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Andrejewskoje (Kano, Kaneau, Сaneau; Kanskoje; Andrejewka)

Geschichte der Siedlung

ANDREJEWSKOJE (Kano, Kaneau, Сaneau; Kanskoje; Andrejewka), ein Dorf mit der Bevölkerung lutherisch-reformierter Bekenntnis, gegründet am  7. Juni 1767  von den aus Dessau, Isenburg und Bamberg stammenden Siedlern. Liegt auf dem rechten Ufer des Flusses Malyj Karaman. Gehörte  bis Oktober 1918 zum Kolonistenbezirk Jekaterinenstadt des Ujezd Nikolajewsk,   Gouvernement Samara; Ujezd Nikolajewsk (Wolost Jekaterinenstadt). In der Sowjetzeit  gehörte es zur ASSR der Wolga-Deutschen, Kanton/Bezirk Marxstadt. Gegenwärtig gehört es zur Landsiedlung Priwolzhskoje des Kanton/Bezirks Marxstadt, Gebiet Saratow.

Einwohner: 283 (1767), 310 (1769), 263 (1773), 163 (1788), 229 (1798), 383 (1816), 662 (1834), 826 (1850), 976 (1857), 986 (1859), 1333 (1889), 1703 (1897; 1692 deutschstämmig), 2303 (1904), 2196 (1910), 2132 (1920; 100% deutschstämmig), 1138 (1922), 1121 (1923), 1060 (1926; 1057 deutschstämmig), 1714 (1931; 1704 deutschstämmig).

Die Kolonie wurde von Baron Beauregard gegründet, mit 82 Gründerfamilien. Unter den ersten Siedlern waren Karl Martin Kauerhof aus Dessau, Karl Andreas Meisner aus Halle, Christian und Johann Christian Tenerkauf  aus Quelendorf, Gottfried May aus Dessau,  Johann Gottlieb  Leopold Martinus aus Dessau, Johann  Schifelmeier aus Belheim etc.  Genannt nach Baron  de Caneau de Beauregard. Wurde in den Jahren des Ersten  Weltkrieges in Anderejewka umbenannt.

Die Kirchengemeinde  gehörte zum lutherischen Kirchenbezirk Nord-Jekaterinenstadt, Boaro (seit 1905). 1795 wurde eine Holzkirche errichtet, 1836 umgebaut, ebenfalls als ein Holzbau. Der Grundstein für eine neue Holzkirche für 800 Kirchengänger  wurde am 7.Juli 1885 gelegt und am 5.Juli  1887 wurde die Kirche geweiht.

Laut Angaben verfügten  die Kolonisten 1857  über 3624 Desjatin Anteilland, bewohnt  von 113 Familien. Pro Mann entfielen ca. 6,3 Desjatin Land. 1859 zählte die Kolonie 90 Gehöfte,  493 Männer und 493 Frauen, es gab eine lutherische Kirche, eine Schule, eine Mühle. Als Nebengewerbe waren der Tabakanbau und das Strohflechtgewerbe verbreitet. Allein 1780 wurden aus Kano 1574 Pud Tabak bezogen.  1910 funktionierten im Dorf zwei Schulen: eine Kirchengemeinde- und eine landständische Schule, es gab eine Ziegelei.

Nach der Gründung der Arbeitskommune der Wolga-Deutschen im Oktober 1918 bis zur Auflösung der ASSR der Wolga-Deutschen im Jahr 1941 war das Dorf Kano ein Verwaltungszentrum der Landratsgemeinde des Kantons Marxstadt.    1926 gehörten zur Landratsgemeinde Kano das  Dorf Kano, die Tochtersiedlungen  Metschetka, Susly und Roorgraben.  Während der Hungersnot von 1921 wurden  78 Personen geboren und 362 Personen sind gestorben. Laut der Volkszählung von  1926 gab es im Dorf 213 Haushalte (einschl.  212 deutsche) mit einer Einwohnerzahl von 1060 Personen (507 Männer und 553 Frauen), davon machte die deutschstämmige Bevölkerung  1057 Personen (507 Männer und 550 Frauen) aus.

Mitte der 1920er Jahre  arbeiteten im Dorf ein Genossenschaftsladen, eine Maschinen- und eine Agrar-Genossenschaft, eine Grundschule und  eine Dorflesestube.  Im Februar  1930 gab es im Dorf Massenprotestaktionen gegen die Enteignung von Dorfgenossen. In den 1930er Jahren bestanden die Kollektivwirtschaften (Kolchosen) „Bolschewik“, „Stoßbrigadler“, „Komsomoletz“.  1938 wurde die Kollektivwirtschaft „Stoßbrigadler“ von der 1937 gegründeten Maschinen- und Traktorenstation Orlowskoje), die Kollektivwirtschaft „Bolschewik“ (unter Vorsitz von Fidler) von der 1930 gegründeten Maschinen- und Traktorenstation Marxstadt  bedient. Im September 1941 wurde die Bevölkerung der ASSR der Wolga-Deutschen  nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Am 2. Juli 1942 г. wurde das Dorf Kano in  Andrejewka umbenannt. Zurzeit gibt es in Andrejewka 6 Straßen (Begowaja, Seljonaja, Sowjetskaja, Erste Gasse, Naberezhnaja, Zentralnaja) und über 65 Häuser.

 

Quellen:

1)    Князева Е.Е., Словьева Г.Ф. Лютеранские церкви и приходы России. XVIIIXX вв.: Истор. справочник. Ч. 1. – СПб., 2001.

2)    Немцы России. Населенные пункты и места поселения: энцикл. словарь. / Сост. В.Ф. Дизендорф. 3-е перераб. Интернет-издание. – 2011.

3)    Geschichte der Wolgadeutschen // http://wolgadeutsche.ru/list/kano.htm

4)    Pleve I. Einwanderung in das Wolgagebiet. 1764–1767. Bd. 2: Kolonien Galka – Kutter. – Göttingen, 2001.