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Ust-solicha (Messer; Ust-Salicha)

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Pastorat

Historisches Denkmal.  Städtebauliches und Architekturdenkmal. Baujahr:  Anfang des 20. Jh. Ziegelsteingebäude, wird z.Zt. als Dorfklub genutzt. Ist in gutem Erhaltungszustand. L-förmiges Gebäude ist aus Ziegeln gemauert.

Kathedrale des Heiligen Antonius

Historisches Denkmal.  Städtebauliches und Architekturdenkmal. Baujahr:  1912.  Kathedrale des Heiligen Antonius,  wurde 1912 in Ust-Solicha errichtet und ist eines der markantesten Beispiele der deutschen Architektur auf dem rechten Wolga-Ufer. Die Kirche ist aus roten Ziegeln, einem in dieser Gegend vorherrschenden Baustoff,  in neugotischem Stil mit Elementen der Eklektik gebaut.  Diese große majestätische Kathedrale  hat einen für Kirchen typischen Aufbau: Der Unterbau des Gebäudes an der Westfassade in Form eines abgerundeten Parallelepipedons  trägt einen zweistöckigen Glockenturm mit quadratischem Grundriss  (Achtflächner über Vierflächner  - восьмерик на четверике), auf den Ecken des Vierflächners stehen längliche gotische  Spitztürmchen, der Achtflächner  hat 4 runde Fenster, wo sich früher eine Uhr befand.   Die ebenfalls abgerundete Apsis ist vom Hauptraum der Kathedrale durch eine  - Seitengiebel wiederholende - massive Altarscheidewand abgetrennt. Die Fenster im EG haben rechteckige Fensteröffnungen,  was gerade für die Eklektik typisch ist,  die Fenster im OG und die des Glockenturms haben halbrunde für Gotik untypische Abschlüsse (eher näher zur romanischen Baukunst)  mit klassischen Fensterrahmen, die Elemente der ebenfalls halbrunden Bögen wiederholen sich in allen Elementen der Kathedrale (in Gesimsen und Giebeln der Kathedrale, den Abschlüssen der Glockenturmgeschosse) und vereinigen diese zu einer einheitlichen Komposition.

Besondere Beachtung verdienen die über den Seitenportalen angeordneten Fenster des Querschiffs. Drei längliche Fenster mit halbrunden Abschlüssen,  zusammengefasst  durch  figuriertes Mauerwerk  mit einheitlicher halbrunder Form und schlanke Halbsäulen, bilden den Mittelpunkt der Komposition und sind ein Element von feinster  Struktur. Die Holzrahmen dieser Fenster, unten klassisch und oben mit  gotisch geschnitzten Abschlüssen, mit kompliziertem kurvenförmigem Ornament (Schneuß), Element der „flammenden Gotik“.  Ein ähnliches Fenster ist am Hauptportal angebracht, jedoch z.Zt. ohne  Fensterrahmen.

Eine separate Komposition bilden die Spitzen der Kathedrale , die den Abschluss von Ecken des ersten Glockenturmgeschosses bildeten (verziert mit Fähnchen, die noch manchenorts existent sind), und  die Türmchen mit  Kreuzen, die an unteren Enden der Giebel des Transepts und  an der Altarscheidewand zu sehen waren.

Seitlich vom Glockenturm befanden sich zwei Kammern mit Wendeltreppen aus Holz, heute blieben davon nur die Spuren am Mauerwerk übrig.  Im Unterschied von der übrigen Einrichtung des Kirchendaches hat das gemauerte Gewölbe des Glockenturms eine Kreuzform und ist in voller Konformität mit dem gotischen Stil.  Die Wände sind innen verputzt. Der Innenbereich trägt bis heute die Spuren des Anstrichs (blau, gürn, gelb, lila), jedoch lässt sich die farbliche Gestaltung des Innenraums heute kaum nachvollziehen. Auf dem Boden  sind manchenorts die Reste sechseckiger Farbfliesen (weiß und rot) zu sehen, die ein einfaches Wabenornament bilden.

Die  gemauerte Gotik (in Deutschland bereits im 12. Jh. verbreitet), deren Tradition bei dieser Kirche vertreten ist,  zeichnet sich  durch das Fehlen von Skulpturen, die sich nicht mauern ließen, und gleichzeitig durch ein Reichtum der gemauerten Ornamente  aus der Nutzung verschiedenster Formen der Ziegelsteine (halbrund,  bogenförmig, abgestuft etc.)  und  Flächenstrukturierung  aus,    Das alles kommt zur Anwendung in der Architektur dieser Kathedrale und lässt eine bizarre harmonische Mischung der Elemente entstehen, die für die Baukunst Ende des 19.- Anfang des 20 . Jh so  charakteristisch war. Das Objekt ist von föderaler Bedeutung, bedarf einer Restauration.

Fotos: