Priwolzhskoje (Boregardt, Boregard, Beauregard, auch Borgardt, Borgard, Bujerak)
Priwolzhskoje (Boregardt, Boregard, Beauregard, auch Borgardt, Borgard, Bujerak)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
PRIWOLZHSKOJE (Boregardt, Boregard, Beauregard, auch Borgardt, Borgard, Bujerak), lutherisch-reformiertes und katholisches Dorf, gegründet am 27. August 1766, liegt auf dem linken Wolga-Ufer, am Fluss Karaman, 50 km nordöstlich von Engels, 1 km von Marx entfernt. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Jekaterinenstadt (seit 1871 Wolost Jekaterinenstadt, Jekaterinograd) des Ujesd Nikolajewsk, Gouvernement Samara. In der Sowjetzeit – Rayon (Kanton) Marxstadt der ASSR der WD. Heute ist es Dorf Priwolzhskoje des Rayons Marx, Gebiet Saratow.
Einwohner: 74 (1767), 204 (1773), 168 (1788; 37 Familien), 241 (1798; 45 Familien), 365 (1816; 49 Familien), 610 (1834; 77 Familien), 869 (1850; 106 Familien), 848 (1859), 1369 (1889), 1608 (1897; 100% deutschstämmig; 1269 – protestantisch, 339 – katholisch), 1707 (1904), 2071 (1907; 254 katholisch), 2366 (1910), 2217 (1920), 1306 (1922), 1363 (1926; 1359 deutschstämmig), 2087 (1931; 100% deutschstämmig).
Werberkolonie von Baron de Beauregard. Gegründet von 67 Familien aus Anhalt-Zerbst, Sachsen und Frankfurt am Main. Genannt nach dem Werber Baron de Caneau de Beauregard. Laut Erlass über Benennung deutscher Kolonien vom 26. Februar 1768 behielt die Kolonie ihren früheren Namen. Den Namen „Bujerak“ erhielt sie in den Jahren des Ersten Weltkrieges. 1918 erhielt sie wieder ihren deutschen Namen.
Bei der Ansiedlung wurde der monokonfessionelle Grundsatz der Gründung von Kolonien verletzt. Zuerst wurden 28 lutherische, 29 katholische und 10 reformierte Familien angesiedelt. Daher gehörten die Einwohner zu unterschiedlichen Pfarreien: Die Lutheraner und Reformierten gehörten zur gemischten Pfarrei Süd-Jekaterinenstadt (seit 1820), seit 1905 zur Pfarrei Paulskoje, und die Katholiken zu Jekaterinenstadt. Eine lutherische Filialenkirche für 400 Plätze wurde 1823–1828 aus Holz gebaut. Die Katholiken hatten ein Bethaus. Der erste Lehrer war der damals 32jährige Johann Wurst aus Wiedenroth. 1767–1768 entstand in der Kolonie ein Schulgebäude. Das Gebäude einer neuen Schule wurde 1844 errichtet. 1906 wurde die lutherische Kirchenschule von 91 Knaben und 101 Mädchen besucht, die landständische (Semstwo-) Schule wurde von 33 Jungen und 1 Mädchen besucht.
1774 wurde die Kolonie von den Trupps Pugatschows ausgeplündert. Das Anteilland der Gemeinde betrug 1857 3552 Desjatin. In allen von Beauregard gegründeten Kolonien fanden der Tabakanbau und das Strohflechtgewerbe eine weite Verbreitung. . 1859 zählte die Kolonie 116 Gehöfte, es gab eine lutherische Kirche, eine Schule und eine Mühle. 1878 wanderten 36 Personen nach Amerika aus. 1910 zählte das Dorf 350 Gehöfte, es gab zwei Kirchenschulen und eine landständische (Semstwo-) Schule.
Nach der Gründung der Arbeitskommune (des Autonomen Gebiets) der Wolga-Deutschen und bis zur Auflösung der ASSR der WD in 1941 war das Dorf Beauregard das Verwaltungszentrum des Landrats Beauregard. 1926 gehörten zum Landrat Beauregard das Dorf Beauregard, die Tochtersiedlung Metschetka, die Vorwerke Susly, Metscheterfeld, Roorgraben, Alte-Tenne, Lesnaja Storozhka (Waldhütte).
Während der Hungersnot wurden 111 Personen geboren und 317 Personen sind gestorben. 1926 funktionierten eine landwirtschaftliche Genossenschaft, eine Grundschule. In der Vorkriegszeit wurden die Kolchosen „Kalinin“, „Thälmann“, „Neuling“, „Junger Stürmer“ gegründet. 1934 funktionierte noch eine lutherische Kirche.
Durch Priwolzhskoje verläuft die Autostraße R226. Im Dorf stehen auf dem Hauptplatz, anstelle der früheren Kirche, ein Kulturhaus und ein Lenin-Denkmal. Es gibt einen Kindergarten (K. Marx-Str. 3a), eine Oberschule, einen Gesundheitstützpunkt mit Geburtshilfestelle, ein Fernmeldeamt, mehrere Verkaufsläden, ein Cafe und eine Tankstelle.
Quellen:
1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
2) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/boregardt.htm
3) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справ. Ч. 1. – СПб., 2001.
4) Лиценбергер О.А. История немецких поселений Поволжья. Часть 1 Лютеране: А–М. – Саратов, 2011.
5) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/privolzhskoe.htm