Gnadenburg

Ziskaukasien

Geschichte der Siedlung

GNADENBURG (Winogradnoje; auch Smekalowskaja), im Jahr 1881 auf eigenem Land gegründetes evangelisches Dorf, dessen Gründer 52 aus Bayern, Pommern und anderen deutschen Ländern stammende Familien waren, bei denen es sich um Anhänger des Predigers Samuel Gottfried Christoph Cloeter handelte. Der russische Name des Dorfes geht auf den früheren Besitzer des Landes Smekalow zurück.

Bei den nach Gnadenburg gekommenen Siedlern handelte es sich faktisch um die letzten im europäischen Teil Russlands angesiedelten Ausländer, die in den Genuss der von Zar Alexander III. im Jahr 1888 bestätigten Privilegien des Ministerkomitees kamen. Die Kolonisten waren für fünf Jahre von Steuern und Semstwo-Abgaben befreit, erhielten früher an die Staatskasse geleistete Zahlungen der Grundsteuer und Zollgebühren erstattet und genossen Glaubensfreiheit. Die jungen Männer wurden bis 1892 von der Einberufung in die russische Armee zurückgestellt.

Vor 1917 war Gnadenburg (Winogradnoje) Zentrum des gleichnamigen Amtsbezirks, der wiederum zu verschiedenen Zeiten zu den Bezirken Naltschik, Wladikawkas bzw. Sunscha (Gebiet Terek) gehörte. In sowjetischer Zeit gehörte das Dorf zu den Rayonen Kurp bzw. Terek (Malo-Kabardinski) (ASSR Kabardino-Balkarien). Heute gehört das 75 km nordöstlich von Naltschik am rechten Ufer des Terek gelegene Dorf Winogradnoje zum Rayon Mosdok (Rebublik Nordossetien). Entwicklung der Einwohnerzahlen: 174 (1883), 290 (allesamt Deutsche, 1889), 495 (1900), 523 (1911), 567 (1914), 620 (1918), 623 (davon 617 Deutsche, 1926), 636 (1929), 900 (1941). Landfläche: 4.300 Desjatinen, 3.179 Hektar (1929).

Neben der Getreidewirtschaft wurde in Gnadenburg Weinanbau und -produktion, Gemüseanbau, Selektionsarbeit und Viehzucht betrieben. Für die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte gab es eine Butterei, eine Käserei sowie die Dampfmühle von F. und G. Singer. Darüber hinaus gab es zwei Ziegeleien (Mauer- und Dachziegel) und ein E-Werk.

1892 wurde in der Siedlung eine Kirche errichtet, deren Räumlichkeiten auch für die Grundschule genutzt wurden.

1926 war Gnadenburg Zentrum eines Dorfsowjets. Es gab eine Schule, ein Krankenhaus, einen Klub sowie ein E-Werk und einen Genossenschaftsladen. Im Zuge der Kollektivierung wurde im Dorf die Karl Marx-Kolchose eingerichtet.

Im Herbst 1941 wurde die gesamte deutsche Bevölkerung in das Gebiet Alma-Ata (Kasachstan) deportiert.

 

Quellen: 

  • Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
  • Терещенко А.Г., Черненко А.Л.  Российские немцы на Юге России и Кавказе. Энциклопедический  справочник. Ростов н/Д ; ООО Ростиздат, 2000.