Welikoknjascheskoje

Ziskaukasien

Geschichte der Siedlung

WELIKOKNJASCHESKOJE (Wohldemfürst; auch Oberdorf, Leninfeld), im Jahr 1863 von aus der Kolonie Gnadental (Molotschnaer Mennonitenbezirk, Gouvernement Taurien) stammenden Mennoniten gegründete brüdermennonitische Kolonie.

Der russische Name Welikoknjascheskoje (von russisch „Weliki Knjas“ – Großfürst) geht wie auch der deutsche Name Wohldemfürst auf den Generalgouverneur des Kaukasus Großfürst Michail Nikolajewitsch zurück. Der zweite Name „Oberdorf“ lässt sich auf die geographische Lage der Siedlung auf einer oberhalb der mennonitischen Kolonie Alexandrodar gelegenen Anhöhe zurückführen.

Gehörte vor 1917 zum Amtsbezirk Welikoknjascheskoje (Bezirk Batalpaschinskaja, Gebiet Kuban) und in sowjetischer Zeit zum Liebknecht-Rayon bzw. zum Rayon Newinnomyssk (Region Ordschonikidse). Heute gehört die 50 km südlich von Stawropol am linken Ufer des Flusses Kuban gelegene Ortschaft zum Dorf Kotschubejewskoje (Rayon Kotschubejewskoje, Region Stawropol). Entwicklung der Einwohnerzahlen: 445 (1882), 544 (davon 540 Deutsche, 1889), 737 (1894), 1.030 (davon 847 Deutsche, 1897), 1.188 (1906), 1.280 (1911), 1.185 (1914), 1.131 (1917), 1.338 (davon 1.162 Deutsche, 1926). Landfläche: 4.394 Desjatinen (1882), 2.271 Desjatinen (1911).

Die Wirtschaft der Siedlung war vielseitig ausgerichtet. Neben dem Getreideanbau wurde in Welikoknjascheskoje Milchwirtschaft, Pferdezucht sowie Obst- und Weinanbau betrieben. Für die Weiterverarbeitung von Agrarprodukten gab es drei Buttereien, eine Käserei und vier Mühlen. Drei Baumschulen waren mit der Zucht von Obstbäumen befasst. Auch Handwerk und produzierendes Gewerbe waren im Ort stark vertreten: So gab es die Maschinenfabrik und Gießerei der Tissens, zwei Sägewerke, eine Ziegelei, eine Schmiede sowie zahlreiche Handwerksbetriebe: neun Tischlereien, fünf Schuhmacherwerkstätten, eine Pfannenschmiede, eine Schlosserei und eine Motorenreparaturwerkstatt. Die im Jahr 1900 gegründete Fabrik der Tissens, die Maschinen für Molkereien, Pressen für das Töpfergewerbe sowie Turbinen und Transmissionsmechanismen für Mühlen produzierte, war der größte Betrieb seiner Art in der Region. Der Handel war in Welikoknjascheskoje durch drei Verkaufsstellen für Landmaschinen und landwirtschaftliches Inventar (Eigentümer: I. Pankratz und Ja. Gerzen) sowie einige Lebensmittel- und Kurzwarenläden vertreten.

In der Kolonie gab es ein Krankenhaus, eine Apotheke und eine im Jahr 1915 eröffnete Schule, an der man einen mittleren Bildungsabschluss erwerben konnte, eine Kredit- und Hilfskasse, eine Verbraucherkooperative sowie ein Büro der Waisenkasse.

Die in Welikoknjascheskoje ansässige Gemeinde der Brüdermennoniten verfügte über ein eigenes, im Jahr 1878 errichtetes Bethaus. Einige Bewohner waren Lutheraner, Anhänger der Tempelgemeinschaft und Adventisten.

Vor 1917 war die Kolonie Zentrum und Verwaltungssitz des Amtsbezirks Welikoknjascheskoje. Am 18.-19. Juni 1917 fand in Welikoknjascheskoje eine Versammlung der Repräsentanten der im Nordkaukasus ansässigen Deutschen und Mennoniten statt, auf der Fragen der Entwicklung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens nach dem Sturz des Zarenregimes diskutiert wurden, mit deren Lösung sich der 1918 in Welikoknjascheskoje gegründete Bund der russischen Staatsbürger deutscher Nation des Nordkaukasus befassen sollte.

In sowjetischer Zeit war Welikoknjascheskoje Zentrum eines deutschen nationalen Dorfsowjets. Im Zuge der Kollektivierung wurde Anfang der 1930er Jahre die Kolchose „Leninfeld“ eingerichtet, die aufgrund ihrer Produktionsziffern als eine der fortschrittlichsten Kolchosen des Nordkaukasus galt. In den 1930er Jahren wurde eine Fachoberschule für Industrie und Landbau gegründet, an der Spezialisten für den Agrarsektor und das verarbeitende Gewerbe der gesamten Region ausgebildet wurden. Im Herbst 1941 wurde die gesamte deutsche Bevölkerung von Welikoknjascheskoje in die östlichen Landesteile der UdSSR und insbesondere nach Kasachstan und in das Gebiet Nowosibirsk deportiert.

 

Quellen:

  • Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.
  • Терещенко А.Г., Черненко А.Л.  Российские немцы на Юге России и Кавказе. Энциклопедический  справочник. Ростов н/Д ; ООО Ростиздат, 2000.