Johannesdorf

Ziskaukasien

Geschichte der Siedlung

JOHANNESDORF (Molotschnoje), im Jahr 1846 auf eigenem Land gegründetes lutherisches Dorf, dessen Gründer 30 aus dem Gouvernement Jekaterinoslaw und aus Preußen stammende Familien waren. Johannesdorf war die erste von Schwarzmeerdeutschen im Nordkaukasus gegründete Tochterkolonie.

Gehörte vor 1917 zu den Amtsbezirken Pelagiada bzw. Kugulta-Tuguluk (Bezirk Stawropol, Gouvernement Stawropol) und in sowjetischer Zeit zum Rayon Woroschilowsk/ Stawropol (Region Ordschonikidse). Heute gehört das 10 km nordwestlich von Stawropol am Fluss Tatarka gelegene Dorf Molotschny zum Rayon Blagodarny (Region Stawropol). Entwicklung der Einwohnerzahlen: 171 (1856), 201 (1873), 209 (1880), 261 (1897), 313 (1904), 389 (1909), 356 (1917), 419 (1920), 444 (davon 420 Deutsche, 1926). Landfläche: 2.565 Desjatinen (1913), bei denen es sich allerdings zu 75% um nicht landwirtschaftlich nutzbare Flächen handelte, die als Weideland genutzt wurden. Ein Zeitgenosse, der die Siedlung Ende der 1890er Jahre besuchte, schrieb: „Das Land in der Kolonie ist nur wenig ergiebig, oft steinig, teils versalzen... die Bewohner haben keinen Wald, keine Haine, keine Obstgärten, keine Gemüsegärten...“. In Johannesdorf gab es einen Getreidespeicher, in dem für den Fall von Missernten, Naturkatastrophen oder anderen Notfällen Vorräte gelagert wurden. 1893 wurde eine gemeinschaftliche Wassermühle gebaut. Da sich der Getreideanbau nicht rentierte, stützte sich die Kolonistenwirtschaft vor allem auf Viehzucht und Milchwirtschaft.

Die Bewohner gehörten größtenteils der lutherischen Pfarrgemeinde Stawropol an. Die Gottesdienste wurden in einem eigenen Bethaus abgehalten.

Im Jahr 1926 war das Dorf Zentrum eines Dorfsowjets. Es gab eine Grundschule und einen Agitprop-Punkt („Rote Ecke“). In den 1930er Jahren wurde im Dorf eine Kolchose eingerichtet, deren Produktionsziffern eher bescheiden waren. Im Herbst 1941 wurde die gesamte in Johannesdorf ansässige deutsche Bevölkerung in die östlichen Landesteile der UdSSR deportiert und ihre gesamte Kolchos- und Nebenerwerbswirtschaft liquidiert.

 

Quellen:

  • Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
  • Терещенко А.Г., Черненко А.Л.  Российские немцы на Юге России и Кавказе. Энциклопедический  справочник. Ростов н/Д ; ООО Ростиздат, 2000.