Perwomaiskoe (Franzosen, Franzusy, Rossoschi)
Perwomaiskoe (Franzosen, Franzusy, Rossoschi)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
ПЕРВОМАЙСКОЕ (Franzosen, Franzusy, Rossoschi), ein lutherisch-katholisches Dorf, gegründet am 28. Juli 1765. Liegt am Fluß Rossosch, 90 km südwestlich von Saratow. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Kamenka (seit 1871 der Wolost Kamenka des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow. In der Sowjetzeit – Rayon Werchnjaja Ilowlja des Ujesd Golyj Karamysch der Arbeitskommune (des Gebiets) der Wolga-Deutschen, seit 1922 des Kantons Kamenka der ASSR der WD. Ist Verwaltungszentrum des Landrats Franzosen (1926 gehörte zum Landrat allein das Dorf Franzosen) Heute ist es Dorf Perwomajskoje des Rayons Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.
Einwohner: 160 (1767), 150 (1773), 143 (1788; 26 Familien), 254 (1798; 47 Familien), 436 (1816; 79 Familien), 776 (1834; 114 Familien), 1248 (1850; 136 Familien), 1460 (1859), 1765 (1886), 1641 (1897; 1631 deutschstämmig), 2768 (1905), 2750 (1911), 2585 (1920; 100% deutschstämmig), 1854 (1922), 1695 (1923), 1928 (1926; 1919 deutschstämmig), 2162 (1931; 100% ).
Die Kolonie wurde vom Werber de Boffe gegründet und war seine Residenz. Es ist bekannt, dass die Kolonie von 68 katholischen Familien gegründet wurde, die sie nahezu komplett verließen und von den Auswanderern aus lutherischen Kolonien Messer, Grimm, Katz (Aussiedler aus Darmstadt, Isenburg und Brandenburg) abgelöst wurden. Ferner ist bekannt, dass zur Kolonie nach dem Vaterländischen Krieg von 1812 ehemalige Kriegsgefangene der Armee Napoleons Alltag und Haller zugewiesen wurden, die den Wunsch äußerten, in Russland zu bleiben. Laut Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Siedlungen erhielt die Kolonie den Amtsnamen „Rossosch“ nach dem Fluss, an dem sie lag.
Die lutherisch-reformierte Gemeinde gehörte zur Pfarrei Lesnoj Karamysch. Eine Holzkirche wurde 1807 gebaut, 1862 in eine Holzkirche für 451 Plätze umgebaut. In der Kolonie gab es ein Schul- und Bethaus. Die Katholiken gehörten zur Pfarrei Schuck.
1769 lebten in der Kolonie 58 Familien, davon 47 ackerbaufähig und 11 –unfähig. Im Besitz der Kolonisten befanden sich 106 Pferde, 95 Arbeitsochsen, 110 Kühe und Kälber, 6 Schafe, 4 Schweine. Im Sommer 1768 haben die Kolonisten 279 Quart und 3 Scheffel Getreide (55,9 m3) gedroschen. Im Herbst 1768 wurden 67 Quart (13,4 m3) ausgesät. In der Kolonie gab es 23 Wohnbauten, 13 Scheunen und 13 Pferdeställe. Es gab 3 bequeme Zufahrten zum Fluss, es wurden 2 Dämme und ein Wasserbrunnen eingerichtet, im Dorf selbst wurden 140 Wasserbrunnen eingerichtet. Nach Angaben des Akademiemitglieds N. Ja. Oseretzkowskij, der 1782 diese Gegend bereiste, bestand die Kolonie aus 40 steinernen „stattlich gebauten Häusern“, jedoch waren nur 17 von ihnen bewohnt, der Rest stand leer: „ihre Besitzer verstreuten sich auf unbekannte Ortschaften auf der Jagd nach Glück“.
1860 zählte die Kolonie 125 Gehöfte, es arbeiteten 10 Mühlen. Im Laufe von 1860-1874 wanderten 73 Familien in den Ujesd Nowousenskij im Gouvernement Samara aus, 5 Familien gingen 1860 in den Kaukasus, nach Amerika siedelten 1876 6 Familien und 1886 3 weitere Familien aus, 1 Familie ging im Jahr 1886 in die Wolost Sosnowka, Ujesd Kamyschin.
