Klutschi (Moor, Zimmermann)
Klutschi (Moor, Zimmermann)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
KLUTSCHI (Moor, Zimmermann), ein lutherisch-reformiertes Dorf, gegründet am 1. Juli 1766 am Fluss Klutschi 65 km südwestlich von Saratow. Vor 1917 gehörte die Kolonie zum Kolonistenkreis Sosnowka (seit 1871 Wolost Sosnowka), Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow, in der Sowjetzeit – Rayon (Kanton) Karamysch (Balzer) der ASSR der WD. Heute ist es Dorf Klutschi, Rayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.
Einwohner: 240 (1767), 276 (1773), 420 (1788; 62 Familien), 510 (1798; 70 Familien), 866 (1816; 92 Familien), 1513 (1834; 165 Familien), 2181 (1850; 178 Familien), 2653 (1859), 3069 (1886), 3109 (1897; 3103 deutschstämmig), 5370 (1905), 5998 (1911), 4822 (1920; 100% deutschstämmig), 3599 (1922), 3333 (1923), 3719 (1926; 3716 н deutschstämmig), 3842 (1931; 3836 deutschstämmig), 567 (2002). Geburtsort der Literaturschaffenden A. Brettmann (geb. 1918) und A. Lakmann (geb. 1938).
Kronenkolonie, gegründet von den Aussiedlern aus Pfalz, Isenburg und Hessen. Genannt nach dem ersten Vorsteher Moor. Laut Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien erhielt sie den Amtsnamen Klutschi.
Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Ust-Solicha (Messer, gegründet 1765). Die erste Holzkirche wurde 1798 errichtet, 1832-1833 ebenfalls aus Holz umgebaut. 1856 wurde eine neue Kirche geweiht.
1769 lebten in der Kolonie 64 Familien, davon 60 ackerbaufähig und 4 -unfähig. Die Kolonisten besaßen 155 Pferde, 2 Arbeitsochsen, 148 Kühe und Kälber, 21 Schweine. Im Sommer 1768 wurden 842 Quart und 5 Scheffel Getreide (168,5 m3) gedroschen. Im Herbst 1768 wurden 154 Quart und 7 Scheffel (31 m3) Roggen ausgesät. In der Kolonie gab es 37 Wohnhäuser.
1862 funktionierten in der Siedlung 12 Werke und 4 Mühlen. Seit 1859 wanderten aus der Kolonie 463 Einwohner ins Gebiet Samara, im Zeitraum von 1874-1875 31 Personen nach Amerika und 1886 32 weitere Personen aus, 1875 siedelten 6 Personen in den Kaukasus aus.
1886 zählte die Kolonie 399 Hauswirte, es lebten 3069 Personen; darüber hinaus waren 126 Familien als dauernd abwesend eingetragen. Schreib- und lesekundig waren 908 Männer und 850 Frauen. Insgesamt gab es 391 Wohngebäude, davon 295 aus Stein, 96 aus Holz; 124 Bauten hatten Holzdächer, 260 waren mit Stroh und 7 mit Erde bedeckt. Es funktionierten 23 Produktionsstätten, 5 Verkaufsläden. Die Siedler besaßen 214 Pflüge, 18 Hakenpflüge, 62 Harfen, 960 Pferde, 906 Kühe und Kälber, 904 Schafe, 695 Schweine, 465 Ziegen. In der Siedlung standen 2 gemeinschaftliche Getreidelager aus Holz mit Metalldächern. Angebaut wurde vorwiegend Weizen, eine Hälfte seiner Anbaufläche machte die von Roggen aus, es wurden kleinere Mengen von Hafer, Gerste, Leinen und Sonnenblumen kultiviert. Das Getreide wurde in Sosnowka sowie im Dorf Zolotoje verkauft. 1886 gab es im Dorf 2 Schulen: eine Kirchengemeinde- und eine Genossenschaftsschule. 1894 funktionierten 3 Fertigungsstätten für Sarepta-Gewebe, mit Webarbeiten waren ca. 500 Personen beschäftigt.
Während der Hungersnot von 1921 wurden 165 Personen geboren, 730 sind gestorben. 1926 gab es einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule. Das Dorf war Verwaltungszentrum des Landrats Moor, 1926 gehörten zum Landrat das Dorf Moor, ein Gehöft bei der Wassermühle Sumpfmühl sowie das Vorwerk Kronstepp. 1931 bestand eine Weberei für Sarepta-Gewebe.
Im September 1941 wurde die deutschstämmige Bevölkerung nach Osten deportiert. 1944 wurde die Kolchose „Zweiter Fünfjahrplan“ ins Staatsgut „Klutschewskoj“ umgewandelt. In den Folgejahren wurden ein Kälberstall, eine Schmiede, ein Gesundheitsstützpunkt, Bad, Kindergarten gebaut. 1976 zählte die Wirtschaft 2400 Köpfe von Rindvieh und 10 Tausend Schweine. Im Laufe der Jahre 1976–1980 wurden 39 Häuser (mit 110 Wohnungen), eine Kantine, eine Telefonzentrale, ein Getreidelager, eine mechanisierte Tenne, 2 Kuhställe, 3 mechanisierte Schweineställe, eine Trinkwasserpumpstation gebaut, 2,5 km Wasserleitungen verlegt, 100 Wohnungen ans die Gasversorgung angeschlossen, die Straße wurde mit Asphalt versehen.
In den 1990er Jahren entstanden anstelle des Staatsguts kleinere Wirtschaften wie landwirtschaftlicher Genossenschaftsbetrieb СПК „Russkoje Pole“, Bauernfarm Prokopow, Offene AG „Maschinen- und Traktorstation (MTS) „Chleborob“ (Ackerbauer“). Es sind eine Schule, ein Kindergarten, Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestation, Klub, Postamt sowie Verkaufsläden erhalten, es wurde eine Bäckerei aufgemacht und die Dorfbeleuchtung verlegt.
Quellen:
2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/moor.htm
Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.
4) Урядова Е. История моего села // http://nsportal.ru/ap/library/drugoe/2013/03/27/nauchno-prakticheskaya-konferentsiya-rodnoy-kray-glazami-molodykh