Wyssokoje (Dönhof; Gololobowka, Alt-Gololobowka, Staraja Gololobowka)
Wyssokoje (Dönhof; Gololobowka, Alt-Gololobowka, Staraja Gololobowka)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
WYSSOKOJE (Dönhof; Gololobowka, Alt-Gololobowka, Staraja Gololobowka), lutherisches Dorf, gegründet am 21. Juli 1766 70 km südwestlich von Saratow. Gehörte bis 1917 zur Statthalterei Saratow (seit 1780), seit 1797 zum Gouvernement Saratow; Kolonistenkreis Sosnowka, Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow (seit 1871 Wolost Sosnowka / Splawnucha), in der Sowjetzeit – zur ASSR der WD, Rayon Karamysch (Balzer), Kanton Golyj Karamysch. (seit 1927 Balzer). Heute besteht das Dorf Wyssokoje als Zentrum eines munizipalen Gebildes, gehört zur Landsiedlung Wyssokoje, Rayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.
Einwohner: 362 (1767), 384 (1769; 106 Familien), 470 (1773), 711 (1788; 102 Familien), 870 (1798; 107 Familien), 1436 (1816; 139 Familien), 2508 (1834; 291 Familien), 3846 (1850; 250 Familien), 4465 (1857; 471 Familien), 4593 (1859), 4886 (1886), 6416 (1894), 4831 (1897; 4809 deutschstämmig), 7516 (1905), 8447 (1911), 5721 (1920), 5040 (1922), 4648 (1923), 5313 (1926; 5301 deutschstämmig), 5637 (1931; 5635 deutschstämmig). Geburtsort des Pastors Johannes Erbes (27.03.1869–26.02.1932).
Kronkolonie (umgesiedelt auf Abruf der Regierung). Genannt nach dem ersten Vorsteher Dönhof. Gegründet von 109 Familien aus Württemberg und Schleswig-Holstein. Erhielt entsprechend dem Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien die offizielle Bezeichnung Gololobowka.
Die Kirchengemeinde gehörte zur lutherischen Pfarrei Lesnoj Karamysch (Grimm). Die Pfarrei wurde 1767 genehmigt. Die erste Holzkirche wurde 1808 erbaut, 1834 ebenfalls aus Holz auf 1056 Plätze ausgebaut. 1894 hatte die Kirche ein Metalldach. 1917 gab es einen hölzernen Glockenturm. Seit der Gründung des Dorfes bestand hier eine Kirchengemeindeschule, 1894 funktionierte darüber hinaus eine Genossenschaftsschule .
1769 waren in der Kolonie von den dort lebenden 106 Familien (203 Männer und 181 Frauen) 102 Familien Ackerbauer. Es wurden 57 Wohnhäuser eingetragen. Insgesamt gab es 259 Pferde, einen Ochsen, 290 Kühe und Kälber, 94 Schafe, 38 Schweine. Im Sommer 1768 wurden 2725 Quart und 5 Scheffel Getreide (545,1 m3) gedroschen. Im Herbst 1768 wurden 199 Quart und 3 Scheffel (39,9 m3) Roggen ausgesät.
Das Anteilland der Gemeinde machte (1857) 3790 Desjatin aus, 1910 waren es 9030 Desjatin. Seit 1883 wurde strenges Dreifeldersystem eingeführt. Zuerst galt der Besitz von Grund und Boden nach Familiennamen, dann bis 1877 nach Personenangaben laut den Bevölkerungsprüfungen mit Aktualisierung alle 3 Jahre, 1877 fand eine Neuverteilung von Grund und Boden nach vorhandenen Männern für die weiteren 6 Jahre. Der Heuschlag bis 400 Desjatin verteilte sich auf Schluchten, Wäldern und am Fluss Topowka (Talowka). 1891 waren von Gärten, vorwiegend Apfelgärten bis 35 Desjatin belegt. Das durchschnittliche Alter der Apfelgärten betrug 50 Jahre. Es wurden die Sorten wie Anis und Bohl angebaut. Die Früchte wurden im Dorf und in Golyj Karamysch vermarktet. Manche Gärten wurden für 50-150 Rubel verpachtet. 1880 wurden hierher von Deutschen des Kreises Odessa Maissamen hergeschickt, jedoch reifte der Mais nicht aus, danach wurden damit keine weiteren Versuche unternommen.
