Zwonarjowka (Stahl; Zwonarjow Kut, Stalskij, Stahl am Karaman, Träger)

Wolgagebiet

Geschichte der Siedlung

ZWONARJOWKA (Stahl; Zwonarjow Kut, Stalskij, Stahl am Karaman, Träger), lutherisches Dorf, gegründet am 9. Juli 1766 auf dem linken Wolga-Ufer, dem rechten Ufer des Flusses Bolschoj Karaman, liegt 33 km nordöstlich der Stadt Engels, 18 km südlich von Marx. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Krasnoarmejsk (nach 1871 der Wolost Krasnyj Jar) des Ujesd Saratow, Nowouzensk, Gouvernement Samara, in der Sowjetzeit – zur ASSR der WD, Rayon Nischnij Karaman (Krasnyj Jar), Kanton Krasnyj Jar, Marxstadt.  Gehört zurzeit zur Landsiedlung Priwolschskij des Rayons Marx, Gebiet Saratow.

Einwohner: 154 (1767), 171 (1773), 203 (1788; 44 Familien), 256 (1798; 42 Familien), 360 (1816; 53 Familien), 703 (1834; 80 Familien), 1036 (1850; 113 Familien), 1341 (1857; 120 Familien), 1383 (1859), 2320 (1883), 2431 (1889), 2693/2671 deutschstämmig. (1897), 3538 (1904), 3704 (1910), 2638 (1920), 1819 (1922), 1988 (1923), 1890 (1926; 1886 deutschstämmig), 2228 (1931; 100% deutschstämmig). Geburtsort der Literaturschaffenden Heinrich Kempf (17.02.1908–17.09.1973) und David Jost (28.03.1920–13.12.1987).

Kronkolonie (umgesiedelt auf Abruf der Regierung). Gegründet von 44 Familien aus Franken und Schwaben. Genannt nach dem ersten Vorsteher Stahl. Erhielt entsprechend dem Erlass vom 26. Februar 1768 über Benennung deutscher Kolonien die offizielle Bezeichnung Zwonarjow Kut.

Die Kirchengemeinde gehörte zur   Pfarrei Rosenheim (Pfarrei gegründet in 1767).  Die Holzkirche wurde 1800 erbaut, ist 1842 abgebrannt. Wurde 1843 ebenfalls aus Holz  für 816 Plätze umgebaut und 1912 renoviert.  Wurde 1933 geschlossen, das Gebäude ist nicht erhalten. 1917 gab es einen hölzernen Glockenturm. In der Kolonie gab es ein Schul- und Bethaus.

1857  lebten 143 Familien, das   Anteilland machte 3688 Desjatin  aus. Auf  jede bei der Bevölkerungsprüfung erfasste Person  entfielen ca. 5 Desjatin Land.  1910 gab es  320 Gehöfte mit der Bevölkerungszahl von 3704 Personen (1863 Männer und 1841 Frauen).  Ausgewiesen wurden 5695 Desjatin ackerbares und 1086 Desjatin unlandiges Anteilland. Es funktionierten eine landständische (Semstwo-) Schule und eine Kirchengemeindeschule, 8 Windmühlen.

 Nach der Gründung der Arbeitskommune (des Autonomen Gebiets) der Wolga-Deutschen in 1918 bis zur Auflösung der ASSR der WD in 1941 wurde das Dorf Stahl zum Zentrum des Landrats Stahl, Kanton Marxstadt.  Seit 1922, nach der Gründung des Kantons Krasnyj Jar und bis zur Auflösung der ASSR der WD  in 1941  gehörte das Dorf Stahl zum Kanton Krasnyj Jar der Republik der Wolga-Deutschen. 1926  gehörten zum Landrat Stahl  das Dorf Stahl, die Tochtersiedlungen Metschetka und Dreisiegergraben, Fruktowyje Sady (Obstgärten), Lesnaja Storoschka (Waldhütte). Während der Hungersnot von 1921 wurden   120 Personen geboren, 469  sind gestorben. 1926 zählte das Dorf 371 Haushalte mit der Bevölkerungszahl von  1890 Personen (892 Männer und 998 Frauen), davon machte die deutschstämmige Bevölkerung 1886 Personen (888 Männer und 998 Frauen) und 367 Haushalte aus.  1926 bestand ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Genossenschaft,  eine Grundschule, eine Wanderbibliothek. In den 1930 Jahren wurde die Kolchose „Udarnik“ (Stoßarbeiter) gegründet.

Im September  1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Am 2. Juli 1942 wurde der Landrat Stahl  in Landrat Zwonarjow Kut umbenannt. Es wurde die Kolchose „Znamja Pobedy“ (Siegesfahne) gegründet.

Heute arbeiten in Zwonarjowka eine allgemeinbildende Oberschule, ein Kulturhaus (gebaut 1989), Gesundheitsstützpunkt mit Geburtshilfestelle,  Fernmeldeamt, eine Tankstelle.  1991 wurde in der Lenin-Straße ein Denkmal für die Soldaten aufgestellt, die in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges gefallen sind. Es wurde die landwirtschaftliche Kollektivwirtschaft Geschl.AG „Agrarfirma „Wolga““ registriert, die auf der Basis von Zwonarjowka gegründet und die Dörfer Zwonarjowka, Bobrowka, Furmanowka, Krasnaja Poljana, Jablonja, Tschkalowka umfasst.

 

Quellen:

1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

2) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/zvonarevka.htm

3) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.

4) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/stahl.htm

5) Галий Кубайтов – создатель агрофирмы «Волга» // http://megamarx.ru/10836/

6) Новые горизонты агрофирмы «Волга» // http://megamarx.ru/3014/