungsgrundstück. Die beiden Grundstücke zählten 62 Gehöfte. Gegen 1902 wanderten ca. 20 Familien nach Amerika, in die Gouvernements Jenissejsk und Wolhynnien sowie nach Taschkent, 2 Familien kehrten ins Wolga-Gebiet zurück.
1901 wohnten alle Familien in Lehmziegelhäusern, es gab 2 Windmühlen und 2 Eisenschmieden. Unter den Bauern gab es Handwerker, nämlich 2 Zimmerer, 2 Schuster, 5 Kärrner / Radmacher, 2 Eisenschmiede, 2 Müller und einen Schneider. 1901 wurde ein Getreidehandelslager errichtet, dessen Baukosten sich auf 160 Rubel beliefen. 1902 gab es 6 staatseigene Brunnen.
Der Unterricht für die Kinder wurde 1896 aufgenommen. Die lutherische Schule funktionierte von ersten Jahren an in einem Bethaus aus Lehmziegeln. 1902 besuchten die Schule von 42 Jungen und 32 Mädchen. 1904 wurde der Unterricht vom Lehrer Hafner erteilt.
Bis 1909 gehörte die Kirchengemeinde zur evangelisch-lutherischen Pfarrei Omsk (mit Zentrale in Omsk) und erhielt eine neue Unterstellung nach der Gründung der eigenständigen Pfarrei des hl. Johannes (mit Zentrale in Alexandrowka).
1912 wurde in Sosnowka ein 3-Wochen-Lehrgang über musterhafte Viehhaltung in warmen Räumen und Viehfütterung durchgeführt. Die staatliche Initiative seiner Durchführung war darauf gerichtet, den Bauern fortschrittliche Bewirtschaftungsmethoden beizubringen. 1913 zählte die Siedlung 100 Gehöfte, es gab eine zur Kompetenz des Bildungsministerium gehörende Schule, einen Laden, 6 Handels- und Produktionsobjekte, einschl. Dampfmühle von Gross, Windmühle von Schmidt.
In den Jahren des Ersten Weltkrieges und des Bürgerkrieges erhöhte sich die Bevölkerungszahl durch steuerlich nicht erfasste Bauern, Flüchtlinge und Kriegsgefangene.
Ende 1919 wurde die Wolost-Zentrale aus Nowinka nach Sosnowka unter Beibehaltung der früheren Bezeichnung „Wolost Nowinka“ verlegt. Die Zerrüttung der Nachkriegszeit wurde noch mehr durch die dreijährige Dürre von 1920–1922 verstärkt. Laut der Volkszählung von 1920 waren 166 von 169 Haushalten deutschstämmig. Zu Beginn von 1923 lebten im Dorf 820 Personen. Die wohlhabendsten von ihnen waren J. Fromm (60 Desjatin Land und über 9 Desjatin Aussaatfläche, 24 Köpfe Vieh), F.M. Sommerfeld und G.G. Schneider (jeweils 7 Desjatin Aussaatfläche und 12 Köpfe Vieh). Im Mai 1923 wurde eine Transportstation für die Befahrung der Straße Kulomsino-Odesskoje eröffnet.
1921–1923 wurde der Schulunterricht vom Lehrer W.J. Peters erteilt. Im Januar wurde eine Alphabetisierungsstelle für Jugendliche und Dorfbewohner im Alter von 14-35 Jahren eröffnet. 1926 war dies eine 3-Klassen-Schule mit deutschsprachigem Unterricht, die 110 Kindern besuchten. Im Dorf arbeitete eine wolosteigene Bibliothek, die 1922 von Schmidt geleitet wurde. Im Dezember 1923 wurde eine Lesestube eröffnet.
Mit der Gründung Ende 1923 des Rayons Sosnowka wurde die Zentrale aus Sosnowo nach Asowo verlegt, wobei in Sosnowo ein Landrat beibehalten wurde.
1923–1924 wurde der landwirtschaftliche Genossenschaftsbetrieb Nr. 1 und der Genossenschaftsbetrieb „Prolet“ gegründet. Später entstanden die Kooperationsgenossenschaften zur gemeinsamen Bodenbearbeitung wie „Roter Ackermann“, „1. Mai“, „Neues Leben“ sowie eine Kartoffelanbaugenossenschaft. 1930 wurden die Genossenschaften durch die Kolchose „Clara Zetkin“ abgelöst. Darin wurden 153 Haushalten erfasst, deren Aussaatfläche ca. 1750 ha betrug. Die Maschinen- und Traktorstation Sosnowka, die 25 Kolchosen betreute, verfügte Anfang 1936 über starkes technisches Potential von 93 Traktoren, 19 Mähdrescher, 25 Dreschmaschinen, 63 Pflüge etc. 1939 wurden im Zusammenhang mit einer Kampagne zur Auflösung separat stehender Anwesen die Bewohner dieser Anwesen umgesiedelt.
Im Februar wurde an die Kolchose „Clara Zetkin“ die Kolchose „Roter Stern“ und etwas später auch die Kolchose „Anbruch des neuen Lebens“ angeschlossen, die daraus entstandene Kolchose erhielt den Titel „Thälmann“ (seit 1960 „In Gedenken von Thälmann“). 1957 wurde der Betrieb der Maschinen- und Traktorstation Sosnowka eingestellt.
In den 1960er Jahren vollzog sich eine Rekonstruktion des Dorfes, es entwickelte sich der Wohnungsbau, einschließlich der Eigentumshäuser. Jährlich wurden im Schnitt 10-15 Häuser der Bestimmung übergeben. Es wurden 4 Läden gebaut. 1966 nahm ein lokales Krankenhaus für 35 Betten seine Arbeit auf, 1968 wurde ein neues Schulgebäude errichtet, eine Apotheke eröffnet. Gegen Mitte der 1980er Jahre verfügte das Dorf über 8-Klassen-Schule, Kinderkombinat, Kulturhaus, Bibliothek, mehrere Fachgeschäfte, Dienstleistungskombinat, Apotheke, Krankenhaus etc.
Im September 1994 eröffnete die Filiale einer Kindermusikschule ihre Pforten, auf deren Basis ein Orchester der Volksinstrumente gegründet wurde. Zurzeit kam zu sozialen Objekten ein Zentrum der deutschen Kultur hinzu, in der Schule wird Deutsch als Muttersprache unterrichtet. 2009 wurde in Sosnowskoje der erste Feuerwehrdienst des Gebiets aufgebaut.
1970 waren 85% der Bevölkerung deutschstämmig, 13,3% entfielen auf russische Bewohner. Anfang 1990 lebten im Dorf 1660 Personen. Anfang der 1990er Jahre begann die Auswanderung nach Deutschland, jedoch wurden die ausgewanderten Dorfbewohner durch die Umsiedler aus Kasachstan und Zentralasien abgelöst.
Die Landratssiedlung Sosnowskoje vereinigt fünf Siedlungsorte wie Dörfer Sosnowka, Popowka, Mirnaja Dolina, Nowinka und Aul Tulumbaj.
Literaturverzeichnis:
1) Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 139–153.
2) Назарцева Т.М. Немецкое население Сосновского района Омского округа, по переписи 1926 года // Немцы Сибири: история и культура: Материалы Всерос. науч.-практ. конф. – Омск, 1993. – С. 145–146.
3) Материалы по переселенческому хозяйству в Степной и Тургайской областях, собр. и разраб. Экспедицией по исследованию Степных областей. Акмолинская область. Омский уезд. Т. 5. – СПб., 1907.
4) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 г.] // http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php
5) http://azovoinfo.ru