TSCHKALOWKOE (Laub, Tarlyk, Ljaub, Weidenfeld)

Gebiet Samara

Geschichte der Siedlung

Bis 1917 Gouvernement Samara, Bezirk Nowousensk, Kolonistenkreis Tarlyk; Amtsbezirk Tarlykowka; in sowjetischer Zeit ASSR der Wolgadeutschen, Kanton Kukkus (Wolskoje) bzw. Kanton Seelmann (Rownoje).

Lutherisches Dorf. Gegründet 1767. Der Name „Laub“ geht auf den Familiennamen des ersten Dorfältesten zurück, der Name „Weidenfeld“ wurde von den Anwerbern gegeben. Die Gründer waren 68 Familien aus Darmstadt, Mecklenburg, Dänemark und Württemberg. Werberkolonie von le Roy und Pictet.

Am rechten Ufer des Flusses Tarlyk an dessen Mündung in die Wolga 74 km südlich von Saratow gelegen.

1774 wurde die Kolonie im Zuge des Pugatschow-Aufstands geplündert, auch wenn angenommen wird, dass die Plünderer ohne Wissen Pugatschows handelten.

Nach Ende des Vaterländischen Kriegs von 1812 wurden in der Kolonie auch einige Kriegsgefangene der Napoleonischen Armee angesiedelt, die den Wunsch geäußert hatten, in Russland zu bleiben.

Die Bewohner gehörten zur lutherischen Kirchengemeinde Warenburg. 1893 wurde eine Kirche gebaut, auf deren Fundament nach der Zerstörung in den 1930er Jahren ein Dorfklub gebaut wurde. Neben der Kirche gab es in der Kolonie auch jeweils ein lutherisches, ein katholisches und ein baptistisches Bethaus.

Landfläche: 5.130 Desjatinen (1857; 158 Familien).

Das unter den Bewohnern am weitesten verbreitete Handwerk war die Korbflechterei.

Vor der Revolution gab es in der Kolonie ein Sägewerk und eine Semstwo-Volksschule.

Anfang des 20. Jahrhunderts (1909) siedelte ein Teil der Bewohner nach Sibirien und ins Generalgouvernement Steppe über (241 Personen).

1926 gab es im Dorf einen Dorfsowjet, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule und eine Bibliothek. Im Zuge der Kollektivierung wurde im Dorf die Kolchose „A. Reichert“ gegründet.

Am 3. September 1941 begann die Deportierung der deutschen Bevölkerung in die östlichen Landesteile, in deren Folge die im Kanton Kukkus ansässige Bevölkerung (einschließlich der Einwohner von Laub) in die Regionen Krasnojarsk und Altaj sowie in die Gebiete Omsk, Nowosibirsk, Kustanaj, Pawlodar, Akmola und Nord-Kasachstan kam. Anschließend wurde Laub in Tschkalowskoje umbenannt.

Infolge des Baus der Wolgograder Talsperre (1958–61) wurde ein Teil des Dorfes Tschkalowskoje geflutet.

Heute gehört das Dorf zur Landgemeinde Tarlykowka (Rayon Rownoje) und hat 308 Einwohner, unter denen einige wenige Deutsche sind.

Entwicklung der Einwohnerzahlen: 201 (1767), 219 (1773), 271 (1788), 369 (1798), 533 (1816), 927 (1834), 1.536 (1850), 1.811 (1859), 2.105 (1889), 2.252/ davon 2.230 Deutsche (1897), 3.143 (1904), 3.750 (1910), 1.857 (1923), 1.884/ davon 1.775 Deutsche (1926).

 

Literatur:

  1. Герман А.А. История Республики немцев Поволжья в события, фактах, документах. – 2-е изд. – М.: Готика, 2000. – 320 с.
  2. Герман А.А. Немецкая автономия на Волге. 1918–1941. Часть ІІ. Автономная республика. 1924–1941. – Саратов: Изд-во Саратовского ун-та, 1994. – 416 с.
  3. Дитц Я.Е. История поволжских немцев-колонистов. – М.: Готика, 1997. – 496 с.
  4. Немцы России: населенные пункты и места поселения: энциклопедический словарь / Сост. В.Ф.Дизендорф. – М.: «ЭРН», 2006. – С. 208.
  5. Плеве И.Р. Немецкие колонии на Волге во второй половине XVIII века. – М.: АОО «Международный союз немецкой культуры», 2008. – 400 с.
  6. Ровное. Арбузная столица Саратовской области: Историко-публицистическое издание / Гл. ред. В.В.Иванов. – Саратов: Приволжская книжная палата, 2015. – (Сер. «Золотое сердце Поволжья»). – 135 с.
  7. Шпак А.А. Административно-территориальные преобразования в Немповолжье. 1764–1944 гг. – Волгоград: Царицынская полиграфическая компания, 2012. – 385 с.