Bobrowka
Bobrowka
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
BOBROWKA (Niedermonjou), lutherisch-reformiertes Dorf, gegründet am 7. Juni 1767 am Fluss Lisel. Liegt 46 km von Saratow und 10 km von Marx entfernt. Gehörte 1917 zur Wolost Krasnyj Jar des Kolonistenkreises Krasnyj Jar, Ujesd Nowousenskij bzw. Ujesd Saratow, Gouvernement Samara. In der Sowjetzeit gehörte es zur ASSR der Wolga-Deutschen, Kanton Krasnyj Jar bzw. Kanton Marxstadt. Gehört momentan zur Landsiedlung Priwolzhskoje, Rayon Marx, Gebiet Saratow.
Einwohner: 279 (1767), 349 (1773), 295 (1788; 55 Familien), 362 (1798; 63 Familien), 597 (1816; 83 Familien), 1007 (1834; 125 Familien), 1405 (1850; 184 Familien), 1748 (1857; 157 Familien), 1480 (1859), 2449 (1883), 2702 (1889), 2915 (1897; 2902 deutschstämmig), 3868 (1904), 4216 (1910), 3798 (1920; 100% deutschstämmig), 2148 (1922), 2100 (1923), 2732 (1926; 2652 deutschstämmig), 3643 (1931; 3630 deutschstämmig). Geburtsort des sowjetischen politischen und Staatsfunktionär David Genrichowitsch Rosenberger (1896–1956), Vorsitzenden des Zentralen Exekutivkomitees der ASSR der WD (15.08.1937–25.07.1938).
Werberkolonie von Baron de Caneau der Beauregard. Genannt nach dem Oberst Otto Friedrich von Monjou, dem zweiten Koloniedirektor, Beauftragten des Werbers Baron de Beauregard. Die zweite russische Bezeichnung kommt in den Beschreibungen bereits im Jahr 1867 vor. Wurde in den Jahren des Ersten Weltkrieges in Bobrowka umbenannt.
Gründer: 88 Familien (279 Personen) aus Preußen, Sachsen, Hessen, Schwaben und Hannover. Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Süd-Jekaterinenstadt, später zur Pfarrei Paulskoje. Eine Kirche aus Holz für 446 Plätze wurde 1828 errichtet, 1917 bestand ein hölzerner Glockenturm.
1857 entfielen auf jede in der Bevölkerungsprüfung erfasste Person (827 Männer) ca. 5,9 Desjatin Land. Insgesamt hatte die Gemeinde 5466 Desjatin Anteilland. Vor der Revolution war der Tabakanbau entwickelt, es arbeiteten 10 Windmühlen und eine Ziegelei. Die Kinder besuchten eine Kirchengemeindeschule bzw. eine landständische (Semstwo-) Schule.
Nach der Gründung der Arbeitskommune (des Autonomen Gebiets) der Wolga-Deutschen wurde das Dorf zum Verwaltungszentrum des Landrates Niedermonjou, Kanton Marxstadt. 1926 gehörten zum Landrat das Dorf Niedermonjou, die Tochtersiedlungen Metschetka, Susly, Erster Graben, Dritter Graben, Boxergraben, Damm, Lesnaja Storozhka (Waldhütte). Vom 1. Januar 1935 bis zur Auflösung der ASSR der WD im Jahr 1941 gehörte das Dorf Niedermonjou zum Kanton Krasnyj Jar der ASSR der WD.
In der Zeit der Hungersnot von 1921 wurden 160 Personen geboren, 603 sind gestorben. Laut Angaben der Volkszählung von 1926 gab es im Dorf 476 Haushalte mit 2732 Personen (1354 Männer und 1378 Frauen), davon waren 2652 Personen (1274 Männer und 1378 Frauen) deutschstämmig, es gab 473 Haushalte. In den 1920er Jahren gab es einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule und eine Lesestube. In den 1930er Jahren bestanden die Kolchosen „Eifer“, „Held“ „Budjonnyj“.
Im September 1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Am 2. Juli 1942 wurde der Landrat Niedermonjou in Landrat Bobrowka umbenannt.
Momentan verfügt Bobrowka über eine Grundschule, Bibliothek, ein Fernmeldeamt. Im Kernbereich des Dorfes ist das Gebäude der lutherischen Kirche erhalten, errichtet im 19. Jh. Es wurde umgebaut und bis zur Unkenntlichkeit rekonstruiert, wird momentan als Bibliothek genutzt.
Literaturnachweis:
1) http://wolgadeutsche.ru/list/niedermonjou_kolonie.htm
2) Князева Е.Е., Словьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.
3) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/bobrovka.htm