Podlesnoje (Unterwalden; Meinhardt, Weinhardt)
Podlesnoje (Unterwalden; Meinhardt, Weinhardt)
Wolgagebiet
Geschichte der Siedlung
PODLESNOJE (Unterwalden; Meinhardt, Weinhardt), lutherisch-reformiertes Dorf, gegründet 1768 am linken Wolga-Ufer, am Fluss Malyj Karaman. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis (seit 1871 – Wolost) Panino des Ujesd NIkolajewsk, Gouvernement Samara. In der Sowjetzeit – ASSR der WD, Kanton Marxstadt, Unterwalden. Heute ist es Dorf Podlesnoje des Rayons Marxstadt, Gebiet Saratow.
Einwohner: 147 (1769), 150 (1773; 129 Familien), 194 (1788; 33 Familien), 234 (1798), 386 (1816; 62 Familien), 778 (1834; 84 Familien), 1117 (1850),1282 (1857; 129 Familien), 1205 (1859), 1760 (1883), 2022 (1889), 2250 (1897; 2246 deutschstämmig), 3127 (1905), 3616 (1910), 2697 (1920), 2021 (1922), 1943 (1923), 2051 (1926; 100% deutschstämmig), 2725 (1931; 2699 deutschstämmig), 2411 (1939). Geburtsort des Sowjet- und Wirtschaftsfunktionärs David Johannesowitsch Ungefug (1900–1960), Helden der Sozialistischen Arbeit (1956), des Agrarwissenschaftlers Karl Genrichowitsch Schmidt (24.08.1910–11.10.1988), Direktors des Staatsgutes „Kämpfer“ des Rayons Schira, des Autonomen Gebiets Chakassien, Region Krasnojarsk.
Werberkolonie von Baron de Beauregard, gegründet von den Kolonisten (40 Familien aus Darmstadt und Dillenburg), die 1767 ankamen und die Winterzeit in bereits bestehenden Kolonien verbrachten. Wurde 1770 in eine bessere Lage verlegt. Den Namen Meinhardt erhielt sie nach einem der ersten Siedler, wurde 1915 in Podlesnoje umbenannt.
Das Dorf gehörte zur lutherischen Pfarrei Näb (Rjasanowka). 1794 wurde eine Holzkirche errichtet, 1831 in Holz für 1050 Plätze umgebaut. 1917 besaß die Kirche einen Glockenturm. Im Februar 1798 hatte die Schule keine eigenes Gebäude, der Unterricht fand im Haus des Schulmeisters statt.
Die Hauptbeschäftigung war der Getreideanbau, es wurden Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln und Tabak kultiviert. Alle Kolonisten hatten Gärten und Gemüsegärten. Seit 1783 erfolgte auf Verordnung der staatlichen Kammer von Saratow die Einsammlung von Getreide in die Vorratslager. Laut Angaben von 1798 hatten die Kolonisten 208 Pferde, 194 Kühe, 391 Schafe, 93 Schweine, 370 Hühner. Es gab keine armen Familien.
1837 wurde das Dorf vom künftigen Zaren Alexander II und dem Dichter W. Zhukowskij aufgesucht.
1857 entfielen auf jede bei der Bevölkerungsprüfung erfasste männliche Person (insgesamt 634 Männer) ca. 5,2 Desjatin Land. Das gesamte Anteilland machte 3751 Desjatin aus. 1910 zählte das Dorf 410 Gehöfte mit der Bevölkerungszahl von 3616 Personen (1831 Männer und 1785 Frauen). Als ackerbares Land wurden 5927 und als unlandiges Land 1159 Desjatin ausgewiesen. Anfang des 20. Jh..funktionierten eine gemeinschaftliche (Kirchengemeinde-) Schule, eine 2klassige landständische (Semstwo-) Schule, es gab eine Anlegestelle für Getreidehandel, eine Dampfmühle.
Nach der Gründung der Arbeitskommune (des Autonomen Gebiets) der Wolga-Deutschen wurde das Dorf zum Verwaltungszentrum des Landrats Unterwalden, Kanton Marxstadt. 1926 gehörten zum Landrat das Dorf Unterwalden, die Vorwerke Pil, Karaman, Stengelgraben, Seidamm. Nach der Volkszählung von 1926 war das Dorf ausschließlich mit Deutschstämmigen besiedelt und zählte 347 Haushalte. Während der Hungersnot wurden 119 Personen geboren und 410 Personen sind gestorben. In den 1920er Jahren gab es einen Genossenschaftsladen, einen landwirtschaftlichen Genossenschaftsbetrieb, eine landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaft, eine Grundschule, Bibliothek, Lesestube. 1932 wurde die Maschinen- und Traktorstation Unterwalden gegründet, die 7 Kolchosen bediente. Am 1. Januar 1935 bestand der Fuhrpark aus 114 Traktoren, 7 Mähdreschern, 7 LKWs, es gab eine Reparaturwerkstatt.
Seit dem 1. Januar 1935, nach der Ausgliederung des Kantons Unterwalden aus dem Kanton Marxstadt bis zur Auflösung der ASSR der WD in 1941 war das Dorf Verwaltungszentrum des Kantons Unterwalden der ASSR der WD. Die Fläche des Kantons machte (per 1. Oktober 1938) 1,1 Tausend Quadratkilometer aus. Der Kanton umfasste 17 Ortschaften mit der Bevölkerung von 32,8 Tausend Personen (Angaben per 1. Januar 1941).
Am 20. September 1941 wurde die Bevölkerung von Unterwalden deportiert, es blieben nur 2 Familien mit russischen Wurzeln – Tokmakow und Leschtschin - zurück. Bereits am 3. Oktober 1941 trafen die Umsiedler aus dem Rayon Starobelsk, Gebiet Woroschilowgrad, ein. Seit dem 1. Oktober 1941 wurde Pjotr Moissejewitsch Schedko zum Direktoг der Mittelschule. Die Klassen waren russisch und ukrainisch. Im Oktober-Dezember 1941 wurde in Podlesnoje die 3. Luftlande-Kampfbrigade aufgestellt. Am 2. Juli 1942 wurde der Landrat Filippsfeld in Landrat Filippowskij umbenannt. In Podlesnoje wurden die Kolchosen „Sieg“, „22. Parteitag“, der Schweinezuchtbetrieb „Podlesnowskij“ gegründet.
1941–1959 war das Dorf das Zentrum des Rayons Podlesnoje, nach dessen Auflösung alle Ortschaften in den Rayon Marx eingingen. Heute besteht im Dorf Podlesnoje der Kollektivbetrieb „Pobeda“ (Sieg), die allgemeinbildende Oberschule „W.Ju. Fisenko“, ein Kulturhaus, eine Bibliothek (befindet sich im früheren Schulgebäude), ein Krankenhaus, Fernmeldeamt, es gibt Verkaufsläden, eine Tankstelle. Es gibt ein Schulmuseum, in dem die Lebensweise der Deutschen und Russen dargestellt ist, im Museum wird das Buch mit den Verordnungen der Mittelschule Podlesnoje / Unterwalden aufbewahrt (zu den ältesten Dokumenten gehört darin ein Foto der Schüler am 1. Mai 1937). Neben dem Dorf befindet sich die Wasserentnahmestelle der Hauptzuleitung des Bewässerungssystems „Komsomolskaja“.
Quelle:
1) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.
2) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/unterwalden.htm
4) Официальный сайт школы с. Подлесное // http://unterwald.edusite.ru/p118aa1.htm l
5) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/marksovskiy/podlesnoe.htm