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Alexandrowka

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ALEXANDROWKA, das älteste deutsche Dorf in Sibirien, gegründet 1893  von lutherischen  Kolonisten aus den Gouvernements Saratow und Samara auf der Parzelle Koschkul (Kos-Kul). Liegt am See Koschkul 85 km südwestlich von Omsk. Gehörte vor 1917 zum Ujesd Omsk des Gebiets Akmola, war Zentrum der Wolost Alexandrowka. In der Sowjetzeit -  Gebiet Omsk, Rayon Sosnowka (1924), Nowoomskoje (seit 1929), Asowo (seit 1935), Tawritscheskoje (seit 1963), seit    1992  – Deutscher Nationalrayon Asowo,  Zentrum der Landsiedlung Alexandrowka.

Einwohner: 850 (1897), 1528 (1911), 1700 (1920), 1729 (1926), 1587 (1939), 1503 (1989), 1460 (1993; 54% deutschstämmig), 1361 (2006). 1992 wanderten 28 Familien nach Deutschland aus.

Die erste Gruppe, bestehend aus 37 Familien traf am Siedlungsort im Sommer 1893 ein. Ein Teil von ihnen verließ  ihre Heimatorte auf Pferdekutschen und begab sich ins Gebiet Semipalatinsk, verbrachte ca. 2 Jahre (1891–1892) im Gouvernement Orenburg und kam 1893 nach Omsk. Ein anderer Teil gelangte 1891 nach Omsk aus Samara über Perm, arbeitete vor der Ansiedlung beim Bau einer Eisenbahn. Am 7. März  1894 kamen weitere  40 Familien aus den Gouvernements Saratow und Samara an, nachdem sie eine Zeitlang in der Wolost  Loktewskoje des Ujesd Barnaul, Gouvernement Tomsk, verbrachten.  1896-1899 wanderten 30 Familien aus: 9 Familien zogen ins Gebiet Syr-Darja,  9  in den Kreis Minussinsk des Gouvernements Jenissej, 9 Familien kehrten nach Russland zurück, 3 Familien ließen sich in Omsk nieder.  Die Spätaussiedler lebten effektiv  in Alexandrowka und Omsk,   wurden aber erst 1900 dem Dorf anstelle der ausgeschiedenen Familien zugeordnet.

 Am 20. Oktober 1894 wurde eine Verordnung der Gebietsverwaltung Akmola für Bildungswesen über die Einrichtung  der Dorfverwaltung in  Alexandrowka  verabschiedet.  1896 wurden auf 460 Desjatin  Land Weizen, auf 48 Desjatin  Hafer und auf 36 Desjatin  Roggen ausgesät.   Darüber hinaus wurden Kartoffeln, Gemüse angebaut. Insgesamt wurden den Kolonisten 4476 Desjatin zur Verfügung gestellt,  1916 machte das Anteilland  4705 Desjatin aus. In der Siedlung gab es Tischler,  Zimmerer, eine Eisenschmiede, Radmacher und einen Wurstmacher. 1904 zählte das Dorf 105 Haushalte, es gab 3 staatseigene und 4 private Wasserbrunnen, 4 Windmühlen, einen Gewürzkrämer- und Gewebeladen. Bereits 1900 funktionierten ein Getreidevorratslager und die Verkaufsläden, die im Besitz von G. Walter, F. Wolf, I. Ärger, W. Schwab lagen, die Handelsgesellschaft „Bavaria“ eröffnete im Dorf eine Bierstube. 1908 wurde der Betrieb einer dampfgetriebenen Walzenmühle von Abr. Abr. Giebert aufgenommen (nationalisiert  1920). 1913  gab es 140 Gehöfte, 6 Handels- und Produktionsstätten (Ölproduktionen und Ziegeleien, Verkaufsläden), jede Woche gab es einen Markt. 

 Vor 1909  gehörte die Kirchengemeinde zur Pfarrei Omsk (mit Sitz in Omsk). Am 4. Juli 1908 wurde auf der Vollversammlung der Bewohner der Wolost Alexandrowka  die Einrichtung einer eigenständigen Pfarrei  mit Sitz in Alexandrowka (Sitz des Pastors) beschlossen. Eine Genehmigung des Innenministeriums für die Eröffnung der eigenständigen Pfarrei des hl. Johannes wurde am 21. Mai 1909 erteilt. Es gab ein Bethaus.  Der Schulunterricht für die Kinder wurde zeitgleich mit der Gründung des Dorfes  aufgenommen. Am 11. November 1900 wurde anstelle der bestehenden Schule eine einklassige in der Zuständigkeit des Bildungsministeriums liegende ländliche (Fach)Schule eröffnet.  Das Gebäude war für 80 Personen ausgelegt. 1904 gab es  67 Schüler. Als Schulmeister war G.G. Fot (1910) tätig.

