Jelschanka (Husaren; Gusary, Gasary, Gulder)

Wolgagebiet

Geschichte der Siedlung

JELSCHANKA (Husaren; Gusary, Gasary, Gulder), katholisches Dorf, gegründet am 13. Juni  1765.  Liegt auf dem linken Ufer des Flusses Ilowlja 95 km südwestlich von Saratow. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Kamenskij  (nach 1871 – der Wolost Kamenskij des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Samara, in der Sowjetzeit zur ASSR der WD, Rayon Werchnjaja Ilowlja, seit 1922 – Kanton  Kamenskij (Grimm) / Medwediza – Krestowo – Bujerak (Frank). Zurzeit ist es Dorf Elschanka des Rayons Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.

Einwohner 39 (1765), 95 (1767), 102 (1769), 123 (1773), 137 (1788; 29 Gehöfte), 193  (1798; 33 Gehöfte), 261 (1816; 64 Gehöfte), 635 (1834; 100 Gehöfte), 1051 (1850; 98 Gehöfte), 1175 (1857; 110 Gehöfte), 1188 (1859), 1207 (1865), 1426 (1883), 1516 (1897; 1492 deutschstämmig), 1858 (1905), 2179 (1911), 1988 (1920), 1417 (1922), 1616 (1926; 1595 deutschstämmig), 1814 (1931; 100% deutschstämmig). Geburtsort der katholischen Pater J.I. Schönfeld (1884–1937), P.I. Rolgaiser (1889–1937).

Kronkolonie (umgesiedelt auf Abruf der Regierung). Der Name geht auf orthodoxe Husaren zurück, die die Bewachung des Werbers Dönhof übernahmen und zur Kolonie zugeordnet wurden. Erhielt entsprechend dem Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien die offizielle Bezeichnung Jelschanka nach dem Fluss, an dem sie lag.

Die Kolonie wurde von 14 Familien aus Mainz, Elsass und Polen gegründet. Unter den ersten Siedlern war der katholische Vorsteher der Kolonie Johann Adam Hefner aus Mannheim; Soldat katholischen Glaubens Johann Woit aus Polen (Gniew), Ackerbauer katholischen Glaubens Christoph Baumgärtner aus Polen (Marienburg), katholischer Kleinadeliger Kasimir Kasarewski aus Polen (Brody), orthodoxer Kleinbürger Konrad Sokolow (Sokolowskoj) aus Polen (Polozk) katholischer Ackerbauer Thomas Wangar aus Österreich (Prerow); katholischer Kleinadeliger Jakob Danowski aus Polen  (Swiegy); orthodoxer Ackerbauer Iwan Sawadzki (Sawadskij)  aus Simbirsk; orthodoxer Kleinbürger Anton Mursa aus der Ukraine (Itschnja) etc. Die ersten Siedler  Iwan Sawadzki, Nikolaj Schtanow und   Jegor Minster waren drei gediente Husaren des Petersburger Husarenregiments. 1830 kamen einige katholische Familien aus der Kolonie Franzosen (Rossosch) an. 1774 war Lebrecht der Vorsteher der Kolonie.

 Die Kirchengemeinde gehörte zum Dekanat  Kamenka, seit 1865 . – Husaren. Eine Holzkirche mit Metalldach wurde 1859 erbaut. Pater der Pfarrei waren in verschiedenen Zeiträumen I. Beilmann (1875–1876), R. Brunhard (1885–1886), A. Schönberger (1914–1917), A. Gareis (1925–1929).  1808 lebten in der Kolonie 26 Orthodoxe.

1769  lebten  in der Kolonie  34 Familien (102 Personen, 54 Männer und  48 Frauen),  wobei alle 34 Familien ackerbaufähig waren. Die Kolonisten hatten folgende Viehbestände: 81 Pferde, 90 Kühe und Kälber, 98 Schafe. Im Sommer 1768 wurden  1746 Quart (349,2 m3) Getreide gedroschen, 89 Quart und 7 Scheffel (18 m3) Roggen ausgesät. Es bestanden 34 Wohnbauten, 34 Schuppen, 34 Pferdeställe. 1774 wurde die Kolonie von den Aufständischen Pugatschows ausgeplündert.  Durch die Siedlung verlief eine große Post- und Viehdurchtriebsstraße zwischen Saratow und Astrachan.

