KRASNOPOLJE (Preuss)
KRASNOPOLJE (Preuss)
Gebiet Samara
Geschichte der Siedlung
Bis 1917 Gouvernement Samara, Bezirk Nowousensk, Kolonistenkreis Tarlyk; Amtsbezirk Rownoje; in sowjetischer Zeit ASSR der Wolgadeutschen, Kanton Seelmann (Rownoje).
Katholisches Dorf. Gegründet 1767. Die Gründer waren 132 Familien aus Mainz, Trier, Bamberg, Kassel, Luxemburg und Frankreich. Werberkolonie von le Roy und Pictet. Der Name Preuss geht auf den Familiennamen des ersten Vorschlägers zurück. Le Roy wollte die Kolonie nach sich selbst benennen, aber dieser Name wurde von den Kolonisten nicht angenommen.
Am linken Ufer der Wolga etwa 95 km südlich von Saratow gelegen.
1774 wurde die Kolonie im Zuge des Pugatschow-Aufstands geplündert, auch wenn angenommen wird, dass die Plünderer ohne Wissen Pugatschows handelten. In den Jahren 1774–76 wurde Krasnopolje wie zahlreiche andere auf der Wiesenseite der Wolga gelegene Kolonien immer wieder von Kirgis-Kajsaken, Kara-Kirgisen und Kalmücken angegriffen, die sich als angestammte Herren der Steppe verstanden und das Land nicht den Kolonisten überlassen wollten.
Praktisch unmittelbar nach der Ansiedlung wurde in der Kolonie im Jahr 1768 eine katholische Pfarrgemeinde gegründet. 1835 wurde eine Kirche gebaut. Nach deren Schließung im Jahr 1939 wurde das Kirchengebäude als Kulturhaus genutzt.
Landfläche: 8.385 Desjatinen (1857; 242 Familien).
Die Bevölkerung war unter anderem im Töpferhandwerk, in der Korbflechterei und mit der Herstellung von Truhen beschäftigt.
In den Jahren 1876–78 reisten 43 Bewohner nach Amerika aus.
Vor der Revolution gab es in der Kolonie zwei Semstwo-Volksschulen, zwei Windmühlen und einen traditionellen Jahrmarkt.
1921 gab es 163 Geburten und 695 Todesfälle.
1926 gab es im Dorf eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule, eine Lesehütte und einen Dorfsowjet.
Im Zuge der Kollektivierung wurden im Dorf die Kolchosen „Preuss“ und „Kirow“ gegründet.
Geburtsort des Sprachwissenschaftlers und Linguisten Prof. A.P. Dulson (1900–1973) und der Schriftsteller L. Fritz (1915–65), und A. Ramburger (geb. 1923).
Am 3. September 1941 begann die Deportierung der deutschen Bevölkerung in die östlichen Landesteile, in deren Folge die im Kanton Kukkus ansässige Bevölkerung (einschließlich der Einwohner von Preuss) in die Regionen Krasnojarsk und Altaj sowie in die Gebiete Omsk, Nowosibirsk, Kustanaj, Pawlodar, Akmola und Nord-Kasachstan kam. Anschließend wurde Preuss in Krasnopolje umbenannt.
In den Kriegsjahren wurden im Dorf Evakuierte aus der Ukraine, aus Moskau und Leningrad sowie aus anderen Gebieten angesiedelt.
Infolge des Baus der Wolgograder Talsperre (1958–61) wurden die früheren deutschen Dörfer Kotschetnoje und Krasnopol'e an weiter vom Ufer entfernte Orte verlegt und zum Dorf Kotschetnoje zusammengefasst.
Heute existiert das Dorf Krasnopolje (Preuss) nicht mehr.
Entwicklung der Einwohnerzahlen: 403 (1767), 382 (1773), 359 (1788), 459 (1798), 636 (1816), 1.105 (1834), 1.787 (1850), 2.194 (1859), 3.075 (1889), 3.293/ davon 3.286 Deutsche (1897), 5.219 (1905), 5.579 (1910), 2.612 (1923), 2.744/ davon 2.726 Deutsche (1926).
Literatur:
- Герман А.А. История Республики немцев Поволжья в события, фактах, документах. – 2-е изд. – М.: Готика, 2000. – 320 с.
- Герман А.А. Немецкая автономия на Волге. 1918–1941. Часть ІІ. Автономная республика. 1924–1941. – Саратов: Изд-во Саратовского ун-та, 1994. – 416 с.
- Дитц Я.Е. История поволжских немцев-колонистов. – М.: Готика, 1997. – 496 с.
- Немцы России: населенные пункты и места поселения: энциклопедический словарь / Сост. В.Ф.Дизендорф. – М.: «ЭРН», 2006. – С. 325.
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- Ровное. Арбузная столица Саратовской области: Историко-публицистическое издание / Гл. ред. В.В.Иванов. – Саратов: Приволжская книжная палата, 2015. – (Сер. «Золотое сердце Поволжья»). – 135 с.
- Шпак А.А. Административно-территориальные преобразования в Немповолжье. 1764–1944 гг. – Волгоград: Царицынская полиграфическая компания, 2012. – 385 с.