Luganskoje (Beideck, Bajdeck, Talowka, Werchnjaja Talowka)

Wolgagebiet

Geschichte der Siedlung

LUGANSKOJE (Beideck, Bajdeck, Talowka, Werchnjaja Talowka), lutherisches Dorf, gegründet am 10. August 1764 als eine der ersten deutschen Siedlungen an der Wolga. Liegt am Fluss Talowka  45 km südwestlich von Saratow. Gehörte vor  1917 zum Kolonistenkreis Sosnowka (seit 1871 Wolost Sosnowka, danach Wolost Golyj Karamysch)  des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow. In der Sowjetzeit – zum Rayon Karamysch des  Ujesd Golyj Karamysch der Arbeitskommune (des Gebiets) der Wolga-Deutschen, und seit  1922 – zum Kanton Golyj Karamysch (seit 1927 Kanton Balzer der ASSR der WD). Verwaltungszentrum des Landrats Beideck, 1926 gehörte zum Landrat Beideck nur das Dorf Beideck.  Heute ist es Dorf Luganskoje, Rayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.  Das  munizipale Gebilde (Landsiedlung) Luganskoje umfasst Luganskoje und Sosnowka-Schilling.

Einwohner:  298 (1769), 360 (1773), 519 (1788; 74 Familien), 581 (1798; 92 Familien), 942 (1816; 126 Familien), 1574 (1834; 196 Familien), 2471 (1850; 201 Familien), 3210 (1859), 4121 (1886), 3890 (1897; 3824 deutschstämmig), 6428 (1904), 7519 (1911), 4338 (1920), 3906 (1922), 3668 (1923), 4210 (1926; 4123 deutschstämmig), 4307 (1931; 4266 deutschstämmig), 2192 (2002), 2019 (2014). Geburtsort der lutherischen Pastoren: G.F. Otto (1813–1877) и H.H.J. Günther (24.5.1891 – nach 1931), des Vorsitzenden der landständischen (Semstwo-) Verwaltung P.E. Lauck (1829–1896).

Kronenkolonie. Gegründet von 76 Familien aus Isenburg, Darmstadt und Hanau. Genannt nach dem ersten Vorsteher. Laut Erlass vom  26. Februar 1768 über Benennung deutscher Siedlungen erhielt sie  dem Amtsnamen Talowka.

Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Talowka. 1806 wurde eine Holzkirche  gebaut, 1846  in eine Steinkirche (mit  Metalldach) für 1000 Plätze umgebaut. 1917 gab es bei der Kirche einen Glockenturm aus Holz.

1769 lebten in der Kolonie 76 Familien, davon 76 ackerbaufähig. Die Kolonisten besaßen folgende Viehbestände: 186 Pferde, 26 Arbeitsochsen, 193 Kühe und Kälber, 49 Schweine. Im Sommer 1768 wurden  899 Quart und 2 Scheffel Getreide (179,9 m3) gedroschen. Im Herbst 1768 wurden  109 Quart und 1 Scheffel Roggen (21,8 m3) ausgesät. In der Kolonie gab es 48 Wohnhäuser, 1 Scheune und 7 Pferdeställe. 1860 zählte die Kolonie  228 Gehöfte, es gab eine lutherische Kirche, eine Schule,  Poststation und 2 Tuchwarenfabriken. 1886 lebten in der Kolonie auf ständiger Basis 496 Hauswirte (4117 Personen) und es gab  195 dauernd abwesende Familien sowie 1 Familie (4 Personen) als Fremdbevölkerung.  Als schreib- und lesekundig wurden 1175 Männer und 1080 Frauen eingetragen. Insgesamt gab es  537 Wohnhäuser, davon 396 aus Stein, 138 aus Holz und 3 aus ungebrannten Ziegeln; 12 hatten Metalldächer, 258 waren mit Holz, 254 mit Stroh bedeckt, 13 hatten  Lehmdächer; es gab 10 Produktionsstätten, 3 Trinklokale und 6 Verkaufsläden.  Die Siedler besaßen  439 Pflüge, 2 Hakenpflüge, 1 Mäher, 59 Harfen, 3 Dreschmaschinen, 1800 Arbeits- und Reitpferde, 420 Ochsen, 1304 Kühe und Kälber,  2551 Schafe, 1000 Schweine, 694 Ziegen. Im Dorf gab es 4 Getreidelager. Als überwiegende Anbaukultur galt Weizen, die Anbaufläche von Roggen machte ein Drittel der von Weizen aus, die von Hafer machte ihrerseits ein Drittel der  Roggen-Anbaufläche aus; Hirse, Gerste, Leinen, Hanf, Erbsen und Sonnenblumen wurden in kleineren Mengen kultiviert. Die Gemeinschaft besaß 2 wassergetriebene Mühlen am Fluss Karamysch. 1894 befassten sich ca. 100 Personen mit der Herstellung des Sarepta-Gewebes.

1878 wurde neben einer Kirchenschule eine Privatschule eröffnet, die vom  Landstand (Semstwo) gefördert wurde. An der Gründung dieser Schule beteiligten sich 32 Familien. 1887 wurde diese Privatschule von 29 Knaben und 6 Mädchen besucht. 1885–1915 wurde in Talowka die lutherische Zeitschrift „Friedensbote“ herausgegeben, es bestanden:  seit 1891 die Fürsorgeanstalt  für Senioren und Behinderte „Bethania“ (Wifania), seit 1895  das Kinderheim „Nasareth“, eine Wohlfahrtseinrichtung  (1907).

In den 1920er Jahren funktionierten  ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, Grundschule, ein Klub, eine Lesestube  (1926).

Zurzeit ist Luganskoje die drittgrößte Siedlung des Rayons Krasnoarmejsk und hat 8 Straßen: Wolzhskaja, Komsomolskaja, Kosmonauten-Straße, Krasnoarmejskaja, Friedensstraße, Molodjozhnaja, Moskowskaja, Rabotschaja, Saratowskaja, Sowjetskaja. Das große Staatsgut „Perspektivnyj“ ist in Insolvenz geraten.  In den Garagen des früheren Staatsgutes wurde 2009 ein Feuerwehrtrupp eingerichtet. Im Dorf gibt es eine  Oberschule, die 1945 als Mittelschule gegründet wurde. 1952  wurde darin der 7-Klassen-, 1960 der 8-Klassen-Unterricht  eingeführt, seit 1976 arbeitet sie als Oberschule. Es besteht ein Kulturhaus. 2011 wurde eine Gedenkstätte zu Ehren der Teilnehmer des Großen Vaterländischen Krieges eingeweiht.

 

Quellen:

1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

2) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/beideck.htm

3) Князева Е.Е., Словьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.

4) В Красноармейском районе стало больше на 2 пожарных поста // http://www.vzsar.ru/news/2009/01/28/v_krasnoarmeyskom_rayone_stalo_bolshe_na_2_pozharnyh_posta.html

5) Луганское (Википедия

6) МБОУ СОШ № 19 // http://sclluganskoe.ucoz.ru/index/novosti_nashej_shkoly/0-88