1857 entfielen auf 152 Familien 1280 Desjatin Land. 1862 wurden  104 Gehöfte, 612 Männer und 576 Frauen (insgesamt 1188 Personen) eingetragen. In der Kolonie  funktionierte eine römisch-katholische Kirche, eine Schule, eine Fabrik zur Herstellung des Sarepta-Gewebes, ein Buttereiwerk und 7 Mühlen.

Die Auswanderung  aus der Kolonie  wurde 1871 ins Gouvernement  Samara (15 Personen wanderten aus, wo sie Anteilland erhielten) und nach Amerika im Laufe von 1876 (5 Familien nach Brasilien) und 1886  (5 Familien, 10 Männer und 7 Frauen) beobachtet.

Laut Angaben der landständischen (Semstwo-) Volkszählung von 1886     zählte Jelschanka anwesende Deutschstämmige und assimilierte Griechen wie folgt: 222 Haushalte, 1510 Einwohner (772 Männer und 738 Frauen). Darüber hinaus wurden 76 dauernd abwesende Familien registriert. Als schreib- und lesekundig wurden 394 Männer und 368 Frauen eingetragen. Insgesamt gab er 222 Wohnhäuser, davon 165 aus Stein, 59 aus Holz sowie eine Lehmhütte; es gab 111 Häuser mit Dächern aus Holz, 107 mit Strohdächern und 4 mit Erddächern. Im Besitz der Kolonisten befanden sich 145 Pflüge, 534 Pferde und Fohlen, 96 Ochsen, 479 Kühe und Kälber, 326 Schafe, 582 Schweine,  183 Ziegen. Die Kolonie zählte  9 Produktionsbetriebe, ein Trinklokal  und 3 Verkaufsläden.  Alle Jahressteuern und Abgaben (1885) beliefen sich auf 5997 Rubel aus.  Dabei beteiligten sich die Orthodoxen nicht an Pfarreiausgaben  wie denen z.B. für die Renovierung der Kirche und Schule, Gehalt des katholischen Schulmeisters, Gehalt des Paters, Heizung des Pastorats.

Das Anteilland bestand aus zwei Grundstücken: Das Hauptgrundstück erstreckte sich 6 Werst lang nach Osten und hatte eine Breite von 8 Werst; das 2. Grundstück war 25 Werst vom Dorf entfernt und enthielt nur 65 Desjatin ackerbares Land und wurde von der Gemeinde verpachtet. Das Grasland befand sich  auf drei Seiten des Dorfes, dahinter begann das Ackerland 200-400 Fäden vom Gehöft entfernt. Die Wiesen erstreckten sich  teils auf der linken Seite des Flusses Ilowlja, ein anderes Teilstück lag beiderseits des Flusses Jelschanka.  Der Wald war 5 Werst  vom Dorf entfernt und befand sich am Ende des Grundstücks.  Die Wassertränke gab es am Fluss Jelschanka und an Wasserquellen.

Vor 1884  wurde das Land nach der Zahl der in der 10.  Bevölkerungsprüfung erfassten Personen vergeben und verteilte sich auf 60 Orthodoxe und 475 Deutschstämmige.  1884 wurde der Grund und Boden entsprechend  einer Gerichtsentscheidung für 6 Jahre aufgrund neuer Personenzahl (900 Personen) neu verteilt, indem es in 90 Zehnergruppen (zu je 10 Personen) zusammengefasst wurde, denn viele Familien haben sich vergrößert und der Besitz auf der Basis der Personenzahl laut der Bevölkerungsprüfung unbequem wurde.

