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Nekrasowo (Norka, Staraja Norka, Weigand)

Geschichte der Siedlung
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Friedhof

NEKRASOWO (Norka, Staraja Norka, Weigand), reformiertes Dorf, gegründet  am 15. August 1767, liegt am Fluss Norka, 65 km südwestlich von Saratow.

Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Norka, (seit 1871 Wolost Norka, später Wolost Splawnucha) des  Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow, und war  Zentrum der Wolost Norka, in der Sowjetzeit – Rayon Karamysch des Rayons Golyj Karamysch der Arbeitskommune (des Gebiets) der Wolga-Deutschen, seit  1922 – Kanton Golyj Karamysch (seit 1927 Balzer) der ASSR der WD. Verwaltungszentrum des Landrats Norka. 1926 gehörten zum Landrat das Dorf Norka, die Tochtersiedlung Grundt. Heute ist es Dorf Nekrasowo des Rayons Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow, gehört zur Landsiedlung Nekrasowo.

Einwohner:  753 (1767), 957 (1773), 1358 (1788; 206 Familien), 1660 (1798; 225 Familien), 2509 (1816; 300 Familien), 4113 (1834; 445 Familien), 5951 (1850; 465 Familien), 6354 (1859), 7641 (1886), 6843 (1897; 6815 deutschstämmig), 13 500 (1906), 14 174 (1911), 7325 (1920), 7292 (1922), 6913 (1923), 7466 (1926; 7454 deutschstämmig), 7707 (1931; 7693 deutschstämmig), 1001 (2002). Geburtsort der lutherischen Pastoren: L. Kantaneo (30.10.1787–21.12.1828, Norka), W. Stärkel (geb. 1839), E.I. Pfeifer (1891–31.07.1938, Moskau, erschossen), des Historikers A.A. Klaus (1829–1877), des lutherischen Pastors und Historikers G.N. Bonwetsch (5.2.1848–18.7. 1925, Göttingen), des lutherischen Pastors und öffentlichen Funktionärs I. Schleining (14.1.1879–7.9.1961, Braunschweig), des sowjetischen Staatsfunktionärs A.I. Reichert (1869–1936).

Kronen-Mutterkolonie. Gegründet von 212 Familien aus Isenburg und Pfalz. Genannt nach dem Fluss Norka. Behielt entsprechend dem Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien ihren früheren Namen. Lag auf einer Anhöhe und hatte einwandfreies Quellenwasser.

Das Dorf gehörte zur lutherisch-reformierten Pfarrei Norka, die 1767 gegründet wurde. Eine Holzkirche wurde 1822  errichtet, 1880-1992  für 2500 Plätze umgebaut und erhielt ein Metalldach. Die Kirchenorgel stammte aus Südtirol. Im Dorf gab es  ein Schul- und Bethaus. 1917 besaß die Kirche ein Gebäude des Pastorats aus Holz mit Backsteinfundament (1886), einen hölzernen Glockenturm mit einer Glocke. Pfarrer der Pfarrei waren in verschiedenen Zeiträumen Christoph Heinrich Bonwetsch (1845–1876), Gottlieb Naphanael Bonwetsch (1876–1877), Emil Pfeifer (1927–1934).

1769 lebten in der Kolonie 212  Familien, davon 208 ackerbaufähige  und 4 -unfähige. Die Kolonie besaß 444 Pferde, 40 Arbeitsochsen,  410 Kühe und Kälber, 7 Schweine.  Im Sommer 1768 wurden  1361 Quart und 2 Scheffel  (272,3 m3) Getreide gedroschen, im Herbst 1768 wurden 417 Quart und 6 Scheffel Roggen (83,5 m3) ausgesät. In der Kolonie gab es  172 Wohnhäuser,  118 Scheunen, 168 Pferdeställe.

1810 wurde von den Bewohnern von Sarepta in der Kolonie eine Weberei zur Herstellung des Sarepta-Gewebes eröffnet, wonach Norka zum wichtigsten Hersteller der Baumwollstoffe wurde.

