Lugowoje (Vollmer, Vollmar, Kolenka, Lugowoj)
Lugowoje (Vollmer, Vollmar, Kolenka, Lugowoj)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
LUGOWOJE (Vollmer, Vollmar, Kolenka, Lugowoj), katholisches Dorf, gegründet am 18. Juli 1766. Liegt auf dem rechten Ufer des Flusses Ilowlja 100 km südwestlich von Saratow. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Kamenka (seit 1871 Wolost Kamenka) des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow, in der Sowjetzeit – zum Rayon Werchnjaja Ilowlja, Ujesd Golyj Karamysch der Arbeitskommune (des Gebiets) der Wolga-Deutschen, seit 1922 des Kantons Kamenka der ASSR der WD. Ist Verwaltungszentrum des Landrats Vollmer. Heute ist es Dorf Lugowoje des Rayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.
Einwohner: 158 (1767), 221 (1773), 273 (1788; 45 Familien), 385 (1798; 65 Familien), 421 (1816; 69 Familien), 752 (1834; 103 Familien), 1122 (1850; 116 Familien), 1183 (1859), 1777 (1886), 1555 (1897; 1550 deutschstämmige), 1452 (1905), 1775 (1911), 1867 (1920; 100% deutschstämmige), 1212 (1922), 1565 (1926; 1555 deutschstämmige), 1762 (1931; 100% deutschstämmige). Geburtsort der katholischen Pater Johann Beilmann (1847–1903), Joseph Beilmann (geb. 1873), Johann Beilmann (1878–1940), I. Roth (1881–1938), P. Rollheiser (geb. 1899).
Werberkolonie von de Boffe (Deboff). Gegründet von 47 Familien aus Mainz, dem Pfalz und Trier. Ursprünglich wurde sie 1,5 Werst flussabwärts der Ilowlja angelegt, 1832 in heutige Lage verlegt. Genannt nach dem ersten Vorsteher. Laut Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien erhielt sie den Amtsnamen Kolenka.
Die Kirchengemeinde gehörte zur katholischen Pfarrei Kamenka; 1904 wurde die eigenständige Pfarrei Vollmer gegründet. Eine Holzkirche des hl. Erzengels Michael wurde 1848 errichtet und geweiht, 1928 offiziell geschlossen.
1769 lebten in der Kolonie 47 Familien, davon 45 ackerbaufähig und 2 –unfähig. Die Kolonisten besaßen 100 Pferde, 7 Arbeitsochsen, 137 Kühe und Kälber, 14 Schweine. Im Sommer 1768 wurden 917 Quart und 7 Scheffel Getreide (183,6 m3) gedroschen. Im Herbst 1768 wurden 102 Quart (20,4 m3) Roggen ausgesät. In der Kolonie gab es 8 Wohnhäuser, 8 Scheunen und 8 Pferdeställe.
1860 funktionierten in der Siedlung eine römisch-katholische Kirche, eine Schule und 5 Mühlen. 1863 wanderten aus der Kolonie 12 Familien ins Gebiet Kuban, 1864-1878 35 Familien ins Gouvernement Samara, 1872 3 Familien in die Wolost Ilowlja, Ujesd Kamyschin, 1876–1877 7 Familien nach Amerika aus (1880 und 1883 kehrten 2 Familien zurück); 1885–1886 siedelten 7 weitere Familien nach Amerika aus. Die nach Amerika ausgewanderten Familien ließen sich vorwiegend in Argentinien nieder.
1886 zählte die Kolonie 213 dauernd anwesende Hauswirte, darüber hinaus waren 64 Familien dauernd abwesend. Als schreib- und lesekundig wurden 475 Männer und 457 Frauen eingetragen. Insgesamt gab es 246 Wohngebäude, davon 144 aus Stein und Backstein, 102 aus Holz; 147 hatten Holzdächer, 83 waren mit Stroh und 16 mit Erde bedeckt. Es funktionierten 10 Produktionsstätten, ein Trinklokal, ein Verkaufsladen. Ausgewiesen wurden 3572 Desjatin ackerbares Land (einschl. 3342 Desjatin Ackerland) und 611,5 Desjatin unlandiges Land, insgesamt machten sie 4183,5 Desjatin aus. Im Dorf wurden zwei gemeinschaftliche Getreidelager aus Holz mit Holzdächern gebaut. Vorwiegend wurde Weizen angebaut, gefolgt mengenmäßig absteigend von Roggen, Hafer, Gerste, Hirse und Sonnenblumen. Das Getreide wurde in Nischneje Bannoje und in Kamyschin verkauft. 1887 betätigten sich handwerklich 9 Weber des Sarepta-Gewebes, 20 Schuster, 1 Schneider, 11 Zimmerer, 50 Maurer, 2 Eisenschmiede, 4 Radmacher, 2 Böttcher. Es waren 3 Bettler bekannt. 1891 wurde eine landständische (Semstwo-) Schule eröffnet, darüber hinaus wurde die Arbeit einer Kirchengemeindeschule fortgesetzt.
1926 gehörte zum Landrat Vollmer nur das Dorf Vollmer. 1926 gab es einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule. Im September 1941 wurde die deutschstämmige Bevölkerung nach Sibirien deportiert.
Quellen:
1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
2) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/vollmer.htm