Die Verteilung von Heuschlag in den  Wiesen- und Waldstandorten wurde jährlich vorgenommen. Die Siedlung verfügte über ein Getreidelager. Es wurden Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Sonnenblumen ausgesät, Kohl, Kartoffeln und Hanf angebaut. Es funktionierte das Dreifeldersystem wie folgt: ein Drittel der Aussaatfläche entfiel auf Roggen, von den Sommerkulturen wurde der Weizen bevorzugt. Ein großer Schaden wurde von Zieseln verursacht, so dass der Zieselfang     Pflicht war. Das Getreide wurde nach Kamyschin und Nischnjaja Bannaja verkauft.

Die Kolonie verfügte über  Maurer, die  nach der Ackerzeit  bis zum Heuschlag sowie im Herbst nach der Ernte für die Errichtung von Häusern (aus Naturstein) engagiert wurden. Diese Arbeiten wurden von Handwerkergenossenschaften  und nur innerhalb des Ujesd Kamyschin übernommen.   1887 gab es auch andere Handwerker, nämlich: 2 Leinenfärber,  17 Schuster, 2 Schneider, 12 Ofenleger, 7 Tischler,  1 Böttcher,  1 Eisenschmied,  1 Weber und 2 Musikanten.

1894 zählte das Dorf 188 Gehöfte: 50 Holzbauten, 128 Steinbauten, 1 Haus  mit Metalldach, 88 Häuser mit Holz- und 99 Häuser mit Strohdächern. Das Dorf wurde nach einem genehmigten Plan gebaut und in Wohnvierteln mit je 3 Gehöften geteilt. Es funktionierte eine Kirchengemeindeschule, die bereits in der Gründungszeit der Siedlung eröffnet wurde, es gab ein Pastorat, eine gemeinschaftliche Schmiede,  52 Wasserbrunnen. Es lebten 1995 Personen (1091 Männer und  904 Frauen), davon  71 Orthodoxe und 1924 Katholiken. Neben dem Ackerbau betätigten sich  die Einwohner im Handel (1), in der Herstellung des Sarepta-Gewebes (125). Es arbeiteten  8 Schuster, ein Eisenschmied, ein Tischler, 5 Zimmerer.

1910–1915 zählte Jelschanka 239 Gehöfte, das Anteilland machte  5792 Desjatin aus. 1910 wurde die Dorfverwaltung von Christophor Petrowitsch Schwab geleitet. Es arbeitete eine landständische  (Semstwo-) Schule. 1909 erreichte die Zahl der Kirchengänger   3900 Personen.

Während der Hungersnot von 1921 wurden   88 Personen geboren, 191  sind gestorben. 1926 gab es einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule mit 4-Klassen-Unterricht. Zum  Landrat Husaren gehörte  nur das Dorf Husaren.

Im September  1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert.

Heute gibt es im Dorf  mehrere Straßen, nämlich „55 Jahre des Sieges“, Seljonaja, Internationalnaja, Lugowaja, Rabotschaja, Retschnaja, Stanzionnaja, Zentralnaja, Schkolnaja und zwei Gassen: Zhelesnodorozhnyj und Retschnoj. Es arbeitet eine allgemeinbildende Oberschule. 1981–1989 hatte sie 8-Klassen-Unterricht, seit 1991 gilt sie als Oberschule. Seit der 2. Klasse wird  Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.

 

Quellen:

1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

2) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/hussaren.htm

3) Писаревский Г.Г. Иностранные колонисты греко-российского исповедания в Поволжье // Писаревский Г.Г. Избранные произведения по истории иностранной колонизации в России. – М., 2011. – С. 220–224.

4) Дитц Я. История поволжских немцев-колонистов. – М., 1997. – С. 320–322.

5) Pleve I. Einwanderung in das Wolgagebiet. 1764–1767. Bd. 2: Kolonien Galka – Kutter. – Göttingen, 2001.

6) Генеалогический форум // http://germany-forum.ru/showthread.php?t=3253