Karamyschewka (Bauer; Eidenmüller)

Wolgagebiet

Geschichte der Siedlung

KARAMYSCHEWKA (Bauer; Eidenmüller), lutherisch-reformiertes Dorf, gegründet am 20. Juli 1766, liegt auf dem linken Ufer des Flusses Golyj Karamysch 80 km südwestlich von Saratow. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Sosnowka (seit 1871 Wolost Sosnowka, später Wolost Lesnoj Karamysch) des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow. In der Sowjetzeit – zum Rayon Karamysch (Balzer), seit 1922 Rayon Golyj Karamysch (seit 1927 Rayon Balzer), seit 1935 Kanton Kamenskij (Grimm) der ASSR der WD. Heute ist es Dorf Karamyschewka, Rrayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.

Einwohner: 176 (1767), 231 (1773), 331 (1788; 55 Familien), 385 (1798; 65 Familien), 696 (1816; 85 Familien), 1272 (1834; 147 Familien), 1874 (1850; 153 Familien), 2196 (1857; 208 Familien), 2284 (1859), 2657 (1886), 2821 (1897; 2790 deutschstämmig), 4303 (1905), 4751 (1911), 3718 (1920), 3238 (1922), 2882 (1923), 3321/ (1926; 3315 deutschstämmig), 4061 (1931; 100% deutschstämmig). Geburtsort des lutherischen Pastors I. Schlündt (1900–1993).

Werberkolonie von de Boffe. Gegründet von 55 Familien aus Hamburg, Darmstadt, Schwaben, Sachsen und Leiningen. Genannt nach dem ersten Vorsteher. Erhielt entsprechend dem Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien die offizielle Bezeichnung Karamyschewka.

Das Dorf gehörte zur lutherischen  Pfarrei Lesnoj Karamysch (gegründet 1767). Die erste Kirche wurde 1807 erbaut, 1873 in Holz für 800 Plätze umgebaut und erhielt ein Metalldach.  In der Kolonie gab es ein Schul- und Bethaus. Eine Kirchengemeindeschule funktionierte seit  den ersten Jahren der Kolonie. 1917 hatte die Kirche einen hölzernen Glockenturm.

1769 lebten in der Kolonie 53 Familien, davon 49 ackerbaufähig und 4 -unfähig. Die Kolonisten besaßen 115 Pferde,  2 Arbeitsochsen,  133 Kühe und Kälber, 21 Schafe, 26 Schweine. Im Sommer 1768 wurden  648 Quart und 5 Scheffel (129,7 m3) Getreide gedroschen. Im Herbst 1768 wurden  55 Quart und 4 Scheffel Roggen (11,1 m3) ausgesät. In der Kolonie gab es  32 Wohnhäuser. 1860 zählte die Kolonie  112 Gehöfte mit 1138 Männern und 1146 Frauen, insgesamt  2284 Personen, es funktionierten eine lutherische Kirche, 8 Fertigungsstätten zur Herstellung von  Sarepta-Gewebe,  6 Gewebefärbereien,  3 Werke, ein Buttereiwerk und 2 Mühlen.

1859 wurde von den Aussiedlern dieser Kolonie die Tochterkolonie  Neu-Bauer (Nowaja Karamyschewka) jenseits der Wolga gegründet, in die  335 Männer und 284 Frauen umsiedelten; 16 Männer und 14 Frauen wanderten  in den  Kaukasus, 4 Männer wanderten in andere Siedlungen des Ujesd Kamyschin aus. 1876-1880 gingen 16 Männer und 18 Frauen nach Amerika.

Laut Angaben der landständischen (Semstwo-) Volkszählung von 1886 zählte die Kolonie 314 Hauswirte, darüber hinaus wurden 52 dauernd abwesende Familien und 8 Familien (40 Personen) als Fremdbevölkerung erfasst. Bei der Volkszählung wurden als schreib- und lesekundig  753 Männer und 760 Frauen eingetragen. Es gab 307 Wohnbauten, davon 167 aus Stein und Backsteinen und 140 aus Holz; davon hatten 56 Häuser Holzdächer, 250 Häuser waren mit Stroh und ein Haus mit Erde gedeckt. Es funktionierten 25 Produktionsstätten, 4 Trinklokale, 4 Verkaufsläden. Die Bauern besaßen 268 Pflüge, einen Hakenpflug, 44 Harfen, 1139 Pferde, 182 Ochsen,  931 Kühe und Kälber,  1647 Schafe, 1169 Schweine, 350 Ziegen.

1891 machte das Anteilland der Gemeinde 6672,5 Desjatin ackerbares (einschl. 5210 Desjatin Ackerland) und 1982 Desjatin unlandiges Land aus. Eine Weidefläche von 603,5 Desjatin grenzte direkt ans Dorf. Für  Gärten und Gemüsegärten wurden pro Kopf   90 Quadratfäden Land genutzt. Das Dorf verfügte über  4 gemeinschaftliche Getreidelager mit Holzdächern. Seit 1886 wurde ein richtiges Dreifeldersystem eingeführt; es wurden Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Leinen und andere Kulturen angebaut. 1894 gab es hier 321 Gehöfte mit den Bauten aus Holz und Naturstein, vorwiegend mit Strohdächern und nur ein Viertel der Häuser hatte Holzdächer. Neben einer Kirchengemeindeschule existierte eine Genossenschaftsschule, es gab 4 Fertigungsstätten für Sarepta-Gewebe und eine Gerberei.

Während der Hungersnot von 1921 wurden   143 Personen geboren, 325  sind gestorben. In den 1920er Jahren  bestanden  ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule und eine  Lesestube. 1926 gehörte zum Landrat nur das Dorf Bauer. Genossenschaftsbetrieb zur Fertigung des Sarepta-Gewebes.

  Zurzeit hat das Dorf 6 Straßen: Beregowaja, Zeljonaja, Molodjozhnaja, Nowaja, Rabotschaja, Zentralnaja.  2008 lebten im Dorf 517 Personen, es gab eine Mittelschule (Zentralnaja Str. 14), den Kindergarten „Raduga“ (Regenbogen) als eine Abteilung der Schule, ein Gesundheitstützpunkt mit Geburtshilfestelle, es gibt Gas- und Wasseranschluss, ein Kesselhaus, Fernmeldeamt (neben der Schule). Es gab eine mechanisierte Tenne. 2010 gab es 421 Personen. Der Kindergarten existiert seit  1984 und befindet sich im Schulgebäude. Die Schule wurde 1948 eingerichtet und ist  zurzeit die allgemeinbildende Hauptschule Nr. 17, es gibt ein Schulmuseum für russische Kultur.

 

Quellen:

1) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.

2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/bauer.htm

4) http://scl17.ucoz.ru/load/ // МБОУ ООШ № 17 села Карамышевка.