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Ust-solicha (Messer; Ust-Salicha)

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UST-SOLICHA (Messer; Ust-Salicha), reformiert-lutherisches Dorf, gegründet am 7. Juni 1766, liegt an der Mündung des Flusses Golyj Karamysch in den Fluß Solicha, 70 km südwestlich von Saratow. Gehörte vor 1917 zum Kolonistenkreis Sosnowka (nach 1871 der Wolost Sosnowka, später Wolost Ust-Solicha und Wolost Lesnoj Karamysch) des Ujesd Kamyschin, Gouvernement Saratow, in der Sowjetzeit – Rayon  Karamysch des Ujesd Golyj Karamysch der Arbeitskommune (des Gebiets) der Wolga-Deutschen, seit 1922  Kanton Golyj Karamysch (seit 1927 in Kanton Balzer umbenannt) und seit 1935  Kanton Kamenka der  ASSR der WD. Heute: Dorf Ust-Solicha des Rayon Krasnoarmejsk, Gebiet Saratow.

Einwohner: 308 (1767), 397 (1773), 581 (1788; 84 Familien), 619 (1798; 86 Familien), 960 (1816; 112 Familien), 1828 (1834; 193 Familien), 2704 (1850; 190 Familien), 3327 (1857; 259 Familien), 3403 (1859), 3149 (1886), 3403 (1897; 3375 deutschstämmig), 5057 (1905), 5961 (1911), 4344 (1920), 3425 (1922), 3200 (1923), 3716 (1926; 3712 deutschstämmig), 3706 (1931; 3703 deutschstämmig). Geburtsort des Generals I.A. Michaelis (1874–1917).

Kronenkolonie. Gegründet von 85 Auswandererfamilien aus Pfalz, Preußen und Hessen. Die Kolonie wurde nach dem ersten Vorsteher I. Messer genannt. Laut Erlass über Benennung deutscher Kolonien vom 26. Februar 1768 erhielt sie den offiziellen Namen Ust-Solicha.

Das Dorf  gehörte zur lutherischen Pfarrei Ust-Solicha. Eine Holzkirche für 500 Plätze wurde 1835 (nach anderen Angaben 1825) errichtet. 1912 wurde eine neue Kirche aus Stein erbaut. Seit 1771 befand sich in Ust-Solicha das Pastorat, 1895-1896 wurde  es neu gebaut.   1820-1823  diente dort als Pastor Johann Huber, Vater des damals künftigen Dichters Eduard Huber (1814-1847).

Eine Kirchenschule bestand seit den ersten Jahren der Kolonie. 1870 entstand eine private Genossenschaftsschule, eine der ersten bei Wolga-Deutschen,  1886 wurde sie von  40 Jungen und 2 Mädchen besucht. Dem  Lehrer zahlte man monatlich 70 Kopeken pro Schüler dafür, dass der Unterricht in seiner Wohnung stattfand. Es gab  Unterricht in Russisch und Deutsch, Rechnen sowie Religionsunterricht. 1891 wurde bei dieser Schule eine Handwerksklasse eröffnet. Die Kirchenschule wurde von   Kindern beiderlei Geschlechts vom 7. bis zum 15. Lebensjahr besucht. Dem  Schulmeister wurde eine Wohnung zur Verfügung gestellt, die Heizung sichergestellt. Er erhielt 450 Rubel im Jahr und hatte 1 Desjatin Wiese und halbes Desjatin Land für den Kartoffelanbau.

1769 lebten in der Kolonie 85  Familien, davon 84 ackerbaufähig  und 1 –unfähig, es gab 329 Personen (175 Männer und 154 Frauen). Die Kolonisten besaßen 278 Pferde, 144 Kühe und Kälber, 456 Schafe, 54 Schweine.  Im Sommer 1768 wurden  1478 Quart und 1 Scheffel  (295,6 m3) Getreide gedroschen. Im Herbst 1768 wurden 215 Quart und 1 Scheffel Roggen (43 m3) ausgesät. In der Kolonie gab es  37 Wohnhäuser. 

1860 zählte das Dorf  198 Gehöfte, es lebten 1712 Männer und 1691 Frauen, es funktionierten eine lutherische Kirche und eine Schule, eine Poststation, es gab 12 Produktionsstätten für Sarepta-Fewebe. Und Färbereien und 4 Mühlen. Als Begründer der Herstellung des Sarepta-Gewebes galten die aus Ust-Solicha stammenden Brüder Schmidt, die später als Besitzer einer florierenden Mühlenproduktion bekannt waren. 1840 wurde das Unternehmen „Handels- und Produktionsgenossenschaft der Brüder Schmidt“ gegründet.

Laut Angaben der Semstwo-Volkszählung von 1886 hatte die Kolonie  359 Hauswirte (1574 Männer und 1528 Frauen, insgesamt 3102 besitzende Siedler). Hier lebten vorwiegend  Reformierte, es gab eine Gruppe von Baptisten.  Als schreib- und lesekundig  wurden 948  Männer und  922 Frauen eingetragen. Insgesamt gab es  318 Wohnbauten, davon 100 aus Holz; 7 Häuser hatten  Metalldächer, 82 waren mit Holz,  299  mit Stroh bedeckt; es gab 23 Produktionsstätten, 2 Trinklokale und 6 Verkaufsläden. In den Haushalten  der Kolonisten gab es 242 Pflüge, 26 Harfen; 1112 Arbeits- und Reitpferde, 13 Ochsen, 717 Kühe und Kälber, 1641 Schafe, 579 Schweine, 547 Ziegen.

1891 gab es in Ust-Solicha  326 Gehöfte:  2152 Männer und 2108 Frauen, insgesamt  4260 Einwohner.  1894 zählte das Dorf  348 Gehöfte, es gab  eine Holzkirche mit Holzdach und   Pastorat, eine Semstwo-Poststation mit 8 Pferden, ein Post- und Fernmeldeamt. In Ust-Solicha hatten der Semstwo-Leiter des  Abschnitts 1, der Pastor und die Verwaltung der Wolost ihren Sitz. .Es arbeiteten 2 Produktionsstätten für Sarepta-Gewebe (ca. 600 Beschäftigte), eine Färberei. Mittwochs gab es einen Markt, zu dem  im Sommer und Winter bis zu 40 Fuhrwerke kamen. 1896 wurde ein Semstwo-Krankenhaus eröffnet.

 Das Dorf war das Zentrum des Landrats Messer (1926 gehörten zum Landrat das Dorf Messer, ein Gehöft bei der Wassermühle Kaiserling).  In den 1920er Jahren funktionierten ein Genossenschaftsladen,  eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Maschinengenossenschaft, eine Grundschule und eine Lesestube. Im September 1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der WD nach Sibirien und Kasachstan deportiert.

Zurzeit hat das Dorf 8 Straßen, einen Kindergarten, einen Gesundheitstützpunkt mit Geburtshilfestelle, eine Zweigstelle der Sparbank (Sberbank),  Wasserleitung und  ein Kesselhaus. 2010 hatte das Dorf 1518 Bewohner. Hier befindet sich eine Ansiedlungs-Strafkolonie USch 382/11, in der Kolonie entwickelt sich die Nähproduktion. Das Unternehmen „Saneko“ betreibt die Förderung von Rohöl und Erdölbegleitgas.

 

Quellen:

1) Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

2) Большая саратовская энциклопедия // http://saratovregion.ucoz.ru/region/krasnoarmeyskiy/ust-zoliha.htm  

3) Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/messer.htm

4) Князева Е.Е., Соловьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIII–XX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.

5) Прогулки по интересным местам Саратовской области // http://biver64.livejournal.com/9172.html