Solotowka (Wittmann, Solothurn)
Solotowka (Wittmann, Solothurn)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
SOLOTOWKA (Wittmann, Solothurn), katholisches Dorf, gegründet 1767 auf dem linken Wolga-Ufer, liegt 85 km nordöstlich von der Stadt Engels. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Paninskoje (nach 1871 der Wolost Paninskoje) des Ujesd Nikolajewsk, Gouvernement Samara, in der Sowjetzeit – zur ASSR der WD, Rayon Paninskoje (Schönchen), dann Kanton Marxstadt, Unterwalden. Gehört zurzeit zur Landsiedlung Sorkino, Rayon Marx, Gebiet Saratow.
Einwohner: 128 (1769), 191 (1773), 287 (1788; 51 Familien), 340 (1798; 57 Familien), 521 (1816; 91 Familien), 942 (1834; 122 Familien), 1416 (1850; 153 Familien), 1635 (1857; 168 Familien), 1477 (1859), 1484 (1865), 2311 (1883), 2500 (1889), 2753 (1897; 2736 deutschstämmig), 3500 (1905), 3649 (1910), 3362 (1920; 100% deutschstämmig), 1972 (1922), 2364 (1923), 2783 (1926; 2781 deutschstämmig), 3408 (1931; 3406 deutschstämmig). Geburtsort des katholischen Paters G. Sauer (1864–1921), des Malers und Bildhauers Johannes Sommer (22.06. 1922).
Werberkolonie von Baron de Beauregard. Genannt nach dem Schweizer Kanton Solothurn. Die Bewohner nannten die Kolonie nach dem ersten Vorsteher Wittmann. Wurde in den Jahren des Ersten Weltkrieges in Solotowka umbenannt. Erhielt unter der Sowjetmacht wieder den deutschen Namen Wittmann.
Wurde am Fluss Malyj Karaman angelegt, 1770 in eine bequemere Lage verlegt. Das Dorf wurde von 43 deutschen Auswandererfamilien aus Würzburg und Steiermark gegründet, die 1767 ankamen und die Winterzeit in bereits bestehenden Kolonien verbrachten. Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Schönchen, Wittmann (seit 1901). Es gab eine Kirche.
1857 machte das Anteilland der Gemeinde 4853 Desjatin Land aus, auf jede bei der Bevölkerungsprüfung erfasste Person entfielen ca. 6,1 Desjatin. Eine große Verbreitung fand der Tabakanbau. Am 27. März 1856 wurde auf Hoheitsbeschluss dem Gesuch der Kolonisten von Solothurn über die Eröffnung einer Tabakfabrik stattgegeben. Es entstand die Aktiengesellschaft „Tabakfabrik der Kolonie Solothurn“, die die türkische, ägyptische, amerikanische und Zigarrentabaksorte herstellte. 1910 zählte das Dorf 570 Gehöfte mit 3649 Personen (1863 Männer, 1786 Frauen). Es wurden 7140 Desjatin ackerbares und 1422 Desjatin unlandiges Land ausgewiesen. Durch die Siedlung verlief eine Handelsstraße aus Nikolajewsk nach Saratow. Es gab eine landständische (Semstwo-) Schule.
Im Juli 1918 nahm die Kolonie am Aufstand teil, der als „Milchkrieg“ bekannt war. Während des Beschusses des Dorfes durch die Bolschewiken ist die Schule abgebrannt.
Nach der Gründung der Arbeitskommune (des Autonomen Gebiets) der Wolga-Deutschen in 1918 wurde das Dorf Wittmann zum Verwaltungszentrum des Landrates Wittmann, Kanton Marxstadt. Seit dem 1. Januar 1935, nach der Ausgliederung des Kantons Unterwalden aus dem Kanton Marxstadt bis zur Auflösung der ASSR der WD in 1941 gehörte Wittmann zum Kanton Unterwalden der ASSR der WD. 1926 gehörten zum Landrat das Dorf Wittmann, die Tochtersiedlung Majanka, das Vorwerk Ochsengraben. Während der Hungersnot von 1921 wurden 183 Personen geboren, 416 sind gestorben. Per 15. Januar 1922 wurden von der Hungersnot 1075 Personen über 16 Jahren betroffen (insgesamt wurden 1972 Personen erfasst). Laut der Volkszählung von 1926 zählte das Dorf 534 Haushalte mit der Bevölkerung von 2783 Personen (1323 Männer und 1460 Frauen), von ihnen machte die deutschstämmige Bevölkerung 2781 Personen (1321 Männer und 1460 Frauen) und 533 Haushalte aus. In den 1920er Jahren funktionierte ein Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, Grundschule und eine Alphabetisierungsstelle. In den 1930er Jahren wurden die Kolchosen „Kämpfer“ und „Stalinez“ gegründet.
Im September 1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Am 5. Juni 1942 wurde der Landrat Wittmann in Landrat Solotowka umbenannt.
Zurzeit gibt es im Dorf 6 Straßen; Wolzhskaja, Sadowaja, Stepnaja, E. Godina-Str., Rodina-Str. und Oktjabrskaja. In einem dafür eingerichteten Gebäude wurde eine orthodoxe Kirche der Auferstehung Christi eröffnet. Als Schwerpunktunternehmen gilt die Farm „Werba“ (Weide) (eingetragen am 26. Februar 1993).
Quellen:
1) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/zolotovka.htm
2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/soloturn.htm
Исполнилось 90 лет со дня рождения скульптора, заслуженного работника искусств РФ Иоганнеса Зоммера // http://www.rusdeutsch.ru/?news=3737