Nach der Befreiung Sibiriens von  Weißgardisten wurden in deutsche Siedlungen zwecks Stärkung der Sowjetmacht die Arbeiter aus Petrograd F.G. Knippen (nach Alexandrowka) und R.P. Ustimuk (nach Jekaterinoslawka) entsandt.  1922–1923 stand  das Exekutivkomitee der Wolost unter Leitung von P.G. Widholm.

In den 1920er Jahren entstanden  die Genossenschaftsformen der Arbeitsorganisation:  landwirtschaftliche Genossenschaft   (1920), Genossenschaft  zur Herstellung von Pflanzenöl l(1923), Agrargenossenschaften (3. und 4. Genossenschaft von  Alexandrowka), Maschinengenossenschaft (1. Genossenschaft  von Alexandrowka, 1925). Im Januar 1929 entstand die Kolchose „Gedenken an Lenin“. Im Oktober 1929  schlossen sich die Kolchose und andere Genossenschaften  zur Kommune „Thälmann“ zusammen (seit Ende 1929 – landwirtschaftliche Genossenschaft, seit  1930 Kolchose „Landmann“, seit 1941  - Kolchose „Stachanow-Arbeit“). 1924 wurde eine Alphabetisierungsstelle eröffnet, es gab einen Klub, eine Lesestube, eine Schule.

In den Jahren des Krieges kämpften 33 Bewohner des Dorfes an der Front, 19 von ihnen  kehrten zurück. In Alexandrowka wurden die aus dem Wolga-Gebiet deportierten Deutschstämmigen aufgenommen. Die Dorfbewohner wurden zur Arbeitsarmee eingezogen.

1951 wurde Alexandrowka nach der Vereinigung einer Reihe von Wirtschaften zum Sitz der Großkolchose „Thälmann“. Das 1942 hierher verlegte Kinderheim funktionierte bis 1957. In den Folgejahren entstanden eine Bibliothek (1945), ein Kindergarten (1950), das Dorf wurde ans Rundfunknetz angeschlossen (1952), es wurde eine Mittelschule eröffnet. (1965), im Dorf entstand zentrale Wasserversorgung  (1975), es wurde ein medizinischer Komplex eröffnet (1989). Mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland wurden eine Bäckerei (1992) und eine Fleischverarbeitungsproduktion  eröffnet. Ein großer Agrarhersteller ist die Geschl. AG „Alexandrowka“. 1993 wurde ein Sportstadium der Bestimmung übergeben. Im Dorf besteht ein Kulturhaus, ein Museum für Geschichte des Dorfes. Einer der Initiatoren der Gründung des Museums war der Lehrer, Heimatforscher und Künstler A.K. Wormsbecher (1914–2007), Verfasser eines Buches über Alexandrowka. Es bestehen die Laienkunstkollektive „Majglöckchen“ (1988), „Heimatland“ (1993).  1993 wurde das 100. Jubiläum des Dorfes begangen.

 

Literaturnachweis:

1) Баах С.В. Сведения о переселенческих поселках Омского уезда Акмолинской области (конец XIX – начало XX вв.) // Культура: Инф.-метод. бюл. – Омск, 2002. – № 2. – С. 19–21.

2) Бетхер А.Р. Старейшему немецкому селу Омской области – 110 лет // Культура: Инф.-метод. бюл. – Омск, 2003. – № 5. –С. 16–20.

3) Бетхер А.Р., Сигутов П.Т. Азовский немецкий национальный район. Краткий очерк по истории территории и населенным пунктам района. – Омск, 2003. – С. 78–86.

4) Вибе П.П. Формирование немецкого населения Омской области и сопредельных территорий // Каталог этнографической коллекции рос. немцев в собрании Омского гос. историко-краеведческого музея / Сост. И.В. Черказьянова. – Омск, 1997. – С. 6–25

5) История немцев Росси в судьбе человека //  http://omskrusdeutsch.ru/index.php?option=com_content&task=view&id=368&Itemid=137 (Информационный портал российских немцев г. Омска)

6) Материалы по переселенческому хозяйству в Степной и Тургайской областях, собр. и разраб. Экспедицией по исследованию Степных областей. Акмолинская облась. Омский уезд. Т. 5. – СПб., 1907.

7) Немцы России: населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь / Сост. В.Ф. Дизендорф. – М.: ЭРН, 2006 [с доп. 2009 года] //  http://www.wolgadeutsche.net/diesendorf/Ortslexikon.php

8) Wormsbecher A. Ein deutsches Dorf in Sibirien = Вормсбехер А. В сибирской глубинке. – М., 1993. – 272 с. (нем., рус.)