Gwardejskoje (Pfeifer, Gniluschka, Feifer)
Gwardejskoje (Pfeifer, Gniluschka, Feifer)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
GWARDEJSKOJE (Pfeifer, Gniluschka, Feifer), katholisches Dorf, gegründet am 15. Juni 1767 auf dem rechten Ufer des Flusses Ilowlja, 108 km südwestlich von Saratow, an der Grenze zum Gebiet Wolgograd. Gehörte bis 1917 zum Kolonistenkreis Kamenkskij des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow (seit 1871 Wolost Kamenskij, in der Sowjetzeit – zur ASSR der WD, Rayon Werchnjaja Ilowlja (Kamenskij), seit 1922 г. – Kanton Kamenskij (Grimm) / Frankskij (Medwediza-Krestowo-Bujertak). Ist heute Dorf Gwardejskoje des Rayons Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.
Einwohner: 328 (1767), 393 (1773), 507 (1788; 89 Familien), 591 (1798; 94 Familien), 825 (1816; 123 Familien), 1518 (1834; 193 Familien), 2250 (1850; 229 Familien), 2322 (1857; 230 Familien), 2345 (1859), 2617 (1886), 2847 (1897; 2841 deutschstämmig), 3104 (1911), 3422 (1920% 100% deutschstämmig), 1904 (1922), 2437 (1926; 2434 deutschstämmig), 2821 (1931; 100% deutschstämmig). Geburtsort der katholischen Pater I. Burhardt (1846–1912), I. Köberlein (1863–1910), A.M. Schönfeld (1873–1938), A. Desch (1881–1937).
Kronkolonie (umgesiedelt auf Abruf der Regierung). Genannt nach dem ersten Vorsteher. Erhielt entsprechend dem Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien die offizielle Bezeichnung Gniluschka. Gegründet von 104 Familien aus Mainz, Würzburg und Fulda.
Die Kirchengemeinde gehörte zur lutherischen Pfarrei Kamenka, seit 1871 Pfeifer. Eine Holzkirche wurde 1845 (oder 1846) erbaut, 1910 wurde das alte Kirchengebäude in die Kolonie Rothammel verkauft. Als Pater der Pfarrei dienten in verschiedener Zeit I. Beilmann (1911–1913), N. Meier (1914–1918), E. Simon (bis 1921), L. Weinmeier (1921–1928), A. Gareis (seit 1929). 1919 gab es 5205 Gemeindemitglieder. Seit der Gründung der Kolonie gab es eine Schule. 1888 entstand eine landständische (Semstwo-) Schule, später dazu noch eine Schule, die in der Kompetenz des Bildungsministeriums lag.
1769 lebten in der Kolonie Gniluschka 97 Familien, davon 92 ackerbaufähige und 5 -unfähige Familien, Die Kolonie zählte 317 Personen (175 Männer und 142 Frauen). Die Kolonisten verfügten über folgende Viehbestände: 156 Pferde, zwei Arbeitsochsen, 150 Kühe und Kälber. Im Sommer 1768 wurden 512 Quart (102,4 m3) Getreide gedroschen, im Herbst 230 Quart Roggen (46 m3) ausgesät. In der Kolonie gab es 80 Wohnhäuser, 26 Scheunen, 18 Pferdeställe.
1857 betrug das Anteilland der Gemeinde 4742 Desjatin, 1910 waren es 11 978 Desjatin. 1862 zählte die Kolonie 230 Gehöfte mit 1199 Männern und 1146 Frauen, es gab eine römisch-katholische Kirche, eine Schule, zwei Buttereiwerke, drei Mühlen.
Im Zeitraum von 1860–1864 wanderten aus dem Dorf 23 Familien ins Gouvernement Samara aus. 1868–1876 wurden 6 Personen in Strafkolonie nach Sibirien geschickt (1868, 1875 und 1876 aus der Gemeinschaft aufgrund der Gerichtsurteile ausgeschlossen). Nach Amerika wanderten 128 Personen im Jahr 1876 und 24 Familien in den Jahren 1886–1887 aus. Viele ließen sich in Buenos-Aires nieder.
Im Ergebnis der landständischen (Semstwo-) Volkszählung von 1886 zählte die Kolonie 357 vorhandene Haushalte (1265 Männer und 1352 Frauen), 90 dauernd abwesende Familien und 1 Familie (2 Personen) als Fremdbevölkerung. Schreib- und lesekundig waren im Dorf 618 Männer und 524 Frauen; es gab insgesamt 317 Wohnbauten, davon 26 aus Stein, 131 aus Holz, 160 Häuser aus ungebrannten Ziegeln und Lehmhütten; 5 Häuser hatten Metalldächer, 184 hatten Dächer aus Holz, 128 waren mit Stroh bedeckt. Alle Bauten wurden nach vorher bestätigten Plänen errichtet. Es wurden 21 Gewerbeunternehmungen, 3 Trinklokale, 4 Verkaufsläden registriert. Es gab ein Pfarrhaus und ein Schulgebäude. Seit 1871 gab es ein Gebäude der Dorfverwaltung. Die Bauern besaßen 342 Pflüge, 1369 Pferde, 278 Ochsen, 1112 Kühe und Kälber, 2446 Schafe, 1567 Schweine, 255 Ziegen. 1891 machte das Ackerland 8195 Desjatin, die Wiesen 150, das Grasland 265, der Wald über 245 Desjatin aus. Die Anbaufläche von Kartoffeln umfasste 37 Desjatin, die von Kohl 6 Desjatin, darüber hinaus gab es Gärten. Es bestand ein Vierfeldersystem wie folgt: Ein Feld ruhte, ein anderes Feld wurde für Roggen und 2 weitere Felder für die Sommersaat genutzt. Angebaut wurden vorwiegend Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Es gab zwei gemeinschaftliche Getreidelager. Das Getreide wurde ins Dorf Nischnjaja Bannowka (Binnenhafen an der Wolga) sowie nach Kamyschin verkauft. In den Feldern gab es 7 Teiche als Viehtränke, in der Siedlung bestanden 223 Wasserbrunnen. 1852 wurde der Wald auf Verfügung der Kanzlei für Auslandssiedler in 24 Parzellen eingeteilt; Jährlich wurde eine solche Parzelle abgeholzt. Die Häuser wurden mit getrockneten Kuhfladen beheizt.
Neben den Ackerbauern gab es in der Siedlung zahlreiche Handwerker. 1887 waren es 27 Schuster, 4 Tischler, 5 Radmacher, 2 Weber der Tuchware, 7 Zimmerer, 4 Schneider, 2 Ofenleger, 8 Eisenschmiede und ein Musikant.
Während der Hungersnot von 1921 wurden 58 Personen geboren, 368 sind gestorben. 1926 bestand ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule. Das Dorf war Zentrum des Landrats Pfeifer (1926 gehörte zum Landrat nur das Dorf Pfeifer).
Im September 1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert.
Zurzeit gehören zur Landsiedlung Gwardejskoje die Dörfer Gwardejskoje, Kamenka, Danilowka. Sie zählten zusammengenommen 1404 Einwohner (2002), 1326 Einwohner (2012). Das Dorf verfügt über einen Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle, eine allgemeinbildende Mittelschule, einen Kindergarten, ein Fernmeldeamt. Es hat 4 Straßen: Saretschnaja, Zentralnaja, Rabotschaja, Retschnaja.
Quellen:
1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
2) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/pfeifer.htm