1851–1852 wanderten ca.  520 Personen aus und gründeten am Fluss Ilowlja die Tochterkolonie Nowaja Norka.

1860 zählte das Dorf  483 Gehöfte, es funktionierte eine Kirche, eine Schule. Zweimal im Jahr wurden Märkte abgehalten. Der Produktionsbereich war durch 5 Gerbereien vertreten, es arbeiteten 3 Buttereiwerke und 21 Mühlen.  1864 wurde eine Dorfverwaltung eröffnet, seit 1934 arbeitete ein Gesundheitstützpunkt mit Gebirtshilfestelle, es gab einen Feldscher. Seit der Gründung des Dorfes arbeitete eine Kirchenschule.  1856 besuchten sie  546 Jungen und  552 Mädchen. 1868 wurde zusätzlich eine Genossenschaftsschule eröffnet.

1886 waren in Norka 877 Familien anwesend, darüber hinaus gab es 322 dauernd abwesende Familien und 13 Familien als Fremdbevölkerung. Schreib- und lesekundig waren 4161 Personen (2127 Männer und 2034 Frauen). Es gab 785 Wohnhäuser, davon 414 aus Stein, 336 aus Holz, 5 aus Lehm; 78 Häuser hatten Holzdächer, 704 waren mit Stroh und 3 mit Erde bedeckt. Es funktionierten 54 Produktionsstätten, 11 Verkaufsläden, 5 Trinklokale und Gastwirtschaften. Die Siedler besaßen 741 Pflüge, 4293 Arbeits- und Reitpferde, 2602 Kühe und Kälber, 5280 Schafe, 1686 Schweine, 869 Ziegen, 5 Bienengärten (mit 34 Bienenstöcken). Das Anteilland machte insgesamt  21 468 Desjatin aus. Im gewerblichen Bereich war die Lohnkutscherei am stärksten entwickelt: 1887 befassten sich damit ca. 300 Personen; 143 Personen übernahmen Saisonarbeiten, unter ihnen gab es 129 Tagelöhner, 2 Maurer, 5 Gerber, 4 Müller und 3 Händler. Vor Ort befassten sich handwerklich  547 Personen, davon  89 Tagelöhner,  2 Böttcher, 12 Filzmacher, 16 Gerber, 39 Schmiede, 78 Radmacher, 19 Müller, 9 Schaffellgerber, 20 Hirte, 2 Buchbinder, 7 Säger, 14 Zimmerer, 19 Schneider, 25 Schuster, 1 Schlosser, 28 Tischler, 6 Bedienstete, 6 Wächter,  36 Weber, 28 Händler, 10 Sattler.

1926 bestanden im Dorf ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, 2 Grundschulen, eine Lesestube. In der Vorkriegszeit wurden hier 4 Kolchosen gegründet, es arbeitete ein Kraftwerk, Krankenhaus, eine Mittelschule, ein Kinderheim, eine Kinderkrippe und eine Bibliothek. Mitte  der 1930er Jahre wurde die Maschinen- und Traktorstation (MTS) Norka eröffnet.

Im September  1941 wurde die deutschstämmige Bevölkerung nach Sibirien deportiert.  Am 2. Juli 1942 wurde der Landrat Norka auf Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR in Landrat Nekrasowo umbenannt.

Heute ist im Dorf die landwirtschaftliche Genossenschaft „Nekrasowo Agrarprodukt“ registriert, die sich auf Getreideanbau spezialisiert. Es arbeitet eine Oberschule (seit 1968), es gibt eine Zweigstelle der Sparbank (Sberbank). 2007 wurde in den Räumen einer früheren Ambulanz eine  dem Großmärtyrer und Heiler Hl. Panteleimon gewidmete orthodoxe Kirche eröffnet (Sowjetskaja Str. 19).

 

Quellen

2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/norka.htm

4) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справ. Ч. 1. – СПб., 2001.

5) http://www.rusprofile.ru/id/207844