1886 gab es in der Kolonie 208 Haushalte mit ständig anwesender Bevölkerung, 56 dauernd abwesende Familien und 3 Familien als Fremdbevölkerung. Schreib- und lesekundig waren 521 Männer und 511 Frauen. Insgesamt gab es 250 Wohnhäuser, davon 213 aus Stein, 36 aus Holz und 1 Haus aus ungebrannten Ziegeln; 160 Häuser hatten Holzdächer, 82 waren mit Stroh bedeckt, 8 Häuser hatten Lehmdächer. Es arbeiteten 13 Produktionsstätten und 3 Verkaufsläden. Die Siedler besaßen 179 Pflüge, 608 Arbeits- und Reitpferde, 125 Ochsen, 509 Kühe und Kälber, 625 Schafe, 582 Schweine, 312 Ziegen, einen Bienengarten mit 11 Bienenstöcken. Das Anteilland machte 3657 Desjatin ackerbares Land, davon 3248 Desjatin Ackerland, sowie 1578,5 Desjatin unlandiges Land aus. Im Dorf gab es 2 gemeinschaftliche Getreidelager, beide mit Holzdächern. Der Wald lag mitten im Ackerland und an den Schluchten, hatte eine Gesamtfläche bis 227 Desjatin, mit Eiche, Espe und Birke bewachsen. Der Mangel an Holz wurde von Kolonisten durch Zukäufe nachgeholt, die Häuser wurden mit getrockneten Kuhfladen beheizt. Die Viehtränke im Dorf erfolgte am Fluss Ilowlja, in den Feldern gab es dazu 8 Wasserquellen. Die Kolonisten besaßen Gemüsegärten, Kartoffelfelder, es gab von alters her Gärten, überwiegend Apfelgärten. Es wurden Sorten wie Anis, Belle, Schwarzholz angebaut, die Äpfel wurden in Kamyschin und Saratow verkauft.
Seit 1830 begannen die Kolonisten mit der Herstellung des Sarepta-Gewebes. Es gab keine eigenen Unternehmer, jedoch wurde für Schmidt, Pinecker, Becker und andere Firmen gearbeitet, die bis Saratow bekannt waren. 1887 befassten sich damit in Rossosch bis zu 25 Familien.
1894 zählte die Kolonie 201 Gehöfte, es funktionierte eine lutherische Kirche (1863 geweiht), eine deutsche Kirchengemeindeschule. 1893 wurde eine russische landständische (Semstwo-) Schule eröffnet. Innerhalb der Gesamtzahl von Wohnbauten waren 32 aus Holz, die restlichen 169 waren aus Stein, 100 Häuser hatten Holzdächer, 101 waren mit Stroh bedeckt. Unter den Einwohnern gab es 2213 Lutheraner und 19 Baptisten. Neben dem Ackerbau betrieben die Dorfbewohner Handel (4 Personen), befassten sich mit der Herstellung des Sarepta-Gewebes (310), produzierten Harfen (16) und Tabakpfeifen (2); es gab 4 Eisenschmiede, 1 Schuster, 7 Zimmerer, 2 Tischler und 4 Radmacher (Kärrner). Seit 1871 wurden von der Dorfgemeinschaft Rossosch als Eigentum aufgrund eines Besitzeintrags 5235 Desjatin Anteilland genutzt, von denen 3657 als ackerbar und 1578 als unlandig ausgewiesen wurden.
1926 funktionierten ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft und eine Grundschule. Im September 1941 wurde die deutschstämmige Bevölkerung in den Osten deportiert.
Heute hat das Dorf Perwomajskoje 19 Straßen. Es arbeiten eine Mittelschule Nr. 23 (Schkolnaja Str. 16), ein Kindergarten. Der Produktionsbereichs des Dorfes ist durch die Farmwirtschaft Newerow (eingetragen 2002) und die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „Rossoschanskoje“ vertreten. Die letztgenannte wurde im Juni 2002 gegründet, hat ihren Hauptsitz in Perwomajskoje. Die Genossenschaft baut Getreide an, besitzt 1550 Köpfe Rindvieh, die Gesamtfläche des Ackerlandes beträgt 11 600 Hektar. Zur Produktionsgenossenschaft gehört ein Mühlenkomplex (Bäckerei, Teigwarenproduktion).
Quellen:
1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
2) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/franzosen.htm
3) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справ. Ч. 1. – СПб., 2001.
4) Сельскохозяйственный производственный кооператив «Россошанское» // http://zsr-saratov.ru/catalog/6/214/