Sadowoje (Anton), Antonowskij, Sebastjanowka)
Sadowoje (Anton), Antonowskij, Sebastjanowka)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
SADOWOJE (Anton), Antonowskij, Sebastjanowka), reformiert-lutherisches Dorf, eine der fünf ersten deutschen Kolonien an der Wolga. Gegründet am 7. September 1764. Liegt am Fluß Sebastjanowka, der neben der Siedlung Achmat unter dem Namen Strelitza in die Wolga mündet, 62 km von Saratow entfernt. Gehörte vor 1917 zur Kolonistenkreis Sosnowka (seit 1871 Wolost Sosnowka , später Wolost Golyj Karamysch) des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow. In der Sowjetzeit - Rayon Karamysch des Ujesd Golyj Karamysch der Arbeitskommune (des Gebiets) der Wolga-Deutschen, seit 1922 – Kanton Golyj Karamysch (seit 1927 Balzer) der ASSR der WD. Verwaltungszentrum des Landrats Sadowoje. 1926 gehörte zum Landrat nur das Dorf Anton. Zurzeit: Dorf Sadowoje, Rayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow, gehört zur Landsiedlung Sadowoje, umfasst die Dörfer Sadowoje und Achmat.
Einwohner: 229 (1767), 250 (1773), 367 (1788; 57 Familien), 412 (1798; 54 Familien), 611 (1816; 80 Familien), 988 (1834; 103 Familien), 1516 (1850; 109 Familien), 1729 (1859), 1965 (1886), 1644 (1897; 1637 deutschstämmig), 2993 (1905), 3418 (1911), 2363 (1920), 1633 (1922), 1813 (1923), 1581 (1926; 1526 deutschstämmig), 2248 (1931; 100% deutschstämmig), 1800 (1941).
Kronenkolonie. Gegründet von 63 Familien aus Isenburg, Pfalz, Hessen und Dänemark. Genannt nach dem ersten Vorsteher Paul Anton. Laut Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien erhielt den Amtsnamen Sebastjanowka.
Die Kirchengemeinde gehörte zu Pfarreien wie folgt: seit 1765 zu Pfarrei Messer (Usl-Solicha), 1770–1820 existierte eine eigenständige Pfarrei Sebastjanowka, 1820–1855 wieder zu Ust-Solicha und seit 1855 zu Balzer (Golyj Karamysch). 1806 wurde eine Holzkirche errichtet, 1856 aus Holz für 650 Plätze umgebaut, 1888 renoviert. 1904 wurde ein Schul- und Bethaus errichtet.
1769 lebten in der Kolonie 57 Familien, davon waren 54 Familien ackerbaufähig, 3 -unfähig. Die Kolonisten besaßen 155 Pferde, keine Arbeitsochsen, 204 Kühe und Kälber, 12 Schweine. Im Sommer 1768 wurden 1448 Quart und 5 Scheffel (289,7 m3) Getreide geerntet. Im Herbst 1768 wurden 115 Quart und 6 Scheffel (23,2 m3) Roggen ausgesät. In der Kolonie gab es 31 Wohnhäuser, 38 Pferdeställe.
1860 gab es 149 Haushalte, es funktionierten eine Schule, 14 Werke und 8 Mühlen. 1813–1870 gab es eine Rübenzuckerfabrik, die dem Künstler Karl-Ferdinand von Kügelchen gehörte. Am 25. April 1813 wurde dem Kollegienassessor Kügelchen im Ujesd Kamyschin des Gebiets Saratow die Gründung einer Rübenzuckerfabrik und die Herstellung von Alkohol aus den Reststoffen der Rübenzuckerproduktion genehmigt.
1886 gab es 226 Häuser, davon 121 aus Stein, 105 aus Holz. 72 Häuser hatten Holzdächer, 154 Häuser - Strohdächer. Ein Haus war zweistöckig. Es funktionierten 15 Produktionsstätten, ein Trinklokal und 5 Verkaufsläden. Die Kolonisten besaßen 195 Pflüge, 20 Harfen, 254 Arbeits- und Reitpferde, 6 Ochsen, 539 Kühe und Kälber, 572 Schweine, 670 Schafe und 336 Ziegen. Das Bauholz wurde von den Kolonisten in den Flusshäfen in Sosnowka oder Achmat gekauft. Die Häuser wurden fast ausschließlich mit getrockneten Kuhfladen beheizt. Der Gartenbau war stark entwickelt, es gab kaum einen Hauswirten, der über keinen eigenen Garten verfügte. Fast die Hälfte aller Obstbäume machten die Apfelbäume der Sorten Anis, Aport, Belle und Sernowka aus. Eine Durchschnittsernte lag über 4 Pud pro Baum. Die Kolonisten vermieteten die Bäume an russische Bauern für 50 Kopeken bis 1 Rubel pro Baum. Die Früchte wurden jenseits der Wolga vermarktet, zum Teil sie gegen Getreide getauscht oder nach Saratow geschickt. Die wichtigsten angebauten Kulturen waren Roggen und Weizen. Im Dorf gab es zwei Getreidevorratslager, beide aus Holz mit Holzdächern. 1887 wanderten 3 Familien nach Amerika aus.
1894 arbeiteten in der Kolonie 2 Schulen: eine Kirchengemeindeschule und eine Genossenschaftsschule. Von 2565 Dorfbewohnern befassten sich ca. 80 Personen mit der Herstellung des Sarepta-Gewebes.
In der Sowjetzeit bestand ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, Grundschule, Kinderheim (1926). 1928 entstand im Dorf die Kolchose „Schwab“, die später den Namen „Thälmann“ erhielt. Es gab eine kolchoseigene Mühle, eine Butterei, eine Sattlerwerkstatt, 7-Klassen-Schule, einen Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle. 1931 wurde ein Erholungsheim eröffnet.
Am 16. September 1941 wurden die Einwohner nach Sibirien deportiert.
In den 1970er Jahren entwickelte sich im Dorf das Staatsgut „Priwolzhskij“, das sich auf Getreide- und Obstbau spezialisierte. Es arbeitete eine Weinproduktion. Zurzeit existiert das Staatsgut nicht mehr. 2002–2012 gab es die Agrarfirma „Sadowoje“, deren Haupttätigkeitsbereich der Anbau von Obst und Nüssen war. Im früheren Kirchengebäude befindet sich ein Kulturhaus. Das frühere Schul- und Bethaus in der Pozharnaja Str. liegt in Trümmern. Im 1914-1915 erbauten Gebäude der früheren landständischen (Semstwo-) Schule befindet sich der Kindergarten „Apfelbäumchen“.
Quellen:
1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
2) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/anton.htm
3) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справ. Ч. 1. – СПб., 2001.
4) Затерянные в Сибири // http://krasnoarmejsk.org/Sadovoe-Anton/zaterjannye-v-sibiri.html