1862 wurden 335 Gehöfte (2337 Männer und 2256 Frauen) eingetragen, es gab eine lutherische Kirche, eine Gerberei, zwei Buttereiwerke, eine Mühle. Laut Angaben der landständischen (Semstwo-) Volkszählung zählte Gololobowka 606 Familien, 2467 Männer und 2419 Frauen. Darüber hinaus wurden 227 dauernd abwesende Familien sowie 7 Familien (32 Personen) als Fremdbevölkerung ausgewiesen. Als schreib- und lesekundig wurden 1364 Männer und 1347 Frauen eingetragen. Insgesamt gab er 596 Wohnhäuser, davon 257 aus Stein, 339 aus Holz, 7 Häuser hatten Metalldächer, 98 Häuser waren mit Holz, 491 Häuser mit Stroh bedeckt. Es gab insgesamt 25 Industrieanlagen, 4 Schänken und 4 Verkaufsläden. Im Besitz der Siedler gab es 291 Pflüge, 40 Harfen,w1506 Pferde, 22 Ochsen, 1523 Kühe und Kälber, 2289 Schafe, 1144 Schafe, 1430 Ziegen, 1 Bienengarten. 1885 wurden 13 208 Rubel Steuern und Abgaben eingezahlt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. veränderte sich aktiv die Zusammensetzung der Bevölkerung. 1863 zogen in die Basmanskaja Wolost 384 Personen (eingetragene Personen gem. Bevölkerungsprüfung), 17 Personen wanderten nach Amerika aus. Von Oktober 1886 bis März 1887 wanderten weitere 21 Männer aus. Zeitgleich siedelten viele ins Gouvernement Simbirsk und nach Kaukasus aus. Insgesamt wanderten im Zeitraum von 1863 bis 1887 815 Männer und 704 Frauen in verschiedene Ortschaften aus, im selben Zeitraum kamen neue 15 Männer und 11 Frauen an.
1894 zählte das Dorf 645 Gehöfte. Die Wohnhäuser wurden vorwiegend aus Holz, Naturstein und Backstein gebaut, die meisten von ihnen waren mit Stroh, ungefähr ein Viertel mit Holz bedeckt und nur 8 Steinhäuser hatten Metalldächer. Die Siedlung wurde in Viertel eingeteilt. Die Einwohner waren vorwiegend Ackerbauer. 700 Personen befassten sich mit der Herstellung des Sarepta-Gewebes, ein weiterer Teil der Bevölkerung war mit der Herstellung der Harfen und Lastfuhrwerke beschäftigt. Es funktionierte eine Gerberei. Zweimal im Jahr (am 24. Juni und am ersten Oktobersonntag) wurden dreitägige Märkte durchgeführt. Im Besitz der Gemeinde befand sich eine Wassermühle am Fluss Karamnysch.
1926 gehörte zum Landrat Dönhof nur das Dorf Dönhof.
Während der Hungersnot von 1921 wurden 206 Personen geboren, 644 sind gestorben. In den 1920er Jahren bestand ein Genossenschaftsbetrieb zur Fertigung von Sarepta-Gewebe „Rosa Luxemburg“. 1926 gab es einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, Grundschule, Lesestube.
Im September 1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Am 2. Juli 1942 wurde der Landrat Dönhof in Landrat Wyssokoje umbenannt.
Kurz nach der Deportation der Deutschen wurde im OG des Schulgebäudes ein Kinderheim untergebracht. Anfang der 1950er Jahre wurde es aufgelöst. Der erste Schuldirektor war nach dem Krieg Iwan Makarowitsch Poleschtschuk. Unter seiner Anleitung wurde bei der Schule ein Obstgarten angelegt. Heute funktioniert im Wyssokoje eine allgemeinbildende Schule (seit 1964 als Mittelschule), eine Dorfbibliothek. Zur Landsiedlung Wyssokoje gehören die Dörfer Wyssokoje, Karamysch, Staraja Topowka mit insgesamt 1515 Einwohnern (Stand 2002).
Quellen:
1) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.
2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/doennhof.htm