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Ananjewka

Geschichte der Siedlung

ANANJEWKA, ein Dorf der Mennoniten und Baptisten, gegründet 1912  von den Auswanderern aus dem Schwarzmehrgebiet.  Liegt am Kutschukskoje-See, 75 km südöstlich Slawgorods. Gehörte bis 1917 zum Ujesd Barnaul des Gouvermenets Tomsk (Wolost Zlatopolinsk), in der Sowjetzeit zum Ujesd Slawgorod des Gouvernements Altai, (seit 1917); Ujesd Slawgorod des Gouvernements Omsk (seit 1920); Bezirk Klutschewskoje des Gouvernements Omsk (seit 1924); Bezirk Nowokiewka (seit 1935); Bezirk Kulunda der Region Altai (seit 1938). Zurzeit gehört es zum Bezirk Kulunda als Zentrum der Landsiedlung Ananjewka (bestehend aus den Dörfern Ananjewka und Jekaterinowka).

Einwohner: 164 (1926), 857 (1988; 98,9% deutschstämmig), 750 (2006), 646 (01.2012).

Erste Siedler waren die Brüder Andrej und Jakow Isaak. 1913 wurde für die Mittel  der Gemeinde mit der Errichtung einer Schule und eines Bethauses begonnen, 1914 wurde ein Steinbau fertiggestellt. 1914 entstand eine eigenständige Gemeinde der Mennonitenbrüder in Ananjewka, die die Siedlungen der Wolost Zlatopolinsk wie Markowka, Ananjewka, Grigorjewka, Jekaterinowka umfasste. Während des Ersten Weltkrieges wurden einige Männer -  Kornej Friesen, Abram Martens, Iwan Korelsen - zum Armeedienst eingezogen.

1920 wurde ein Landrat gewählt. Mit dem Stand per 1926 gab es im Dorf ein Butterwerk, einen Genossenschaftsladen, eine Samen- und Rassenviehzuchtgenossenschaft.1929 wanderte ein Teil der Bewohner nach Kanada aus, jedoch konnten einige von ihnen nur bis nach Moskau fahren. Die Grenze wurde gesperrt und die  Menschen mussten zurückkehren. 1931 wurde eine Kolchose gegründet.

In den Kriegsjahren wurde die erwachsene Bevölkerung zur Arbeitsarmee eingezogen. 19 Trudarmisten kamen nicht zurück, sie starben vor Hunger und Krankheiten.

1945 wurde ein Schulgebäude für 30 Personen gebaut. Das Gebäude des früheren Bethauses wurde als Club genutzt.

1950 wurden die Kolchosen „Dynamo“ (Dorf Ananjewka), „Pawlow“ (Dorf Grigorjewka), „Thälmann“ (Dorf Markowka), „Schmidt“ (Dorf Jekaterinowka) zu einer einheitlichen Kolchose „G. Malenkow“ mit der Zentrale in Ananjewka zusammengefasst. Seit 1957 war es die Kolchose „Karl-Marx“, seit 1962 „Altai“. Im Mai  1971 entstand auf der Basis der Kolchosen „Altai“ und „22. Jahrestag  des Parteitages der KPdSU“ das Staatsgut „Semjonowskij“ (mit der Zentrale im Dorf Semjonowka), Ananjewka wurde zur Abteilung des Staatsguts.

Den höchsten Entwicklungsstand erreichte das Dorf  in den 1960er Jahren. 1960 gab es im Dorf eine 7-Klassen-Schule, einen Gesundheitsstützpunkt, eine Dorfbibliothek mit einem Bücherbestand von 4,5 Tausend Bänden. In den Folgejahren entstanden hier ein Kulturhaus für 400 Plätze, ein Laden, eine Geflügelfarm, zwei Getreidelager, ein Wasserturm. 1969 feierten 19 Familien der Kolchosbauern Einzug. Fast jede Familie besaß ein Motorrad, manche hatten Autos.

1985 entstand auf der Basis  der Abteilungen Ananjewka und Jekaterinowka des Staatsguts „Senjonowskij“  das Staatsgut „Ananjewskij“, geleitet von K. Hermann. Das Staatsgut entwickelte sich erfolgreich, verfügte über Reparaturwerkstätten, Ziegelei,  Wurstproduktion, Milchfarm, Schafsfarm, Bäckerei. In Jekaterinowka wurde eine Pelztierfarm für die Zucht der Blaufüchse, Nerze und Silberfüchse eröffnet.  Anfang der 1990er Jahre begann der wirtschaftliche Tiefstand. 1993 wurde anstelle des Staatsguts die  Aktiengesellschaft geschlossenen Typs (AOZT) „Ananjewskoje“ mit I. Friesen an der Spitze registriert. 1998 wurde das Unternehmen als GeschlAG „Ananjewskoje“ neu regisrtiert, später entstand auf seiner Basis die GmbH  „Risk“ unter Leitung von A. Samochwalow.

Am 7. Juli 2012 fanden die Feierlichkeiten anlässlich des 100.jährigen Bestehens des Dorfes statt. An diesem Tag wurde im Gebäude der früheren Grundschule ein Dorfmuseum eröffnet, gegründet auf Anregung und unter Leitung von Lydia Janzen.

Zurzeit bestehen im Dorf ein Kulturhaus, eine Bibliothek, eine Oberschule, das Zentrum der deutschen Kultur „Zhurawuschka“ (Kranichvogel), der Kindergarten „Ogonjok“, eine  Abteilung der Sberbank und ein Postamt, 5 Läden, eine Bauernwirtschaft von W. Neufeld und I. Friesen. 1994 wurde für Gottgläubige  das Gebäude der früheren Heizzentrale als Bethaus zur Verfügung gestellt.

1991–1996 wanderten 117 Familien (417 Personen) nach Deutschland aus. Sie wurden von den Umsiedlern aus Kasachstan und Kirgisien abgelöst. Zum 10. Januar 2012 zählte das Dorf 646 Bewohner und 185 Hauswirte.

 

 

Quellen:

1) Landratsgemeinde Ananjewka // http://кулундинский-район.рф/anan-evskiy-sel-sovet.html

2) Geschichte der deutschen Dörfer der Region Altai // http://newasp.omskreg.ru/alt_nem/hist_sel.html

3) Deutsche Russlands: Siedlungen und Siedlungsorte: Enzyklopädisches Wörterbuch / Erstellt von W.F. Diesendorf. – Moskau, ERD, 2006 [ergänzt in 2009] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php

4) „Du Heimatort, lebe ewig“ // http://stepinf.ru/?id_razd=1134